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1:0 gegen Paraguay : Villas Billard-Tor bringt Spanien ins Halbfinale

David Villa, wer sonst? Der spanische Stürmer schießt Spanien ins Halbfinale Bild: AFP

Elfmeter-Dramatik, Teil 2: Nach Ghanas bitterem Aus gibt es zwischen Spanien und Paraguay gleich drei Strafstöße. Cardozo scheitert, Alonso trifft, muss nochmal ran - und versagt. Am Ende schießt Villa Spanien ins Halbfinale gegen Deutschland.

          Fürchten braucht sich die deutsche Mannschaft vor niemandem mehr. Vier Tore gegen England, vier Tore gegen Argentinien - da darf die Frage schon eher umgekehrt gestellt werden: Wen beschleicht kein mulmiges Gefühl beim Gedanken, gegen diese Deutschen spielen zu müssen? Man darf sicher sein, dass der Respekt auch bei den Spaniern groß sein wird vor dem Halbfinale am kommenden Mittwoch in Durban (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker). „Die Deutschen haben eine Riesen-Mannschaft. Respekt!“, sagte Torwart Iker Casillas. „Das ist die vielleicht beste Mannschaft der WM.“

          1:0 gewannen die Spanier ihr Viertelfinale am Samstagabend gegen Paraguay im Ellis Park von Johannesburg, damit stehen sie zum ersten Mal seit 1950 unter den besten vier Mannschaften bei einem Weltturnier. Es war jedoch ein Sieg, der nur unter großen Mühen zustande kam. David Villa gelang erst in der 83. Minute mit seinem fünften Treffer im fünften Spiel das entscheidende Tor. Davor hatten beide Mannschaften binnen weniger Minuten jeweils einen Elfmeter verschossen: Cardozo für Paraguay (59. Minute) und Xabi Alonso für Spanien (61.).

          Nun steht den Deutschen die reizvolle Revanche für das verlorene EM-Finale vor zwei Jahren bevor. Und der Trend spricht zumindest nicht gegen das Team von Joachim Löw. Im Vergleich zum Turnier 2008 hat sich die Mannschaft erheblich weiterentwickelt. Die Spanier dagegen haben in Südafrika doch einige Mühe gehabt, ihr Niveau von damals zu halten.

          Spanien und Casillas treffen im Halbfinale auf Deutschland

          Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis

          Vor allem in punkto Effizienz ließ das Team von Trainer Vicente del Bosque auch gegen Paraguay einiges zu wünschen übrig. Und dennoch: Gegen eine Mannschaft, die sich taktisch wie technisch auf derart hohem Niveau bewegt, haben die Deutschen bislang noch nicht gespielt bei dieser WM.

          Mit Paraguay hatten die Spanier weit mehr Mühe als erwartet. Für ihre Defensivstärke war diese Mannschaft ohnehin bekannt, erst ein Gegentor hatten sie im Turnier hinnehmen müssen. Und Paraguay machte den Spaniern das Leben schwer: nicht nur mit großem läuferischen Aufwand in der Defensive, sondern auch mit mancher gefährlichen Aktion nach vorne. Ein Schuss von Santana aus gut 16 Metern, zwei Flanken, bei denen dem Empfänger jeweils nur Zentimeter fehlten, und ein wegen Abseits aberkanntes Tor von Valdez - das war das Protokoll eines überraschend forschen Auftritts in den ersten 45 Minuten.

          Die Spanier machten zwar Eindruck, wie sie den Ball laufen ließen, wie sie das Spiel verlagerten, und wie sie mit mancher guten Idee - vor allem von Xavi - das Mittelfeld überbrückten. Aber irgendwie brachten sie Aufwand und Ertrag in kein vernünftiges Verhältnis. Villa deutete ein paar Mal seine Galaform an, die einzige echte Chance aber hatte Xavi mit einem Schuss aus gut 25 Metern, der knapp übers Tor ging. In Sachen gepflegter Fußball mögen die Spanier spitze sein bei dieser WM, auf der Suche nach der alten Überzeugungskraft auf dem Weg zum Tor sind sie noch immer.

          Glück gehabt - Pfosten, Pfosten und Tor durch Villa

          Zehn Minuten nach der Pause nahm del Bosque den wieder einmal glücklosen Torres vom Feld und brachte Fabregas. Kurz darauf folgten fünf der verrücktesten Minuten bei diesem Turnier. Erst gab Schiedsrichter Batres Elfmeter für Paraguay - zu recht, nachdem Piqué den Arm von Cardozo gehalten hatte. Casillas wiederum hielt den Schuss von Cardozo fest. Kurz darauf brachte Alcaraz den Spanier Villa zu Fall, auch hier gab es Strafstoß.

          Im ersten Versuch verwandelte Xabi Alonso sicher, doch Batres ließ wiederholen, weil er einige Spanier zu früh im Strafraum wähnte. Diesmal parierte Torwart Villar und foulte den zum Nachschuss heranstürmenden Fabregas - die Pfeife des Unparteiischen aus Guatemala blieb aber stumm. Iniesta war es dann, der das Tor vorbereitete. Seine Vorlage schoss Pedro an den Pfosten. Villa zielte noch genauer, der Ball sprang vom einen zum anderen Pfosten, dann aber doch noch ins Tor. Glück gehabt.

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