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0:1 gegen Amsterdam : Teurer Fehlpass für den HSV

  • -Aktualisiert am

Leonardo schießt, Rost (l.) schaut zu und Reinhardt (r.) komt zu spät: 1:0 für Ajax Bild: AP

Der HSV muss nach der Heimniederlage gegen Ajax Amsterdam ums Weiterkommen im Uefa-Pokal zittern. Für Marco van Basten ist der Auswärtstriumph ein weiterer süßer Erfolg im Volksparkstadion.

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          Es sollte ein europäischer Fußballfesttag werden. Ein Spiel unter Flutlicht gegen einen attraktiven Gegner, der für starke Individualisten und offensiven Fußball steht, das Stadion ausverkauft - das konnte etwas werden. Doch heraus kam lange Zeit wenig Herzerwärmendes und am Ende sogar eine bittere Enttäuschung: 0:1 verlor der Hamburger SV am Donnerstagabend in der Hamburger Arena gegen Ajax Amsterdam. Das Tor des Abends erzielte Leonardo nach einem groben Schnitzer von Jarolim in der 77. Minute.

          Den HSV wirft diese Niederlage am dritten Spieltag der Gruppe F nicht aussichtslos zurück: mit einem Sieg am 4. Dezember bei Slavia Prag stünde die Mannschaft von Trainer Martin Jol trotzdem in der Zwischenrunde des Uefa-Pokals. In der letzten Gruppenpartie am 17. Dezember gegen Tabellenführer Aston Villa ginge es dann um den Gruppensieg. „Wir hatten genügend Chancen in der ersten Halbzeit“, sagte Jol, „Ajax hat clever auf Konter gespielt. Wir haben es uns selbst zuzuschreiben.“

          Randale vor dem Spiel

          Die Vorfreude des HSV auf den - dem Namen nach - attraktiven Gegner war groß. Gar nicht scharf war man in der Hansestadt auf die Fans von Ajax Amsterdam. Viele von ihnen gelten als gewaltbereit. Am Abend vor dem Spiel hatte es schon Ausschreitungen auf der Amüsiermeile Reeperbahn gegeben, und am Spieltag gingen die Krawalle weiter, auch in der Innenstadt. 600 holländische Randalierer sorgten sogar dafür, dass die Reeperbahn am Nachmittag 40 Minuten lang für den Autoverkehr gesperrt wurde. Scheiben eines Hotels gingen zu Bruch, die Polizei setzte Schlagstöcke ein.

          Der Täter kehrt an den Ort des „Verbrechens” von 1988 zurück: Marco van Basten

          Ein unschöner Begleiteffekt eines europäischen Fußballabends, der dann mehr von alten Zeiten und großen Namen der beiden Gegner lebte, als von der Gegenwart. Es spielte der Dritte der holländischen Ehrendivision gegen den Fünften der Bundesliga, und man muss sagen: beide waren gleich mäßig. 51.000 Zuschauer sahen die Partie in der ausverkauften Arena; eine unglaubliche Zuschauerzahl für eine Partie der Gruppenphase, in der es im Grunde um nicht allzu viel ging.

          Die Gruppenletzten stehen praktisch fest

          Denn in Slavia Prag und dem slowakischen Klub aus Zilina stehen die beiden Gruppenletzten so gut wie fest, nachdem sie sich am frühen Abend 0:0 trennten. Und um die Zwischenrunde im neuen Jahr zu erreichen, reicht ja der dritte Platz in diesem merkwürdigen Spielmodus der Uefa. Auch wenn dann einer der abgestiegenen Gruppendritten aus der Champions League wartet. Vor allem für Joris Mathijsen und Jol, den holländischen Coach des HSV, war die Partie trotzdem eine besondere: „Wenn wir verlieren, muss ich Weihnachten gar nicht erst nach Hause fahren“, sagte Mathijsen im Scherz.

          Es war nur ein Gruppenspiel des Uefa-Pokals, doch für Thiago Neves war es viel mehr. Der knapp sieben Millionen Euro teure Brasilianer gilt in Hamburg schon als Fehleinkauf. Trainer Jol traut ihm nicht wirklich viel zu. Bisher. Trotz einer Rundumbetreuung mit Dolmetscher und seinem kleinen Bruder, den er aus Brasilien mitbringen durfte, hat Thiago Neves noch gar nicht in die Mannschaft gefunden - in Brasilien ist er zum „Spieler des Jahres 2007“ gewählt worden, eine Auszeichnung, die dort viel zählt. Der Hamburger Sportchef Dietmar Beiersdorfer hatte Neves oft genug beobachtet, um von ihm überzeugt zu sein und ihm dem Kollegen Dieter Hoeneß und Hertha BSC Berlin vor der Nase wegzuschnappen - nach knapp vier Monaten in Hamburg fragt man sich: warum?

          Petric nur auf der Bank

          Hinter Thiago Neves steht ein Fragezeichen, ob er sich in der rauen Bundesliga wird durchsetzen können, mancher hat ihm schon den Stempel „Schönwetterspieler“ aufgedrückt. Am Mittwoch dann war es soweit für den Regisseur. Jol rotierte ein bisschen, ließ den besten Torschützen Mladen Petric draußen und wagte es mit Neves von Beginn an. Die Zweifel aber blieben. Neves begann gut, doch mit zunehmendem Spielverlauf tauchte er unter, lief falsch, versteckte sich.

          Das war zu wenig, um die Kritiker verstummen zu lassen. Vom ganzen HSV aber sah man nichts sonderlich Aufregendes. Ajax spielte zunächst nur defensiv, wartete ab, und als vom HSV außer einem Abseitstor von Paolo Guerrero nichts kam (24. Minute), traute sich die Mannschaft von Trainer Marko van Basten etwas mehr zu. Ohne wirklich gefährlich zu werden.

          Bei Hamburg merkte man wie schon am Sonntag gegen Werder Bremen, wie schwer es der Mannschaft fällt, schnell und ballsicher nach vorn zu spielen. Thiago Neves war hierbei keine große Hilfe, Trochowski und Jarolim aber auch nicht. Wie so oft in solchen Spielen kam die beste Hamburger Szene aus dem Nichts - Guerrero bekam den Ball zwölf Meter vor die Füße und schoss ihn an die Latte (59.). Als man sich an ein torloses Remis zu gewöhnen begann, spielte David Jarolim einen schlimmen Fehlpass, Ajax-Profi Leonardo erlief den Ball und setzte ihn nach einem doppelten Pfostentreffer zum Sieg für Ajax ins Hamburger Tor (77.).

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