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0:2 in Madrid : Dortmund übersteht den Orkan von Bernabeu

Jubelstürme: Nach der Niederlage in Madrid feierten die Dortmunder den Finaleinzug umso ausgelassener. Bild: AP

Borussia Dortmund darf nach Wembley: Der deutsche Meister des Vorjahres hat sich bei Real Madrid für das Finale der Champions League qualifiziert. Die Spanier scheitern vor allem an Roman Weidenfeller.

          4 Min.

          Jürgen Klopp hatte versprochen: „Wir werden alles raushauen“. Und tatsächlich haben sie alles rausgehauen: Alle Kräfte. Alle Emotionen. Und am Ende auch den berühmtesten Klub der Welt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Deshalb ist die europäische Traumreise von Borussia Dortmund nicht am Dienstag abend im Estadio Santiago Bernabeu von Madrid zu Ende gegangen. Sie führt weiter in eine noch berühmtere Arena, das Wembley-Stadion von London, dem Ort des Finales der Champions League am 25. Mai. Trotz einer 0:2-Niederlage bei Real Madrid, der ersten überhaupt im zwölften Spiel der Champions-League-Saison, hat der deutsche Meister der beiden vergangenen Jahre dank des 4:1-Sieges aus dem Hinspiel verdient das das Endspiel um Europas Krone erreicht.

          Den kommoden Vorsprung verteidigte die Dortmunder Abwehr nach einigen frühen Schwimmübungen zunächst sicher und souverän, machte nach den späten Treffern von Karim Benzema (82.) und Sergio Ramos (87.) aber noch eine schier endlose, bis zum Abpfiff nach 96 Minuten dauernde Zitterpartie durch. Dabei waren die Borussen in der zweiten Halbzeit der Führung zunächst deutlich näher gewesen als die Madrilenen. Die größte Chance vergab Robert Lewandowski, der vierfache Torschütze aus dem Hinspiel, kurz nach der Pause mit einem krachenden Schuss an die Unterkante der Latte.

          Punktsieger Weidenfeller: Der Dortmunder Schlussmann entnervt auch Cristiano Ronaldo
          Punktsieger Weidenfeller: Der Dortmunder Schlussmann entnervt auch Cristiano Ronaldo : Champions League: Dortmund steht im Finale Bild: AFP

          „Etwas Historisches“ werde passieren, so hatte am Montag die Vorahnung des Trainers gelautet, die am Dienstag, Madrider Ortszeit gegen zwanzig vor elf, Realität wurde. Für die Dortmunder ist es das zweite Mal, dass sie das Finale um Europas wichtigste Vereinstrophäe erreicht haben, nach 1997, als sie Juventus Turin im Endspiel von München schlugen. Damals mussten die Bayern im eigenen Stadion zuschauen, wie ein anderer den Titel holte – nun können sie am Mittwochabend in Barcelona tatsächlich etwas Historisches vervollständigen: das erste rein deutsche Finale in der achtundfünfzig jährigen Geschichte des Meisterpokals.

          Brenzlige Situationen

          „Hier wird von der ersten Sekunde die Post abgehen“, hatte Klopp zu Recht vermutet, aber angekündigt, dass man nicht vorhabe, „eine Menschenkette um das Tor zu bilden.“ Das taten die Dortmunder dann anfänglich doch, zumindest rund zwanzig Minuten lang, in denen der Anfangsschwung von Real und die spürbare Vorsicht der Borussia dazu führte, dass Klopp manchmal minutenlang von seiner Coachingzone nahe der Mittellinie aus nur nach rechts gucken musste – weil nahezu seine komplette Elf sich in die Nähe des eigenen Strafraums drängen ließ. Und weil sie, wenn sie den Ball eroberte, ihn meist zu schnell wieder verlor.

          Tor für Real: Karim Benzema hat zum 1:0 getroffen
          Tor für Real: Karim Benzema hat zum 1:0 getroffen : Bild: AFP

          Dabei waren einige brenzlige Situationen zu überstehen. Etwa als Gonzalo Higuain, der den spanischen Fans pathetisch versprochen hatte, die Real-Profis würden „auf dem Platz um unser Leben spielen“, nach vier Minuten frei vor Roman Weidenfeller auftauchte. Doch der aufmerksame Torwart verkürzte entschlossen den Winkel und blockte den Schuss des Argentiniers ab. Ebenso nach neun Minuten, als Cristiano Ronaldo aus 15 Metern seinen Schuss zu hoch ansetzte.

          Fehljustierung und Pech

          Durch die Fehljustierung von Ronaldo und das Pech von Lewandowski an diesem Abend blieb es beim Zwischenstand von 12:10 Toren zugunsten des Portugiesen gegenüber dem Polen im Duell der beiden besten Torjäger der Champions-League-Saison. Dabe hätten beide schon in der 13. Minute ihr Konto erhöhen können, und das in unmittelbarer Abfolge auf fast identische Art. Lewandowski erwischte einen langen Ball mit der Brust, drehte sich – und schoss genau auf Torwart Diego Lopez. Der Gegenzug: Ronaldo erwischte einen langen Ball mit der Brust, drehte sich – und schoss genau auf Torwart Weidenfeller.

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