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0:4 gegen Regionalligaklub : Hoffenheim blamiert sich im Pokal

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Berliner Pokal-Helden: Die Regionalligaspieler Miessner (rechts) und Kruschke feiern den Sensationssieg Bild: dpa

Die TSG 1899 Hoffenheim blamiert sich in der ersten Runde des DFB-Pokals maßlos: Der Regionalligaklub Berliner AK demontiert die Kraichgauer mit 4:0. Bei Hoffenheim klappt gar nichts - blutleer sind die „Bemühungen“, sich gegen das Debakel zu stemmen.

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          Was für eine Blamage! Hoffenheim ist raus, und die Art und Weise war noch schlimmer als die Niederlage selbst. Die Kraichgauer ließen sich von einem Regionalligaklub an die Wand spielen. Hoffenheim hat sich von einem stark und unbekümmert aufspielenden Berliner Regionalligaklub aufs Schlimmste vorführen und blamieren lassen. Nach einer desaströsen Vorstellung ist der Fußball-Bundesligaklub in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals ausgeschieden. Die auf dem Platz hilflos wirkende Mannschaft von Trainer Markus Babbel unterlag an diesem Samstag dem regionalligaklub Berliner AK auch in der Höhe völlig verdient mit 0:4 (0:3).

          Nach der schnellen Führung durch Metin Cakmak (3. Minute) erhöhten Justin Gerlach (31.) und Kevin Kruschke (40.). Noch vor Ende der ersten Halbzeit skandierte das Häuflein mitgereister Hoffenheim-Fans: „Wir wollen Euch kämpfen sehen.“ Cakmak traf zum Endstand (50.). Glauben konnten selbst die Berliner Anhänger unter den 1.468 Zuschauern nicht, was ihre Amateur-Kicker auf den Platz des kleinen Poststadions zeigten und sich zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte spielten.

          Gerade einmal 120 Sekunden waren gespielt, da prallte der Ball von der Latte ins Tor. Mit einem Drehschuss von der Strafraumgrenze hatte Cakmak den einige Schritte vor seinem Kasten lauernden TSG-Torwart Tim Wiese überwunden. Von den lethargischen Hoffenheimern war nichts zu sehen: keine Kombinationen, kein Zweikampfverhalten, gar nichts. Bei einem Kopfball von Kruschke konnten sich die Bundesliga-Profis, die sich dieses Prädikat an diesem Samstag nicht im Ansatz verdienten, bei ihrem Keeper bedanken, der den Ball noch abwehren konnte.

          Nach einer knappen halben Stunde vergab dann Torschütze Cakmak aus kurzer Distanz zunächst die Riesenchance für seinen zweiten Treffer. Gerlach machte es bei einem Konter besser: Er lief – allerdings aus Abseitsposition – mit dem Ball abgebrüht auf Wiese zu und schob den Ball an diesem vorbei ins Tor. Mit leichtfüßigem Kombinationsfußball demütigte der Berliner Pokalsieger die Profis teilweise. Das Kämpfen vergaßen die Gastgeber dabei aber auch nicht. Kurz vor der Pause kullerte der Ball zum dritten Treffer über die Linie.

          Verunglückter Abstoß von Wiese

          Babbel versuchte es zur zweiten Halbzeit mit zwei neuen Spielern, brachte Sejad Salihovic und Takashi Usami. Sechs-Millionen-Euro-Neuzugang Joselu von Real Madrid durfte weiter nicht ran. Nur fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff legte Kapitän Wiese mit einem verunglückten Abstoß Cakmak den Ball vor die Füße. Zum Entsetzen von Trainer Babbel, der auf der Bank konsterniert den Auftritt seiner Mannschaft mitverfolgte, schob der Berliner Angreifer zu seinem zweiten Treffer ein, der eine Zeit lang wegen der Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor auch „Berlin Ankaraspor Kulübü“ hieß. Mittlerweile nennt sich der Verein, der vor zwei Jahren zum Auftakt des DFB-Pokals dem FSV Mainz 05 schon ein 1:2 abgetrotzt hatte, aber wieder Berliner Athletik Klub. Und diesen werden die Hoffenheimer und Fußball-Deutschland nach dieser Leistung so schnell nicht vergessen.

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          Zum Wegschauen: Trainer Babbel kann den Auftritt seiner Mannschaft nicht mitansehen :

          Nach dem Schlusspfiff wirkte TSG-Coach Babbel völlig konsterniert - er konnte nicht glauben, was er die gut 90 Spielminuten zuvor gesehen hatte. „Dabei hätten wir noch mehr Gegentreffer verdient gehabt. Und Berlin ist nicht einmal über sich hinausgewachsen“, sagte er. Er sei noch zur Pause davon überzeugt gewesen, dass seine Mannschaft in der Lage sei, den Rückstand von drei Toren noch zu drehen. „Doch wir wurden bestraft für unser Nicht-Engagement“, meinte er hinterher. Er habe keinerlei Willen bei seiner Mannschaft gesehen und sei „fassungslos, was hier passiert ist“. Vor allem die Art und Weise, wie seine Mannschaft aufgetreten sei, habe ihn enttäuscht. Eine erste Analyse wollte er unmittelbar nach dem Spiel nicht abgeben. Er müsse das „erst einmal schlucken“. Der Pokal und seine eigenen Gesetzte - diesmal traf es Hoffenheim.

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