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1:0 in Pilsen : Wenig Leistung, maximaler Ertrag für die Bayern

Danke, Mario: Die Bayern freuen sich über das Tor von Mandzukic Bild: dpa

Die Bayern quälen sich zu einem 1:0-Sieg bei Viktoria Pilsen und erreichen vorzeitig das Achtelfinale der Champions League. Die Leistung der Münchner kann Trainer Guardiola allerdings nicht gefallen.

          3 Min.

          Das Minimalziel ist erreicht, mit einer minimalistischen Leistung, die dem Perfektionisten Pep Guardiola gar nicht gefallen konnte. Der FC Bayern steht im Achtelfinale der Champions League – zum 16. Mal bei 17 Teilnahmen.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          Der letzte Schritt dorthin gelang am Dienstagabend mit einem äußerst mühseligen 1:0-Sieg beim tschechischen Meister und Tabellenletzten Viktoria Pilsen. Den Treffer erzielte der kurz zuvor eingewechselte Mario Mandzukic mit einem Kopfball in der 65. Minute.

          Es war der neunte Sieg nacheinander für die Bayern in der Champions League. Diese Serie, die im April mit dem 2:0 im Viertelfinalhinspiel gegen Juventus Turin begann, bedeutet die Einstellung des elf Jahre alten Rekordes des FC Barcelona.

          Das 1:0 in Pilsen reicht den Münchnern schon vor den beiden letzten Spieltagen zum Weiterkommen. Denn im anderen Gruppenspiel gewann Manchester City 5:2 gegen ZSKA Moskau, das die Bayern nun nicht mehr einholen kann.

          Der kroatische Torjäger hat geköpft, der Torwart springt ins Leere
          Der kroatische Torjäger hat geköpft, der Torwart springt ins Leere : Bild: AP

          Das Resultat erfüllte die Mindestanforderungen des Trainers, die spielerische Leistung nicht. „Wir haben gegen Manchester, Leverkusen, Schalke oder Chelsea unglaublich gespielt. Das war unser bestes Niveau. Das wollen wir erreichen“, hatte Guardiola angekündigt und hinzugefügt: „Das Bayern-Niveau liegt im Himmel, so hoch ist das. Das wollen wir schaffen für die Fans.“

          Es wurde dann aber eine sehr irdische Darbietung der bayrischen Himmelsstürmer, die sichtbar überrascht waren von der Verwandlung ihres Gegners. Zwei Wochen nach der 0:5-Demontage in München waren die Tschechen über weite Strecken kaum wiederzuerkennen.

          Götze fragt lieber nochmal nach beim Schiedsrichter
          Götze fragt lieber nochmal nach beim Schiedsrichter : Bild: dpa

          Die Pilsener hatten nach nur einem Sieg in sechs Partien am Wochenende mit einem 6:1 gegen FK Jablonec neuen Mut geschöpft. Trainer Pavel Vrba wollte gegen die Bayern eine Mannschaft sehen, die im Gegensatz zum Hinspiel „mit erhobenem Haupt und ohne Angst aufläuft“.

          Und schon in den ersten fünf Minuten zeigten die Tschechen mehr Mut und Zug zum Tor als in den gesamten neunzig Minuten in München, in dem sie auf 0:34 Torschüsse gekommen waren. Nach drei Minuten hätte Aushilfs-Verteidiger Diego Contento um ein Haar einen Elfmeter verschuldet, als er im Laufduell Stanislav Tecl zu Fall brachte, doch der Schiedsrichter wertete den Zweikampf als regulär.

          Die Tschechen aus Pilsen wehrten sich nach Kräften gegen die Bayern
          Die Tschechen aus Pilsen wehrten sich nach Kräften gegen die Bayern : Bild: AFP

          Es dauerte elf Minuten bis zur ersten Torgefahr durch die Bayern. Torwart Matus Kozacik war zweimal bei Schüssen von David Alaba auf der Hut. Nach 16 Minuten verschaffte sich Mario Götze am rechten Flügel mit feiner Finte Platz für einen präzisen Rückpass auf Bastian Schweinsteiger, dessen Direktabnahme als Flachschuss aus zwölf Metern an den Pfosten flog.

