https://www.faz.net/-gtl-145sq

1:0 in Russland : Klose schießt Deutschland zur WM

Flugschule: Miroslav Klose feiert sein 48. Länderspieltor Bild: ddp

Die deutsche Fußball-Nationalelf fährt nach einem 1:0 in Russland zur WM 2010. Klose schoss das Tor. Großer Rückhalt war Torwart Adler. Die Deutschen verteidigten den Vorsprung in Unterzahl - weil Debütant Boateng vom Platz gestellt wurde.

          In den letzten Minuten war es mucksmäuschenstill im Stadion. 75000 Zuschauer und den elf russischen Spielern sank erkennbar der Mut, um wenigstens noch an den Ausgleich in der Nachspielzeit zu glauben. Aber auch in den letzten Augenblicken erschien die deutsche Nationalmannschaft nach mehr als zwanzig Minuten in Unterzahl wie ein Souverän. Der 1:0-Sieg durch den Treffer von Miroslav Klose in der 35. Minute im wichtigsten Spiel des Jahres geriet selbst nach dem Platzverweis für Jérome Boateng (69. Minute) nicht mehr in Gefahr.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit der Maßarbeit von Moskau verdiente sich die deutsche Mannschaft die direkte und vorzeitige Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2010 in ganz erstaunlicher Weise. Mit einem mannschaftlich imponierenden Auftritt sicherten sich die Deutschen vor dem letzten Qualifikationsspiel am Mittwoch in Hamburg gegen Finnland mit vier Punkten Vorsprung den ganz großen Preis in Gruppe vier. „Wir waren nervenstark, wir haben an uns geglaubt heute. Wir haben uns nicht hinten rein gestellt. Deshalb haben wir verdient das Ergebnis erzielt, das wir wollten“, sagte Kapitän Michael Ballack hocherfreut über den großen Ertrag.

          „Ich habe gespürt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat“

          An dem frostigen Abend in Moskau machten nicht zuletzt die Lieblinge des Sommermärchens den Unterschied zwischen der internationalen Fußballgröße Deutschland und den russischen Herausfordern. Per Mertesacker als zentraler und umsichtiger Abwehrchef, Philipp Lahm als strategischer Aufräum- und Aufbauarbeiter, Kapitän Michael Ballack als Controller im Mittelfeld, Bastian Schweinsteiger als sein bester und verlässlichster Partner, Lukas Podolski als kluger Mannschaftsdiener und Miroslav Klose als Torjäger des Tages - und dazu lieferte Mesut Özil immer wieder seine Stücke spielerischer Extraklasse, was dem kühl kalkulierten deutschen Auftritt einen Hauch von Unberechenbarkeit verlieh.

          Flugschule: Miroslav Klose feiert sein 48. Länderspieltor Bilderstrecke

          In der zweiten Halbzeit machte sich auch noch René Adler zu einem der ganz großen Gewinner, als er mehrmals den Vorsprung rettete - und damit auch ganz persönlich die allergrößte Chancen auf die direkte Qualifikation als Nummer eins für Südafrika hat. „Ich habe gespürt, dass jeder das Sieger-Gen in sich hat”, sagte Bundestrainer Joachim Löw nach dem 1:0-Sieg mit spürbarem Stolz über seine Spieler, die ihre Stärken im richtigen Moment auszuspielen verstanden.

          Adler reagiert bei der ersten russischen Chance prächtig

          Die Konzentration und Präzision, die der Bundestrainer tagelang von seinen Spielern eingefordert hatte, waren beim Showdown in Moskau von der ersten Minute an zu spüren. Mit solch geistiger Aufmerksamkeit und körperlicher Präsenz war sein Team schon lange nicht mehr zu Werke gegangen. Die wichtigste Vorgabe, in einem kompakten Zehn-Spieler-Band den Russen den Raum für ihre blitzschnellen Angriffe und Kombinationen zuzustellen, und bei Ballgewinn schnell und exakt den Weg nach vorne zu suchen, erfüllte der Tabellenführer eine halbe Stunde in vorbildlicher Weise.

