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1:0 gegen Niederlande : Iniesta macht Spanien zum Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Fußball-Weltmeister 2010: Torwart Casillas mit dem goldenen Pokal Bild: dpa

Geholze statt Spielkunst im Finale: Iniesta schießt Spanien in der 116. Minute zum WM-Titel gegen Holland. Die Verlierer fallen durch Fouls auf - am Ende stehen auf beiden Seiten dreizehn Gelbe Karten und ein Platzverweis.

          Erst um 23.03 Uhr nach zwei zähen Fußballstunden war das große Werk vollbracht, und die Feierlichkeiten konnten beginnen. Spanien hat in Johannesburg erstmals den großen Jackpot abgeräumt und kehrt nach der Europameisterschaft 2008 als umjubelter Weltmeister, der achte in der Geschichte der Titelkämpfe, nach Hause zurück.

          Der 1:0-Erfolg nach Verlängerung durch Iniestas Treffer (116. Minute) spiegelte viel vom Verlauf dieser WM in Südafrika, blieb doch die Schönheit des Spiels selbst bei den hierfür zuvor gefeierten Spanier auf der Strecke. 84.000 Zuschauer im Johannesburger Soccer City Stadium sahen dafür am Sonntagabend einen langwierigen Härtefall unter Europäern, der in 13 Verwarnungen und einer Gelb-Roten Karte für den Holländer Heitinga (109. Minute) kulminierte.

          Fußball gespielt wurde dafür nur selten. Beiden Teams war die Anspannung anzumerken, erstmals den Gipfel der Fußballwelt besteigen zu können. Sie löste sich bei den Spaniern erst so richtig, als der vor Glück weinende Kapitän Iker Casillas den WM-Pokal gegen 23.15 Uhr in den Nachthimmel von Johannesburg streckte.

          Zur großen Feier haben sich die Spanier wieder ganz in Rot gekleidet

          Am Ende aber gewannen die besseren Fußballspieler doch. Noch nie im Finale und dann auf Anhieb als Nachfolger des viermaligen Titelgewinners Italien Weltmeister, das war der reiche Lohn für eine jahrelange Aufbauarbeit, die über den Europameistertitel im Jahre 2008 unter der Anleitung von Trainer Luis Aragonés bis zur Eroberung des goldenen WM-Pokals zwei Jahre später mit dem väterlichen Coach Vicente del Bosque an der Spitze führte. Auf diesem Karriereweg waren zuletzt die Deutschen 1972 und 1974 nach ganz oben gekommen.

          Für Niederlande bleibt wieder nur der Trostpreis

          Mit Stil, Eleganz und einem geschliffenen, eingespielten Kombinationsfußball, den in diesem Turnier kein anderes Team zu zelebrieren verstand, erreichten die Iberer rund um die leidenschaftlichen Ballbesitzer und Ballverteiler Xavi und Iniesta das Ziel ihrer Träume als erste Europäer, die den WM-Pokal jenseits ihres Kontinents erobern konnten. Allerdings kam das Spiel der Spanier im Finale nur ganz selten auf Touren, da ihnen die Holländer mit Härte und Verbissenheit begegneten.

          Für die Niederlande blieb wie 1974 und 1978 auch im dritten WM-Finale nur der Trostpreis in Silber übrig. Eine Prämie, die die Profis in Oranje am Tatort Soccer City traurig stimmte, glaubten doch auch sie sich nach zuvor 25 Spielen ohne Niederlage ganz nah am Gipfel. „Wir werden euch glücklich machen“, hatte der zauberhafte Mittelfeldstar Andres Iniesta seinen Landsleuten vor dem Finale versprochen. Spanien stand am Sonntag - genau wie die Niederlande - geschlossen hinter seinem Team, das personell und konzeptionell vom europäischen Vorzeigeklub FC Barcelona geprägt ist.

          Van Bommel und de Jong mit Gelb im Glück

          Was den 84.000 Zuschauern in der Arena zunächst vor Augen kam, war indes 45 Minuten lang kein Spiel für Genießer. Die Holländer machten ihre Ankündigung zwar wahr, nicht so lieb wie die Deutschen im Halbfinale mit ihren Gegenspielern umzugehen, attackierten die Spanier meist schon am Mittelkreis, traten dabei aber hier und da ziemlich rüde zu. Von einem Spielfluss in Oranje war in der ersten Hälfte so gut wie nichts zu sehen.

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