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0:1 gegen Köln : Mainz hängt am Tropf

So sehen Sieger aus: Köln jubelt mit Siegtorschütze Risse (l.) Bild: dpa

Die Niederlagenserie von Mainz 05 setzt sich fort: Nach drei Spielen in der Liga verliert der Klub auch im Pokal. Und das zuhause gegen einen Zweitligaklub, den 1. FC Köln.

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          Der Trainer hängt am Tropf und auch Mainz 05 geht es derzeit nicht viel besser. Im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals musste der Bundesliga-Siebte, der zuletzt dreimal in Serie in der Liga verloren hat, nicht nur auf das stets so engagierte Coaching von Trainer Thomas Tuchel verzichten. Der Klub verlor zudem das Duell mit dem Zweitliga-Zweiten 1. FC Köln vor 23.000 Zuschauern nach einem Tor des vor der Spielzeit aus Mainz nach Köln gewechselten Stürmers Marcel Risse (53. Minute) mit 0:1 und ist somit unerwartet aus dem Pokalwettbewerb ausgeschieden.

          Für die Mainzer war somit die zweite Kölner Prüfung das abermalige Ende des Traums von einer erfolgreichen Pokal-Saison. In der ersten Runde hatte sich der Bundesligaklub noch mit Mühe bei Fortuna Köln, dem viertklassigen Lokalrivalen des FC, mit 2:1 durchgesetzt. Die Kölner, die sich die Überraschung unterstützt von über 4000 eigenen Fans mit einer kämpferisch wie spielerisch ansprechenden Leistung redlich verdienten, dürfen hingegen auf weitere schöne Pokalabende hoffen. Der Sieg in Mainz war nach meist deprimierenden Niederlagen bei Reisen in die 200 Kilometer rheinaufwärts gelegene rheinland-pfälzische Landeshauptstadt in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten ein ungewohnter Erfolg.

          Der Mainzer Coach Tuchel konnte das Spiel wegen starken Fiebers nur aus einer Loge hoch oben auf der Tribüne des Stadions verfolgen. Der Trainer musste gar mit einer Infusion versorgt werden. Ein stärkendes Medikament hätte auch seine Mannschaft, die von Assistent  Arno Michels an der Seitenlinie deutlich zurückhaltender als von Tuchel gewohnt betreut wurde, nötig gehabt. Die Niederlagenserie in der Bundesliga hatte das Team offenkundig derart verunsichert, dass gegen den 1. FC Köln kaum eine Angriffsaktion gelang. Das Spiel war geprägt von Fehlpässen, selbst der zu Saisonbeginn so starke Angreifer Nicolai Müller ging völlig unter.

          Köln engagierter

          Die Kölner, die deutlich defensiver als zuletzt in der Liga nur mit einer echten Spitze antraten und freiwillig auf die Offensivkräfte Patrick Helmes und Daniel Halfar verzichteten, strahlten derweil als der klassentiefere Außenseiter mehr Lust auf den Pokalwettbewerb aus. Mit viel Aggressivität und großer Aufmerksamkeit verhinderten sie bis auf einen Pfostenkopfball von Innenverteidiger Nikolce Noveski nach einem Eckstoß von Christoph Moritz (27. Minute) jede Mainzer Torgefahr.

          Der ist drin: Der Mainzer Torwart Wetklo ist machtlos

          Bei den überfallartigen Gegenstößen war der Tabellenzweite der Zweiten Liga unterdessen einem Torerfolg von Beginn an näher als der Bundesliga-Siebte: Die beste Chance vergab Anthony Ujah in der siebten Minute. Gerade für den Nigerianer wäre ein Torerfolg in Mainz eine besondere Genugtuung gewesen: Er hatte in der Spielzeit 2011/2012 nach einem Wechsel aus Norwegen nach Mainz vergeblich versucht, sich als Torjäger in Mainz durchzusetzen, ehe er zunächst auf Ausleihbasis und seit dieser Spielzeit endgültig für den FC recht erfolgreich in der Zweiten Bundesliga auf Torejagd geht.

          Mainzer Verzweiflung: Okazaki im Netz, aber nicht der Ball

          Wie Ujah war das Pokalspiel auch für Marcel Risse eine Reise in die Vergangenheit. Der Mittelfeldspieler hatte ebenfalls aus geringen Einsatzzeiten in der vergangenen Spielzeit die Konsequenz  gezogen und war nach drei Mainzer Jahren rheinabwärts in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Risse krönte seine überragende Leistung an alter Wirkungsstätte kurz nach der Pause mit dem verdienten Führungstreffer für die Kölner, die immer mutiger wurden. Nach einem haarsträubenden Ballverlust von Niki Zimling am eigenen Strafraum schoss Risse entschlossen und unhaltbar für den Mainzer Schlussmann Wetklo ein (53.). „Das ist eine Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt“, sagte der Torschütze. „Man spielt hier drei Jahre, dann kehrt man nach drei Monaten zurück, schießt ein Tor und gewinnt.“

          Schon in den Minuten zuvor waren die Kölner in ihrer Drangphase bei einem Pfostenschuss von Adam Matuschyk und einem Distanzschuss Risses dem Torerfolg sehr nahegekommen.

          Tuchel quält sich in die Kabine

          Den Mainzern hatte hingegen selbst nicht mehr helfen können, dass sich ihr Trainer gegen jede Vernunft und entgegen seiner Vorsätze in der Halbzeitpause in die Kabine gequält hatte, um sein Team doch noch mit Anweisungen auf den rechten Pfad des Erfolges zu führen. Bis auf eine kläglich vergebene Doppelchance für die eingewechselten Stürmer Dani Schahin und Maxim Choupo-Moting (89.) erspielten sie sich aber nicht einmal wirkliche Gelegenheiten zum Ausgleich.

          Stattdessen hatten sie in der Nachspielzeit noch Glück, dass Ujah den Ball aus sechs Metern an die Latte schoss.

          Während die Kölner aus dem Erfolg bei einem Erstligaklub Mut schöpfen für den Kampf um die Rückkehr in die Eliteklasse, sollten die Rheinhessen nun wie ihr Trainer möglichst schnell von der frühherbstlichen Schwächephase genesen. In der Bundesliga droht sonst schon bei einer abermaligen Niederlage bei Hertha BSC Berlin am Samstag das Abrutschen in unangenehmere Tabellenregionen. Während die Fieberkurve des Trainers gestiegen ist, ist die Formkurve der Mainzer weiter in den Keller gefallen. „So geht es nicht“, sagte sichtlich enttäuschte Manager Christian Heidel. „Unser Trainer hat das den Spielern nach dem Spiel schon gesagt, wenn auch mit dünner Stimme.“

          FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 0:1 (0:0)

          FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Park - Moritz, Soto (46. Malli) - Nicolai Müller, Zimling (77. Schahin), Okazaki - Polter (59. Choupo-Moting)
          1. FC Köln: Horn - Brecko, Wimmer, Maroh, Hector - Gerhardt, Lehmann - Risse (90.+2 Golobart), Peszko (74. Halfar), Matuschyk - Ujah
          Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
          Zuschauer: 22 782
          Tor: 0:1 Risse (53.)
          Gelbe Karten: Schahin, Svensson / Lehmann

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