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1:0 gegen Nigeria : Heinzes Flug bringt Argentiniens Sieg

  • -Aktualisiert am

Das Tor des Tages: Gabriel Heinze trifft per Flugkopfball Bild: REUTERS

Argentinische Kostprobe gegen Nigeria: Ein spektakuläres Kopfballtor von Heinze bringt die Albiceleste ganz früh in Führung. Danach zaubert Messi, trifft aber nicht. Ohne sich zu verausgaben schlagen die Südamerikaner Nigeria 1:0.

          Das Ergebnis liest sich dürr, doch das Spiel war nicht arm an sehenswerten Augenblicken. Mit einem nur gegen Ende kurz in Frage stehenden 1:0-Erfolg über Nigeria startete Argentinien am Samstagnachmittag im Ellis-Park-Stadion von Johannesburg in die 19. Fußball-Weltmeisterschaft. Verteidiger Heinze und nicht einer der hochgelobten Stürmer war der Torschütze des Tages (6. Minute) für einen der Titelfavoriten.

          Ihre vielfältigen Möglichkeiten deuteten die Südamerikaner bei ihrem ersten Sieg in der Gruppe B vor knapp 56.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena indes meistens nur an. Immerhin: Der Vorgeschmack auf noch süßere Kostproben ihrer Kunst mundete, zumal Lionel Messi, der weltbeste Fußballer, das Publikum mit gelegentlichen Demonstrationen seiner Kunst verwöhnte. Einem Treffer von ihm stand jedoch jedes Mal der beste Nigerianer, Torhüter Enyeama, im Wege.

          84 Ligatore haben Messi, Tevez und Higuaín für den FC Barcelona, Manchester City und Real Madrid geschossen - kein Wunder, dass die nigerianischen Abwehrgrößen der womöglich unheimlichen Begegnung mit drei Stars des Weltfußballs entgegenbangten. Vor allem Danny Shittu, dem Innenverteidiger der Bolton Wanderers, dürften die Knie ein wenig geschlottert haben vor seinem Rencontre mit dem „Weltfußballer des Jahres“.

          Chidi Odiah ist ein Kopf zu klein: der Ball geht rein

          Oder hatte er den Worten des argentinischen Konditionstrainers Signorini getraut, der Messi in den Tagen vor der Weltmeisterschaft „müde“ erlebt haben will, was Chefcoach Diego Armando Maradona flugs, wie sich zeigen sollte, zu Recht dementierte. Egal wie, alle Welt schaute zunächst auf den einen, der zum Superhelden dieser WM auserkoren ist. Dabei verbreiten Messis Nebenmänner doch oft genug fast genauso viel Angst und Schrecken unter ihren Gegenspielern.

          Keine Chance also für die westafrikanischen Super Eagles, die ihr letztes WM-Spiel 1998 gewonnen haben, bei denen sich in John Obi Mikel der beste Mann vor der WM verletzt abmeldete? Dazu offenbarten auch dessen Kollegen, die samt und sonders jenseits von Nigeria ihr Geld verdienen, zuletzt Schwächen. Der ehemalige schwedische Nationalcoach Lars Lagerbäck, erst seit drei Monaten im Amt, war also um seine Aufgabe nicht zu beneiden.

          Argentinien dominierte, ohne sich zu verausgaben

          Wer mit wem wie zurechtkam, überprüfte am Samstagnachmittag der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark, der wie viele andere an diesem Johannesburger Spätsommertag seine WM-Premiere feierte. Der 40 Jahre alte Ergoldinger bestand sie mit Auszeichnung, auch weil beide Teams ihm das Leben nicht allzu schwer machten. So konnte der Niederbayer oft genug entspannt dabei zusehen, wie Messi seine Extraklasse spielend, laufend und schießend zelebrierte.

          Zum Glück für Nigeria hielt Torhüter Enyeama den Attacken Messis bei drei kunstvoll gezwirbelten Hebern (6., 18. und 37.) stand. Auch die gelegentlich sehenswerten Versuche der anderen argentinischen Offensivkräfte waren in der ersten Hälfte nicht von Erfolg gekrönt. Das erste Tor für Argentinien schoss somit niemand aus dem Paradeangriff, sondern der oft gescholtene Außenverteidiger Heinze. Im Hechtflug warf er sich einem von Veron getretenen Eckball entgegen und erzielte so per Kopf aus elf Metern das 1:0 (6.). Eine Genugtuung für ihn, dem sie in seiner Heimat vorwerfen, er spiele ja nur noch, weil Maradona mit seinem Bruder Geschäfte mache. „Es ist schon verrückt. Ich habe so viel gehalten, doch dieses eine verflixte Gegentor hat uns das Genick gebrochen“, sagte Enyeama über den unhaltbaren Kopfballtreffer. Nigerias Trainer Lagerbäck resümierte: „Ich bin stolz auf meine Spieler, aber enttäuscht über die Niederlage. Beim Gegentor sind wir für einen Fehler bestraft worden, der zur Ecke geführt hat.“

          Messi zauberte, ohne zu treffen

          Nigeria, das zumindest unverdrossen mitspielte, hatte immer dann seine lichten Momente, wenn der Hoffenheimer Obasi seinen Gegenspieler Gutierrez austanzte. Leider haperte es bei dem flinken Außenstürmer an der Schussgenauigkeit, sonst hätten auch die Afrikaner zu einem Treffer kommen können. Er wäre zwar dem Spielverlauf in keiner Weise gerecht geworden, doch wer fragt im Fußball danach?

          Das vertraute Spielchen setzte sich nach der Pause fort. Argentinien dominierte, ohne sich zu verausgaben, Messi zauberte, ohne zu treffen, und die Nigerianer hofften auf einen Überraschungscoup, der ihnen aber bei den Schüssen von Taiwo (71.) und Uche (83.) verwehrt blieb. „Am Ende hätten Nigeria ausgleichen können“, bekannte selbst Argentiniens Trainer Maradona: „Aber Gott sei dank ist es nicht passiert.“ So blieb es denn bei dem einen Treffer für Argentinien, das vielversprechend in das Turnier gestartet ist und noch einiges in petto zu haben scheint. „Ich weiß nicht, ob wir gegen den künftigen Weltmeister verloren haben“, setzte zumindest Lagerbäck das Maß hoch an.

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