          Das Spiel schien nun im erwarteten Raster und die Führung der Bayern nur eine Frage der Zeit. Doch die Tschechen wehrten sich gegen das Unvermeidliche, und das lange Zeit erfolgreich. Von den 11.000 Fans in ihrem kleinen Stadion wurden sie für mutige Angriffe und nimmermüde Schussversuche gefeiert.

          Fragende Blicke: Schweinsteiger und die Bayern sind nicht in Gala-Form
          Fragende Blicke: Schweinsteiger und die Bayern sind nicht in Gala-Form : Bild: dpa

          Die Bayern sahen sich häufiger als gewohnt in ihre eigene Hälfte gedrängt, was immerhin die seltene Gelegenheit zu Kontern gab. Die beste davon wurde vergeben, als bei einer Vier-gegen-drei-Situation der letzte Pass auf Lahm zu steil geriet. Die letzten zehn Minuten vor der Pause gehörten den Pilsenern. In der 36. Minute schoss der frühere Augsburger Milan Petrzela wuchtig über Manuel Neuers Tor.

          Kurz danach setzte Daniel Kolar nach Flanke von Pavel Horvath einen Kopfball aus bester Position knapp über die Latte, die beste Chance der Tschechen in der ersten Halbzeit. Bis zur Pause hielten sie die wackelnde Bayern-Abwehr in Atem und zwangen Neuer bei einem Steilpass zu einem riskanten Ausflug mit Kopfballabwehr vor seinem Strafraum.

          Die Heimelf aus Pilsen hatte immer wieder einen Fuß dazwischen
          Die Heimelf aus Pilsen hatte immer wieder einen Fuß dazwischen : Bild: AFP

          Die Bayern kamen mit mehr Schwung aus der Kabine, Lahm spielte Doppelpass mit Müller, brachte den Ball auch am Torwart vorbei, doch Cisovsky verhinderte auf der Linie das erste Champions-League-Tor in Lahms Karriere. Nach 56 Minuten wehrte Kozacik gegen den frei durchgekommenen Ribéry ab.

          Zwischendurch hatte der 38 Jahre alte Horvath, im Hinspiel noch belächelt wegen seines erkennbaren Bäuchleins, seinen großen Auftritt. Er sehe „ein bisschen anders aus als junge Spieler, er sieht aus wie Lothar Matthäus“, hatte Bastian Schweinsteiger gesagt.

          90 Minuten Ruhe: Präsident Hoeneß beim Spiel in Pilsen
          90 Minuten Ruhe: Präsident Hoeneß beim Spiel in Pilsen : Bild: REUTERS

          Eine kleine Spitze an den deutschen Rekord-Nationalspieler, der am selben Tag in einem Interview Schweinsteiger bei den Bayern für „ersetzbar“ gehalten hatte. Und dann, nach 54 Minuten, narrte der diesmal starke Horvath mit einem Trick Schweinsteiger und erzwang eine Ecke – worauf Guardiola prompt Schweinsteiger gegen Martinez austauschte.

          Außerdem kam Mario Mandzukic als Mittelstürmer für Müller – und erzielte prompt auf Flanke von Lahm das 0:1. Ein Treffer, der Erleichterung verschaffte, aber keine Sicherheit. Nach 76 Minuten vergab Tecl erst gegen Neuer, dann vor dem leeren Tor die große Chance zum Ausgleich. Für die Bayern stimmte am Ende nur das Ergebnis.

          Viktoria Pilsen - Bayern München 0:1 (0:0)

          Viktoria Pilsen: Kozacik - Rajtoral, Cisovsky, Prochazka, Hubnik (71. Reznik) - Horava, Horvath - Petrzela, Kolar, Duris (83. Pospisil) - Tecl (87. Bakos)
          Bayern München: Neuer - Rafinha, van Buyten, Contento, Alaba - Lahm - Götze (87. Weiser), Schweinsteiger (59. Javi Martínez), Kroos, Ribéry - Müller (59. Mandzukic)
          Schiedsrichter: Mateu (Spanien)
          Zuschauer: 11.360 (ausverkauft)
          Tor: 0:1 Mandzukic (65.)
          Gelbe Karten: Horvath, Hubnik, Kolar / -

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