          Dann aber war der Moment gekommen, vor dem sich der Bundestrainer und sein Team gefürchtet hatten - und ihn dann doch nicht verhindern konnte. Boateng erlaubte sich seinen ersten Stellungsfehler an der Mittellinie, und auf diese Gelegenheit hatte der russische Superstar Arschawin nur gewartet. Mit atemraubender Geschwindigkeit wirbelte er durch das Mittelfeld und sein perfekter Pass erreichte Bystrow freistehend vor Adler. Aber der Leverkusener Torhüter reagierte prächtig und wehrte den Schuss des Russen ab.

          Klose vollendet eine Kombination von Podolski und Özil

          Der Schreckensmoment hatte auf die Deutschen jedoch keine einschüchternde Wirkung. Mit ihrem taktisch klugen und technisch meist auch präzisem Kunstrasen-Kombinationsspiel leisteten auch sie immer wieder ihren erstklassigen Beitrag - und wurden belohnt. In der 34. Minute eroberte Ballack an der Außenlinie den Ball, worauf ein Doppelpass von Podolski und Özil folgte, den der Bremer mit einem Querpass im Strafraum auf Klose mit großer Übersicht verfeinerte.

          Der Torjäger im Nationaltrikot, der bei Bayern aber noch gar nicht getroffen hat, rutschte an genau der richtigen Stelle über den Kunstrasen und erzielte das 1:0 - darauf folgte einen Salto. Diese Zugabe erlaubt sich der DFB-Schützenkönig nur zu besonderen Anlässen. „Wir haben wie immer unter Druck gestanden, aber wir sind sehr gut damit umgegangen. Wir haben ein Klassespiel gemacht“, sagte Klose.

          „In manchen Momenten hatten wir auch Glück“

          Nach dem Wechsel verdankte es die deutsche Mannschaft vor allem Torhüter Adler, dass sie ihren Vorsprung auch verteidigte. Nach dem besten russischen Angriff über Kerschakow wehrte er zunächst den plazierten Schuss von Arschawin glänzend ab (53.), nur drei Minuten später war es wieder der russische Star, der aus fünfzehn Metern frei zum Schuss kam. Adler reagierte jedoch wiederum prächtig, dann verfehlte ein Fallrückzieher von Bystrow nur knapp das Tor. „In manchen Momenten hatten wir auch Glück“, sagte Löw.

          Aber die Deutschen lösten sich in dem hochklassigen Duell immer wieder mit klugen Kontern aus der russischen Umklammerung. Özil scheiterte dabei nach rund einer Stunde mit einem Schuss aus gut zwanzig Metern an der Latte. In der 69. Minute erlebte der Krimi von Moskau seine Zuspitzung. Jérome Boateng, der schon in der ersten Halbzeit nach seinem ersten Foul die Gelbe Karte erhielt, kam wiederum im Zweikampf mit Bystrow einen Schritt zu spät.

          Schiedsrichter Busacca stellte den Hamburger, der bis dahin seine Sache trotz einiger kleiner Schwächen gut gemacht hatte, vom Platz. Aber auch in Unterzahl zeigte sich das Team von Löw robust und selbstbewusst. Die deutsche Mannschaft geriet kaum mehr in Gefahr und hatte zudem Glück, dass ein Foulspiel von Arne Friedrich an Bystrow drei Minuten vor Schluss nicht mit dem fälligen Elfmeter geahndet wurde. Ihr großes Ziel verlor die Mannschaft von Joachim Löw nicht mehr aus den Augen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaschutz : Vertraut nicht den Verboten!

          Im Kampf um das Klima gibt es viele Einzelideen. Sie versperren den Blick auf das Notwendige: ein sinnvolles Gesamtkonzept. Dafür gilt: Lieber gründlich als überhastet.

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.