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0:1 in Irland : Deutschland zum Nachsitzen verdonnert

Na sowas: Deutschland verliert in Irland Bild: dpa

EM-Qualifikation noch nicht geschafft: Die deutsche Nationalmannschaft vergibt in Irland mal wieder beste Chancen, verliert 0:1 und muss nun gegen Georgien das Versäumte nachholen.

          An dem Tag, als der Fußball in Europa und der Welt seine Führung verlor, hat die deutsche Nationalmannschaft die direkte Qualifikation für das Endturnier der Europameisterschaft in Frankreich verpasst. Der Weltmeister verlor nach einer zunächst durchwachsenen und in der zweiten Halbzeit schwachen Leistung 0:1 in Irland. Das Tor des Tages auf der Insel erzielte der eingewechselte Shane Long in der 70. Minuten mit einem herrlichen Treffer – der einzigen Chance des großen Außenseiters. Das Stadion explodierte mit dem Schlusspfiff vor Begeisterung. Die Deutschen müssen nun im letzten Spiel am Sonntag gegen Georgien einen Punkt holen, um sicher für die EM zu qualifiziert zu sein.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wie so oft in den vergangenen Jahren musste die DFB-Auswahl auf Bastian Schweinsteiger verzichten. Der 31 Jahre alte Kapitän hatte sich beim Abschlusstraining an den Adduktoren verletzt, für ihn rückte der gerade wieder von einem Zehenbruch erholte andere Dauerpatient, Marco Reus, in die Startformation. Und der Dortmunder war es auch, der sofort mit einem gefühlvollen Zuspiel auf Thomas Müller in der ersten Minute für einen schwungvollen deutschen Beginn sorgte. Auch auf der rechten Abwehrseite hatte der Bundestrainer im vorletzten EM-Qualifikationsspiel noch mal etwas Neues probiert: für Emre Can, der sich zuletzt gegen Schottland und Polen in der vakanten Lahm-Rolle versuchte, durfte diesmal der Dortmunder Matthias Ginter ran.

          Torschütze des Tages: Long verwertete einen langen Ball zum 1:0 für Irland Bilderstrecke

          In den ersten zwanzig Minuten hätte der Weltmeister leicht mit zwei, drei Toren in Führung gehen können. Aber mit der Konsequenz beim Abschluss haperte es in Dublin wieder einmal, wie schon so oft bei diesem immer wieder zu verspielten Team in Tornähe. Erst war es Jerome Boateng, der freistehend einen Kopfball nicht zu platzieren vermochte (9.), dann ließ Ilkay Gündogan Übersicht und Entschlossenheit vermissen, als sich das halbe Tor vor ihm öffnete (13.), Mario Götze kam schussbereit einen Schritt zu spät (14.), und als Mesut Özil ins Tor traf, stand er im Abseits (19.).

          Die drückende Überlegenheit ohne Mehrwert ließ in der ersten Halbzeit nur für wenige Minuten nach, als die Deutschen kurzzeitig in Unterzahl spielten, weil sich Götze an der Leiste verletzt hatte. Als Schürrle dann für ihn kam (35.), war der Ball wieder ständig in deutschem Besitz, aber eben nie im irischen Tor. Özil kam dem eigentlichen Ziel des Spiels nach schöner Vorarbeit noch am nächsten (40.). In der Halbzeit trat dann zur Unterhaltung des Publikums ein Fußball-Freestyler auf, der auf dem Rasen mit dem Ball tanzte. Aber auch der wollte kein Tor erzielen, und so hätte man in der Pause eigentlich auch die Deutschen weiterspielen lassen können.

          Nach zähem Beginn in der zweiten Halbzeit hätte ein mit spektakulärer Präzision durch Neuers Abschlag eingeleiteter Angriff in der 55. Minute die ersehnte Führung bringen können. Doch mit dem schönen Zuspiel von Reus nach dem Turbokonter konnte Schürrle nichts anfangen – und beförderte den Ball aus wenigen Metern übers Tor.

          Die Iren, die sich mit einem Sieg die Chance auf die direkte EM-Qualifikation erhalten konnten, spielten nun mutiger, wenngleich sie das Spiel mit ihren nun gelegentlichen, aber meist dennoch harmlosen Vorstößen nicht wirklich offen gestalten konnten. Immerhin aber ausgeglichener, was sofort Stimmung ins Stadion brachte. Und den Deutschen verging zunehmend die Lust am schönen Spiel – und zu kämpferischen Großtaten konnten sie sich auch nicht aufraffen. Aber auch mit dem Platz zum Kontern, den ihnen nun die Iren anboten, wussten die Deutschen nichts Zielstrebiges anzufangen. Irgendwann, so die Hoffnung, würde schon noch ein Tor fallen.

          Und so kam es auch. Aber ganz anders als gedacht. Nach einem langen Pass von Torwart Rudolph kam Mats Hummels gegen den eingewechselten Shane Long nicht mehr hinterher – und auch Boateng konnte nicht retten, was nicht mehr zu retten war. Long jagte den Ball unhaltbar von der Strafraumgrenze unter die Latte zum 1:0 für die Iren (70.).

          Rechenspiele zum Abschluss

          Die überraschende Führung wirbelte die Tabelle zu diesem Moment gehörig durcheinander, da auch die Polen in Schottland 1:2 zurücklagen. Deutschland (19), Irland (18) und Polen (17) lagen nun nur noch jeweils einen Punkt auseinander – aber da Deutschlands Verfolger am letzten Spieltag aufeinander treffen, wäre der Weltmeister trotzdem direkt und vorzeitig qualifiziert gewesen. Aber auch das klappte nicht, weil ausgerechnet Bayern-Stürmer Robert Lewandowski für die Polen noch der Ausgleich gelang. Thomas Müller hätte die Deutschen ganz leicht von allen Rechenspielen befreien können, als er völlig frei im Strafraum zum Schuss kam, aber der Münchner verfehlte das Tor (79.). Er sank vor Enttäuschung auf die Knie. Es war das deutsche Symbolbild dieses Abends in Irland.

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