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1:0 in Spanien : Deutscher Prestigesieg im Dauerregen

Der Kreis schließt sich: Kroos und Co nach dem gelungenen Schlusspunkt Bild: dpa

Ein gelungener Schlusspunkt: Die deutsche Abwehr steht sicher und Kroos trifft in vorletzter Minute: Mit dem 1:0 in Spanien endet das Jahr der Weltmeister sehr versöhnlich.

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          Die deutschen Weltmeister haben sich aus ihrem großen WM-Jahr mit einem schönen Schlusspunkt verabschiedet. Eine personell arg dezimierte und teilweise ziemlich unerfahrene Mannschaft, die in dieser Formation noch nie zusammen gespielt hatte, glückte vier Tage nach einem unerfreulichen Auftritt gegen Fußballzwerg Gibraltar (4:0) gegen das jahrelang weltbeste Team aus Spanien ein 1:0-Sieg. Der Treffer im letzten Spiel des Jahres glückte Toni Kroos mit einem Fernschuss in der vorletzten Minute.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die kunterbunte Auswahl von Joachim Löw erfüllte in Vigo alle Vorgaben in Sachen Stabilität, Disziplin und Engagement. Mitunter gelang dem von Kroos im Mittelfeld spiel- und stilsicher geführten Team die ein oder andere gelungene Kombination. Das war mehr, als man von dieser Mannschaft nach den mühseligen und mitunter auch enttäuschenden Auftritten seit dem WM-Finale erwarten durfte. In eigener Sache konnte von den neuen Spieler, die seit der WM zum Kader gestoßen sind, der Hoffenheimer Sebastian Rudy auf der rechten Seite sowie der Leverkusener Angreifer Karim Bellarabi gegen die Spanier weiter auf sich aufmerksam machen. Das waren zum Jahresabschluss zwei erfreuliche Fingerzeige, die gegen den aktuellen Europameister schon mal auf die EM 2016 in Frankreich hinwiesen.

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          Wenn man das Team des Weltmeisters beim Anpfiff durchging, dann war schnell klar, dass man es bei diesem Prestigeduell zwischen der besten Mannschaft der Welt und ihrem Vorgänger eigentlich mit einem Etikettenschwindel zu tun hatte - aber eben auch mit dem Versuch des Bundestrainers, taktisch etwas zu wagen. Und beides, die aus der personellen Not entstandene Formation sowie des Bundestrainers taktische Lösung dazu, konnte sich am Ende sehen lassen. Vor Torwart Zieler hatte Löw in Vigo eine Dreierkette mit Höwedes, Mustafi und Rüdiger aufgeboten, an ihre Seite stellte er Durm und Rudy. Die geballte deutsche Defensive mit einem halben Dutzend Nationalspielern kam somit auf die Erfahrung von fünfzig Länderspielen, wobei dreißig Einsätze allein auf das Konto von Weltmeister Höwedes entfielen. Neben dem Schalker waren ansonsten nur noch Kroos und Müller aus der finalen Startelf gegen Argentinien von Beginn an dabei.

          Die deutsche Dreierkette war in der ersten Halbzeit mitunter gar nicht so leicht als solche zu identifizieren, weil bei spanischen Angriffen die beiden deutschen Außenspieler daraus eine Fünferkette machten. Und weil sich diese neuformierte DFB-Elf gegen ein ball- und passsicheres, wenngleich ebenfalls ersatzgeschwächtes spanisches Team erst finden musste, erinnerte die deutsche Formation mitunter fast ein bisschen an Gibraltar. Vor der Fünferkette tummelte sich bis auf Götze der Rest des Teams ziemlich nah am eigenen Strafraum. Aber je länger sich die Deutschen im strömenden Regen aneinander gewöhnten, desto mehr lockerte sich der Verbund auf.

          Nach zwanzig Minuten gelang dem Weltmeister dann auch der erste schöne Angriff nach einem feinen Zusammenspiel zwischen Müller und Götze, dessen Schuss Torwart Casillas allerdings abwehren konnte. Nur zwei Minuten später musste der nächste Weltmeister im letzten Spiel des Jahres passen. Nach einem Foul von Ramos konnte Müller wegen Schmerzen im Rücken nicht mehr weiterspielen. Er räumte seinen Posten für Bellarabi, dessen Dribbelstärke und Schnelligkeit dem deutschen Angriffsspiel einige schöne Impulse verlieh. Nach einer guten halben Stunde lief der zweite schnelle Konter der Deutschen über den Leverkusener, dessen Hereingabe im zweiten Versuch die Spanier schon ein bisschen durcheinander brachte. Mehr aber auch nicht, weil der Schuss von Rudy über das Tor ging.

          Der aktuelle Europameister dominierte in der ersten Halbzeit zunächst mit reichlich Ballbesitz die Partie, ohne sich dabei große Chancen zu erspielen. Einige Male kamen die Spanier zwar mit ihren Angriffen bis zur Grundlinie durch, aber dann fehlte es an Präzision im letzten Zuspiel oder beim Abschluss. Torwart Zieler wurde auch kaum geprüft.

          Trainer del Bosque nahm zur Pause dann noch weiteren personellen Glanz aus der Begegnung der stärksten Mannschaften der vergangenen Jahre. Die Titelsammler Ramos und Pique verließen den Platz. Die Deutschen machten jedoch immer selbstbewusster da weiter, wo sie in der ersten Halbzeit aufgehört hatten: sie gestalteten das Spiel stabil und ausgeglichen. Angeführt vom sehr starken Kroos, der mit Ballsicherheit, Passgenauigkeit und Übersicht im Mittelfeld für Linie sorgte, wurde daraus trotz der widrigen Umstände ein ansehnliches und gutes, wenn auch nicht hochklassiges Spiel. Aber das war schon mehr, als man erwarten durfte.

          In der 59. Minute war es Zieler, der bei der bis dahin beste spanische Chance, einem harten und plazierten Freistoß von Nolito zur Stelle war. Und in der 82. Minute war der Hannoveraner Torwart noch mal mit einer Hand zur Stelle. Eine Minute vor dem Ende sorgte Kroos, als sich die Mannschaften scheinbar schon auf ein 0:0 eingerichtet hatten, mit einem schönen Fernschuss für den letzten schönen Erfolg dieses ohnehin wunderbaren deutschen Fußballjahres.

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