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0:4 bei Inter Mailand : Nach zwanzig Minuten geht Werder unter

Es macht klick: Eto'o und Sneijder feiern das vierte Tor Bild: REUTERS

Hugo Almeida hat früh zwei sehr gute Chancen für Werder Bremen - danach spielt nur noch Inter Mailand. Samuel Eto'o, der drei Tore schießt, und Wesley Sneijder zerpflücken beim 4:0 Werders poröse Abwehr nach Belieben. Schon vor der Pause ist das Spiel gelaufen.

          Eine kleine Einblendung kurz vor dem Anpfiff erinnerte an Werders schwärzeste Stunde in der Champions League: Das 2:7 vor fünf Jahren in Lyon war, wie Statistikfreunde der Anzeigetafel im Mailänder San-Siro-Stadion entnehmen konnten, die bis dato höchste Niederlage der Bremer in der Fußball-Königsklasse. Als das Spiel dann lief am Mittwochabend, musste man zwischenzeitlich befürchten, dass es diesmal ähnlich schlimm kommen könnte für die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf.

          Weil Inter Mailand sich einigermaßen gnädig zeigte, kam Werder mit 0:4 zwar noch einigermaßen glimpflich davon - eine Lektion war es aber doch, die in den Treffern von Samuel Eto'o (21., 27. und 81. Minute) und Wesley Sneijder (34.) ihren angemessenen Ausdruck fand. Auf ein ungleiches Duell hatte man sich ja einstellen müssen. Auf der einen Seite eine wankelmütig in die Saison gestartete Bremer Elf, der in Mailand zudem in jedem Mannschaftsteil mindestens eine Stütze fehlte: Naldo, Fritz, Frings und Pizarro wollten ersetzt werden; auf der anderen Seite das Mailänder Starensemble, das in der vergangenen Saison keinen Titel ausgelassen hatte: Meister, Pokalsieger und - dem FC Bayern noch in schmerzhafter Erinnerung - Champions-League-Sieger.

          Dass es aber ein solches Ende nahm, wird die Bremer Verantwortlichen dann doch geschmerzt haben. Nachdem sie dem verbliebenen Personal ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen hatten, mussten sie mitansehen, wie der Inter-Sieg durch ein indiskutables Defensivverhalten begünstigt wurde. Die Fehler, die Werder sich leistete, hätten nicht nur gegen eine europäische Spitzenmannschaft, sondern auch schon auf mittlerem Bundesliganiveau für eine böse Überraschung genügen können.

          So geht das: Eto'o tunnelt Wiese - 1:0

          Nach dem 2:2 gegen Tottenham am ersten Spieltag stehen die Bremer nun schon erheblich unter Druck beim Versuch, erstmals seit 2006 wieder das Achtelfinale zu erreichen. Schaaf kann nur hoffen, dass ihm bis zum Spiel in Enschede am 20. Oktober wieder einige Akteure der ersten Garde zur Verfügung stehen - andernfalls könnte es sein, dass die Perspektive bald nicht einmal mehr Europa League heißt.

          Es begann nicht einmal schlecht

          Das Mailänder Publikum hingegen erlebte in jeder Hinsicht einen vergnüglichen Abend. Allzu viele waren zum Ausklang eines wunderbaren Spätsommerabends indes nicht erschienen, obwohl Inter nach dem 0:1 in der Liga gegen die Roma noch einmal um Unterstützung geworben hatte: das nur zu einem Drittel gefüllte Stadion bot eine dürftige Kulisse. Aber in Mailand schien man sich mit den Gästen aus „Brema“ ohnehin eher beiläufig zu befassen.

          Viel mehr als um Werder war es während der Woche um die Reizstimmung im eigenen Lager gegangen. Trainer Benítez nämlich, der Nachfolger von José Mourinho, steht in der Kritik, und das, obwohl Inter Tabellenführer ist - aus der Sicht von Schaaf gewiss ein Luxusproblem. Die Bremer Rhetorik hatte trotz aller Nöte Mut und Vertrauen in die eigene Qualität vorgesehen - ein Ausfall sei für einen anderen immer auch eine Chance, so die (naheliegende) Argumentation. Vor der Abwehr sollte es Jensen neben Bargfrede richten, in der Offensive setzte Schaaf auf Marin, Borowski und Arnautovic hinter Almeida als einziger Spitze.

          Und es begann nicht einmal schlecht. Nach drei Minuten wagte Almeida einen Heber über Torwart César, der Ball flog in die richtige Richtung, aber nicht weit genug. Kurz darauf zeigte sich die Inter-Abwehr bei einem Freistoßversuch Almeidas schlecht vorbereitet, so dass César energisch eingreifen musste. Doch so gut es sich anließ - es war nicht zu übersehen, dass Werder bei allen guten Vorsätzen ein wackeliges Gebilde war. Vor allem Silvestre auf der linken Abwehrseite erwies sich abermals als Sicherheitsrisiko: zu langsam für dieses Niveau, dazu mit schlechtem Stellungsspiel. Etwas Glück - bei Coutinhos Kopfball - und Wieses Reflex, als Sneijder frei vor ihm auftauchte, verhinderten noch den Rückstand.

          Milito fehlt - man merkt es Inter nicht an

          Doch nachdem Almeida auch seine dritte und beste Chance nicht genutzt hatte (20.), war das Unheil nicht mehr aufzuhalten. Zwei Mal durfte Eto'o frei auf Wiese zulaufen, zwei Mal ließ er sich die Chance nicht entgehen. Jensen (Ballverlust) und Prödl (Stellungsfehler) hießen die Bremer Zuarbeiter zu Inters Toren. Beim dritten durch Sneijder schien dann auch Mertesacker nicht ganz auf der Höhe.

          Dass den Mailändern sogar noch die verletzten Pandev und Milito, der zweifache Torschütze im Finale von Madrid, fehlten - man merkte es dem Team in Schwarz und Blau nicht an. Für Werder konnte es von nun an nur noch um Schadensbegrenzung gehen. Schaaf brachte zur zweiten Hälfte Pasanen für Borowski. Dass Wiese es nun etwas ruhiger hatte, lag aber eher an einer gewissen Zurückhaltung auf Mailänder Seite. Nur Eto'o traf noch einmal - Inters Fans dankten dem Kameruner mit minutenlangen Sprechchören. Für Werder war es da schon längst ein Abend zum Vergessen.

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