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1:0 gegen Portugal : Spanien gewinnt iberisches Bruderduell

Die Karikaturen stammen von www.fussball-kommentare-wortwoertlich.de Bild: Gerwin Hoch

Im abschließenden Achtelfinale der Fußball-WM beißt sich Europameister Spanien mit Mühe gegen seinen kleinen Nachbarn Portugal durch. Villa schießt beim 1:0-Sieg das Tor des Tages - und steht dabei knapp im Abseits.

          Die Weltmeisterschaft bleibt für ihren größten Favoriten ein hartes Stück Arbeit. Aber die Spanier, mit einer Niederlage gestartet und seitdem in jedem Spiel unter Druck, beißen sich weiter durch. Mit einem mühsamen 1:0-Sieg gegen die lange Zeit gefährlicheren Portugiesen hat der Europameister am Dienstag als letztes Team das Viertelfinale erreicht. Das Siegtor in Kapstadt erzielte David Villa in der 63. Minute nach einer feinen Kombination über Iniesta und Xavi. Portugals Trainer Carlos Queiroz zeigte sich als fairer Verlierer: „Letztendlich hat Spanien die besseren Torchancen gehabt und deshalb verdient gewonnen.“ Sein Gegenüber Vicente Del Bosque erklärte stolz wie in Spanier: „Wenn wir so spielen wie heute, ist es sehr schwer, gegen uns zu bestehen.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Das WM-Treffen unter Nachbarn war von der Form her ein echtes Gipfeltreffen. Spanien hatte von den letzten fünfzig Spielen nur zwei verloren. Aber auch der Gegner kam in das iberische Duell mit einer glänzenden Bilanz. Seit Torwart Eduardo Ende 2008 den Platz im Kasten übernahm, waren die Portugiesen ungeschlagen geblieben, hatten in 18 Spielen nur drei Gegentore erhalten und waren bis Dienstag das letzte Team bei der WM, gegen das noch niemand getroffen hatte.

          Zu Beginn hatte Eduardo einige Arbeit, seine Serie zu verlängern. Schon in der ersten Minute zwang ihn Fernando Torres mit einem Schuss aus halblinker Position zu einer Parade in Vollstreckung. Zwei Minuten später versuchte es dessen Sturmpartner David Villa fast aus derselben Position mit einem Aufsetzer, den der portugiesische Torwart ebenso sicher hielt wie in der 7. Minute einen Villa-Schuss aufs kurze Eck. Danach nahmen ihm seine gut sortierten Vorderleute die Arbeit immer mehr ab. Die Spanier hatten wie immer reichlich Ballbesitz, doch ihre Angriffe zirkulierten meist zu gleichförmig und ziellos, um eine Lücke im Abwehrbollwerk zu finden, zumal das Sturmzentrum zwischen den eher als Außenstürmern platzierten Villa und Torres ein Vakuum war.

          Die Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben: David Villa hat getroffen

          Cristiano Ronaldo hatte nur wenige Auftritte

          Torgefahr entfachten eher die Portugiesen, die mit ihrer Kontertaktik den Spaniern Schwierigkeiten bereiteten. In der 20. Minute leitete der starke Linksverteidiger Fabio Coentrao eine Schnellattacke ein, die Tiago aus 16 Metern frei zum Schuss brachte. Torwart Iker Casillas hatte große Mühe mit der Abwehr und musste sich im Nachfassen lang machen, um mit den Fingerspitzen den Ball noch knapp vor der Linie und vor der Stirn des Bremers Hugo Almeida zu erwischen. Dann hatte Cristiano Ronaldo einen seiner seltenen Auftritte, mit seiner famosen Schusstechnik schickte er aus über 35 Metern einen Freistoß auf eine Flugkurve, die Casillas' ballistische Berechnungen beinahe überforderte. Der Torwart musste den Ball mit der Brust abwehren (28.). Dann gab es noch zwei gute Kopfballchancen für Almeida (39.) und Tiago (43.) sowie einen Konter nach spanischer Ecke, bei dem Casillas 25 Meter vor seinem Tor knapp vor Simao klären musste.

          Und die Spanier? Fast 400 Pässe, 62 Prozent Ballbesitz, null Ertrag - die Bilanz einer fruchtlosen ersten Hälfte. Der Europameister kreiselte ziellos herum. Vor allem Andres Iniesta ließ die sonst gewohnte Präzision im Timing seiner Zuspiele vermissen. Nimmt man die drei Einzelaktionen der siebten Minute aus, so gingen die Spanier in die Pause, ohne sich viele Torchance herausgespielt zu haben.

          Villa stand vor seinem Tor knapp im Abseits

          Auch in der zweiten Halbzeit bot sich zunächst dasselbe Bild. Der starke Almeida ließ auf der linken Seite Gerard Piqué stehen, seine auf Ronaldo gezielte Hereingabe wurde in letzter Not von Carles Puyol abgewehrt - und um ein Haar ins eigene Tor gelenkt (52.). Nach knapp einer Stunde wechselte Spaniens Trainer Vicente del Bosque den formschwachen Torres aus und brachte Fernando Llorente in die Spitze. Es war wie eine Initialzündung. Der 1,94-Meter-Mann brachte sofort Gefahr mit einem Flugkopfball, den Eduardo mit Mühe abwehren konnte. Es dauerte nur eine Minute bis zur nächsten Chance. Villa verfehlte mit einem glänzenden Schuss aus zwanzig Metern knapp das Tor. Abermals eine Minute später machte er alles richtig. Iniesta spielte endlich einen präzisen Pass in den Strafraum, Xavi leitete mit der Hacke weiter, und der wendige Torjäger überwand im Nachschuss Eduardo zum 1:0. Allerdings stand Villa im Abseits - wenn auch knapp.

          Die Portugiesen mussten nun ihren Riegel etwas lockern, was spanische Konterchancen eröffnete. Nach einer Blitzkombination durchs Zentrum kam Rechtsverteidiger Sergio Ramos frei zum Schuss, der glänzende Eduardo lenkte ihn mit den Fingerspitzen um den Pfosten (70.). Die Spanier hatten das Spiel nun im Griff, die Portugiesen wirkten wie ein angeschlagener Boxer. Ihre einzige große Ausgleichschance verdarb Capdevilla, als er zwei Minuten vor dem Ende einen Schuss von Danny artistisch abblockte. Kurz darauf erhielt der eingewechselte Portugiese Ricardo Costa die Rote Karte für einen Ellbogenschlag gegen Capdevilla.

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