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0:0 in Schweden : Keine Tore beim deutschen Debütantenball

Kleine Wirbler im deutschen Mittelfeld: Holtby (Mitte) und Marin gegen die Schweden Bild: dpa

Zum Abschluss des WM-Jahres 2010 kommt die deutsche Fußball-Nationalelf im Testduell mit Schweden nur zu einem 0:0. In einem faden Spiel bei Minusgraden und spärlicher Kulisse geben Holtby, Schmelzer, Schürrle und Götze ihr Debüt.

          3 Min.

          Die deutsche Nationalmannschaft hat sich aus einem aufregenden und mitunter glanzvollen Fußballjahr vollkommen unspektakulär verabschiedet. Zum Abschluss in Göteborg gegen Schweden kam der WM-Dritte und souveräne Tabellenführer der EM-Qualifikation in einer stimmungsarmen Partie nur zu einem 0:0.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Ohne zahlreiche Stammkräfte und einem halben Dutzend neuer oder zuvor kaum eingesetzter Talente präsentierte sich das Team von Löw gegen die Schweden zwar jederzeit gleichwertig, teils auch überlegen, aber nicht dominant und in jeder Minute leidenschaftlich entschlossen, die allerletzten Kräfte für einen letzten Erfolg zu mobilisieren.

          Dass die Testpartie zu einem Auftritt von spielerischer Extraklasse werden würde, hatte man angesichts der zahlreichen Personalveränderungen ohnehin nicht erwarten können. Dass aber auch dieses Team locker gegen die Schweden mithalten konnte, und sich damit eine neue Tiefe im Kader und eine größere Konkurrenz um die Plätze bei Löw auftut, dürfte für den Bundestrainer der perspektivisch größte Gewinn des Abends gewesen sein.

          90 Minuten, keine Tore - die Partie Schweden gegen Deutschland war keine beste Unterhaltung
          90 Minuten, keine Tore - die Partie Schweden gegen Deutschland war keine beste Unterhaltung : Bild: dpa

          Konzentriert, überlegt und geschlossen - fast routiniert

          Es kam nicht ganz unerwartet, dass der Bundestrainer zu Beginn seines jugendlichen Testprogramms in Göteborg vor allem auf die aktuelle Stärke des Bundesliga-Tabellenführers Borussia Dortmund und dessen defensive Qualitäten setzte. In der Innenverteidigung neben dem Hamburger Heiko Westermann (mit 27 Jahren der älteste Spieler) kam Mats Hummels zu seinem zweiten Einsatz, als Außenverteidiger an seiner linken Seite durfte Marcel Schmelzer sein Debüt geben. Kevin Großkreutz als dritter Borusse rückte auf der rechten Offensivseite erstmals von Beginn an ins Team.

          Und da sich im zentralen Mittelfeld der Mainzer Lewis Holtby erstmals als Nationalspieler versuchen durfte - und Mario Gomez mal wieder als einziger Stürmer von Beginn an das Vertrauen bekam - hatte die deutsche Nationalmannschaft ohne seine WM-Stützen Philipp Lahm, Mesut Özil, Thomas Müller, Lukas Podolski und Miroslav Klose in Schweden auch nicht mehr viel mit dem Erfolgsteam des Sommers zu tun.

          Die neu formierte und mit 23 Jahren im Durchschnitt jüngste deutsche Mannschaft der jüngeren Geschichte trat von Beginn an immerhin konzentriert, überlegt und geschlossen auf, routiniert könnte man fast schon sagen. Eine gute Torchance der Schweden ließ das Team zunächst nicht zu. Sie kontrollierten in der Anfangsphase die Partie, und präsentierten sich so, wie es ihr Anführer, Bastian Schweinsteiger, der diesmal auch Kapitän sein durfte, gefordert hatte: Wie ein Favorit - allerdings ohne Durchschlagskraft, dafür spielte das Team zu wenig dynamisch und druckvoll.

          Duell im frostigen und nur spärrlich gefüllten Ullevi

          Nach zwanzig Minuten entwickelten die Schweden größere Initiative und spielten sich bis in den Strafraum vor. Ohne ihren Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic aber blieben sie im Abschluss genauso harmlos wie der WM-Dritte. Torhüter René Adler musste nie eingreifen, sein Kollege Isaksson nur einmal bei einem Schuss von Schmelzer (36. Minute). Aufregend war das letzte Duell des Jahres im frostigen und nur spärlichen gefüllten Ullevi-Stadion also nicht.

          Das bewährte Duo Schweinsteiger und Khedira bemühten sich im Mittelfeld zwar um Struktur, aber dass für den Bayern-Star und die Real-Stammkraft diese Partie nicht den Saison-Höhepunkt bedeutete, ließ sich durchaus erkennen. Auch die Eindrücke der neuen Kräfte waren beim Saisonabschluss, den sie für sich zu einem Anfang machen wollten, ebenfalls nur schwach konturiert bei einem insgesamt bestenfalls soliden und niemals glanzvollen deutschen Auftritt.

          Keiner versperrte sich den Weg zu Löw für immer

          Hummels wirkte verlässlich, Schmelzer zuweilen nervös und fehleranfällig, Holtby gefiel auf der Özil-Position mit einigen lichten Momenten ohne schon ein Özil zu sein, während Großkreutz auf der rechten Seite kaum ins Spiel fand. Aber insgesamt waren das nur kleinere Plus- und Minuspunkte, die in Göteborg keinen neuen Stammspieler für die Europameisterschafen 2012 hervorbrachten, aber auch niemand den Weg zu Löw für immer versperren werden.

          Nach der Pause kehrte Andreas Beck, der als Nummer 23 die Weltmeisterschaft nur hauchdünn verpasst hatte, in die Mannschaft zurück. Der Hoffenheimer ersetzte Jerome Boateng, der auf der rechten Abwehrseite eine sichere, unspektakuläre Leistung nach seiner Verletzungspause geliefert hatte.

          Zwölf Minuten vor Schluss kommen Schürrle und Götze

          Nach einer Stunde nahm der Bundestrainer dann nochmals drei Auswechslungen vor, die den Charakter der WM-Mannschaft noch weiter unkenntlich werden ließen. Schweinsteiger, Khedira und Marin gingen, Kroos, Träsch sowie Cacau kamen. An den Gewichten änderten sich trotzdem nichts mehr. Beiden Mannschaften schienen mit dem Unentschieden und einer Partie ohne größere Blöße zufrieden zu sein. An Zugkraft, die Partie in der Schlussphase entscheiden zu wollen, fehlte es den Schweden noch etwas mehr als den Deutschen.

          Torchancen blieben aber auf beiden Seiten weiter rar. Dafür kamen zwölf Minuten vor dem Ende des Fußballjahres noch zwei Spieler zu der Ehre, sich nun Nationalspieler nennen zu dürfen: der Mainzer Andre Schürrle und der 18 Jahre und 187 Tage alte Dortmunder Mario Götze, der in Göteborg zum jüngsten Nationalspieler seit Uwe Seeler wurde. Der gab sein Debüt im Alter von 17 - im Jahr 1954.

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