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1:0 bei Inter Mailand : Gomez beschert den Bayern glänzende Aussichten

Kaum zu glauben: Als es nach einem 0:0 aussieht, schlagen die Bayern doch noch zu Bild: dapd

Revanche auf den letzten Drücker: In einem hochklassigen Spiel gewinnt Bayern München im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Titelverteidiger Inter mit 1:0. Nach einem Schuss von Robben staubt Gomez in letzter Minute ab.

          Es war natürlich nur eine gefühlte Revanche. Eine echte Revanche hätte es nur dann werden können, so Arjen Robben, „wenn wir den Pokal nachträglich noch gewinnen könnten“. Natürlich bleibt der Siegerpokal der Champions League, den der FC Bayern im Finale 2010 gegen Inter Mailand verpasste, auch weiter im Besitz der Italiener.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Doch neun Monate und einen Tag nach dem verlorenen Finale von Madrid hat sich der deutsche Meister am Mittwoch mit einem 1:0-Sieg im mit 80.000 Zuschauern ausverkauften San-Siro-Stadion von Mailand eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet, um den Titelverteidiger im Rückspiel am 15. März zu entthronen und ins Viertelfinale einzuziehen.

          In einer hochklassigen, temporeichen Partie hatten beide Teams zahlreiche Siegchancen, die besten waren auf Seiten der Bayern: ein Lattenkopfball von Franck Ribéry (24. Minute) und ein Pfostenschuss von Robben (53.). Am Ende sah es schon nach einem Unentschieden aus, doch in der 90. Minute nutzte Mario Gomez einen Fehler von Julio Cesar im Mailänder Tor, der einen Schuss von Arjen Robben nach vorne abprallen ließ. „Ich bin sehr froh, dass ich das Tor gemacht habe. Ich wusste, dass ich noch eine Chance bekommen würde, und wenn es in der letzten Minute ist“, sagte Gomez.

          Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Gomez staubt zum Siegtreffer ab

          Schreckminute für München schon in der ersten Minute

          Wer in diesem italienisch-deutschen Fußballklassiker ein taktisch geprägtes, vorsichtiges Abtasten befürchtet hatte, wurde positiv überrascht. Nicht mal eine Minute dauerte es nach Anpfiff bis zur ersten Schrecksekunde für die Bayern. Ein Freistoß von Wesley Sneijder erreichte Andrea Ranocchia völlig frei vor dem Bayern-Tor, doch zum Glück für die indisponierte Abwehr setzte der italienische Innenverteidiger seinen Volley-Versuch neben das Tor.

          So leicht machten es die Bayern den Mailändern danach nicht mehr, sie standen besser und kombinierten allmählich immer druckvoller. So entwickelte sich eine sehr muntere erste Hälfte mit zahlreichen guten Gelegenheiten, vor allem zwischen der 20. und 30. Minute, als sich die Torszenen fast im Minutentakt abwechselten. Zweimal scheiterte Luiz Gustavo mit guten Distanzschüssen knapp, während auf der Gegenseite der schnelle Solo-Stürmer Samuel Etoo seinen Gegenspieler Holger Badstuber mehrfach an dessen Grenzen und darüber hinaus brachte.

          So in der 21. Minute, als er sich gegen Timoschtschuk und Badstuber durchsetzte, zu Fall kam, Inter aber vergeblich Elfmeter reklamierte. Oder zwei Minuten später, als er Badstuber am rechten Flügel problemlos entwischte und Esteban Cambiasso freispielte. Doch der Münchner Torwart Thomas Kraft, an diesem Mittwochabend ein erstklassiger Rückhalt, machte sich breit und blockte den Schuss des Argentiniers aus kurzer Entfernung und spitzem Winkel.

          Bayern-Torwart Kraft reagiert prächtig gegen Eto'o

          Eine Minute später drehte Arjen Robben, der sich am rechten Flügel gegen meist doppelte Deckung schwer tat, Räume für eigene Vorstöße zu öffnen, und deshalb häufiger die Mitspieler suchte, eine schöne Flanke an den Fünfmeterraum, und der ins Zentrum gespurtete Ribéry köpfte den Ball an die Oberkante der Latte. Aus Ärger über die verpasste Gelegenheit raufte sich der Franzose das raspelkurz geschorene Haar. In der 28. Minute fand Philipp Lahm, am rechten Flügel schön freigespielt von Robben, mit einem Querpass an den Fünfmeterraum Mario Gomez, doch der Torjäger jagte den Ball in Bedrängnis hoch über das Tor.

          Nach 33 Minuten musste Kraft abermals sein ganzes Können zeigen, als Etoo einen tückischen Drehschuss abfeuerte - der Bayern-Torwart reagierte prächtig mit dem linken Arm. Bald darauf war der von Etoo überforderte Badstuber abgelöst, er rückte auf die linke Abwehrseite, wo Danijel Pranjic leichte Oberschenkelbeschwerden signalisiert hatte. Dafür sollte nun der eingewechselte Breno im Abwehrzentrum dem Inter-Stürmer mehr Wucht entgegensetzen. Um mit dem verdienten 0:0 in die Pause zu gehen, brauchte die ordentlich geschüttelte Bayern-Abwehr dann allerdings auch das Glück, dass Maicon kurz vor dem Pausenpfiff aus spitzem Winkel zu eigensinnig war und den freien Etoo übersah. Er schoss selbst - und vorbei.

          Kurz vor Schluss kommt Gomez' unverhoffte Chance

          Nur eine Minute nach Wiederanpfiff waren es diesmal die Bayern, die prompt die große Chance zur Führung hatten und vergaben. Robben schlug eine feine Flanke auf Thomas Müller, der aber völlig frei am Fünfmeterraum die Stirn nicht richtig hinter den Ball brachte. So strich die Kugel knapp am Pfosten vorbei. Kurz danach kurvte sich Robben aus dem Rückraum in Schussposition, traf jedoch aus spitzem Winkel mit dem schwächeren rechten Fuß nur den Außenpfosten.

          Aber immer wenn man in dieser faszinierenden Partie glaubte, eine der beiden Mannschaften sei nun am Drücker, meldete sich prompt die andere. Etos wuchtigen Schuss konnte Kraft nur vor die Füße von Cambiasso prallen lassen, doch der Inter-Mann setzte den Nachschuss über das Tor. In der Schlussphase schienen die Italiener überhaupt dem Sieg näher, vor allem, als ein abgefälschter Schuss von Etoo in der 87. Minute knapp am Pfosten vorbeistrich - doch dann kam die unverhoffte Chance für Gomez.

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