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Fußball : Wolfsburg will, was Leverkusen hat

  • -Aktualisiert am

Wolfsburger Modell: das neue Stadion im kleinen Maßstab Bild: dpa

Beim Start der Fußball-Bundesliga treffen am ersten Spieltag zwei „Werks-Clubs" aufeinander. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sind die Werbeträger des Chemiegiganten und der Volkswagen AG.

          3 Min.

          Bayer Leverkusen hat sich in den vergangenen Jahren mit enormen Investitionen in der Spitzenklasse des deutschen Fußballs etabliert. Der andere Werks-Club, der VfL Wolfsburg will das erst noch bewerkstelligen. Denn bei den Niedersachsen hinkt die Infrastruktur der sportlichen Entwicklung hinterher.

          Erst im neuen Jahrtausend wird beim VfL die Modernisierung abgeschlossen: Der Club wurde im Mai diesen Jahres in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt und er hat im März mit dem Bau eines neuen Stadions begonnen, der im Sommer 2002 abgeschlossen sein soll. Großen Anteil am Aufstieg des Clubs hat in erster Linie die Volkswagen AG als Hauptsponsor. „Die Annäherung zwischen Verein und Unternehmen bedurfte einer gewissen Einsicht", erklärte Geschäftsführer Klaus Fuchs. Während seiner vierjährigen Tätigkeit hat er eine Aufbruchstimmung in der Stadt, die erst in der Nachkriegszeit entstand, festgestellt.

          Bekanntheitsgrad der Stadt erhöht

          „Der VfL hat eine identitätsstiftende Wirkung, die Stadt hat einen größeren Bekanntheitsgrad erhalten", sagte der 49-Jährige und fügte hinzu: „Die Unterstützung von VW ist vergleichbar mit der bei Bayer in den Anfangsjahren. Und auch in die Unternehmenskommunikation sind wir nicht so eingebunden.“

          Schwindet die Unterstützung? Wolfsburgs Trainer Röber
          Schwindet die Unterstützung? Wolfsburgs Trainer Röber : Bild: dpa/dpaweb

          Aber auch der Bayer-Konzern brauchte Jahre, um sich aus dem Schattendasein zu befreien. Erst unter Trainer Christoph Daum begann der Aufstieg. In dieser Zeit investierte der Verein viele Millionen Mark in neue Spieler. Die Präsenz in Medien, speziell in Südamerika, sehen die Konzernlenker als gelungenen „return of investment“. Das war ein Grund für die Gründung der Bayer Fußball GmbH, an der das Unternehmen zu 100 Prozent beteiligt ist.

          Werbetochter der Bayer AG

          „Wir sind eine Werbetochter der Bayer AG", so der Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. Auch der Volkswagen-Konzern orientiert sich weltweit und nutzt den Bundesligisten verstärkt als Werbeträger. Zuletzt war die Elf auf einer Tournee durch China. Dieser Riesenmarkt ist für den Auto-Konzern ein wichtiger Absatzmarkt. Aus diesem Grund wurde die Volkswagen AG noch stärker in den Verein eingebunden, die beispielsweise im „Fall Akpoborie“ auch erhebliches Mitspracherecht erhielt..

          Nachdem die sogenannte „Lex Leverkusen" auch auf die Niedersachsen angewandt wurde, ist der VfL nun eine von DFB und Liga-Verband anerkannte GmbH. „Wir sind zwar kein Werkssportverein, aber im Präsidium waren immer Leute von VW. Und in der Ausnahmeregelung steht, dass eine sehr langjährige Unterstützung seitens des Unternehmen da sein muss", erklärt Fuchs. 90 Prozent hält der Konzern, die anderen zehn der Verein.

          Am Stadionbau beteiligt

          Neben den etwa zehn Millionen Mark, die Volkswagen jährlich an den Verein zahlt, ist das Unternehmen auch wesentlich an den Baukosten in Höhe von 100 Millionen Mark beteiligt. 50 Prozent, maximal jedoch nur 50 Millionen Mark, übernimmt die Stadt Wolfsburg. Die andere Hälfte wird über ein Darlehen des Mutterkonzerns finanziert, deren Rückzahlung die VfL Wolfsburg Fußball GmbH erwirtschaften muss. „Wir gehen von einer jährlichen Belastung von etwa 3,5 bis 4 Millionen Mark aus, die müssten wir aber aus den Mehreinnahmen des neuen Stadions erwirtschaften können", sagt Fuchs.

          Denn die alte Arena, die 1948 erbaut und 1997 noch einmal renoviert wurde, fasste gerade einmal 20.400 Fans, davon konnten dann aber nur 7750 sitzen. Mit einem Schnitt von 13.751 Anhängern belegen die „Wölfe" gerade einmal Rang 16 in der Zuschauertabelle. Vorbild beim Stadionbau ist wieder Leverkusen. „Wir haben uns Rat aus Leverkusen geholt, dort steht ja mit der BayArena ein kleines Schmuckkästchen. Wir haben aber mit 30.000 Zuschauern eine größere Kapazität geplant, damit wir etwas Spielraum haben. Da hat Leverkusen mit 22.500 Plätzen zu knapp kalkuliert", sagt Fuchs, der in seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern am Bau des Fritz-Walter-Stadions beteiligt war und auch zur Stadionkommission bei der WM 2006 gehörte.

          Imageprobleme

          Beide Clubs haben noch eine Gemeinsamkeit. Die Akzeptanz in der Bevölkerung, so stehen die Bayer-Kicker in bezug auf ihr Image immer noch im Schatten des 1. FC Köln. Die „Wölfe" müssen sich ebenfalls mit einem klassentieferen Nachbarn herum ärgern. So hat Eintracht Braunschweig zwar seine besten Zeiten hinter sich, aber in der Regionalliga kommen trotzdem im Schnitt 10.000 Fans zu den Partien. „Das betrifft vor allem die ältere Generation, Kinder und Jugendliche interessieren sich eher für die Bundesliga", hofft der Geschäftsführer auf einen Trendwechsel.

          Ein weiteres Problem ist die Lage als Grenzstadt zur ehemaligen DDR. „Magdeburg liegt bei uns vor der Haustür, aber die Zeitungen dort meinen mit wir Cottbus und Rostock und nicht uns. Diese innere Mauer müssen wir aufbrechen", möchte Fuchs die Klientel auch Richtung Osten erweitern. Das dürfte sogar einfacher sein, als einen Kölner von vermeintlichen Vorzügen Leverkusens zu überzeugen.

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