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WM-Vorschau Iran : Mit Gucci nach Brasilien

Angenommen: Ashkan Dejagah (l., mit Andranik Teymourian)

8 – Ein Fuchs in Teheran

Im Februar 2012 spielte Ashkan Dejagah das erste Mal für die iranische Nationalmannschaft. Untertrieben gesagt: Es ging ganz gut los. Nach vier Minuten hatte der damalige Profi des VfL Wolfsburg zum ersten Mal getroffen im WM-Qualifikationsspiel gegen Qatar, unmittelbar nach der Pause traf er noch mal. Das Spiel endete 2:2, eine Enttäuschung für die Iraner, die WM-Qualifikation geriet damals ernsthaft in Gefahr. Aber die knapp 52.000 Zuschauer, die sich aus dem Azadi-Stadion auf den Heimweg machten, waren sich einig: Ashkan Dejagah von den Reinickendorfer Füchsen in Berlin, unter Horst Hrubesch mit Deutschland 2009 U21-Europameister, ist unser bester Mann. Inzwischen ist Dejagah als Ergänzungsspieler des FC Fulham aus der englischen Premier League abgestiegen – für Iran ist er unverzichtbar.

Solide Bundesligarunde, aber zu unsicher für die WM? Daniel Davari, künftig beim Grasshopper-Club in Zürich

Im Gegensatz dazu dürfte Queiroz im Tor auf Rahman Ahmadi vom FC Sepahan setzen. Daniel Davari hat zwar eine solide Bundesligasaison hinter sich, wirkte aber in den wenigen Länderspielen, die er bislang bestreiten durfte, nicht immer sicher. Es wäre mutig von Queiroz, den künftigen Profi der Grasshoppers aus Zürich aufzustellen.

Stammformation? Die elf Spieler, die Queiroz jüngst gegen Montenegro testen ließ - im Tor mit Rahman Ahmadi

9 – Die Null muss fallen

270 Minuten hat der Iran in den vergangenen Tagen im Rahmen des Trainingslagers in Österreich getestet. Herausgesprungen ist herzlich wenig: 0:0 gegen Weißrussland, 0:0 gegen Montenegro, 1:1 gegen Angola (mit Davari im Tor). Die Defensive steht, jedenfalls gegen die Gegner aus der zweiten Reihe. Die Offensive aber stockt gewaltig. Die WM beginnt für die Iraner am 16. Juni gegen Nigeria, drei Stunden nach dem deutschen Auftakt gegen Portugal. Der große Favorit in Gruppe F ist Argentinien, die Iraner hoffen auf Punkte gegen den Afrikameister und gegen Neuling Bosnien-Hercegovina.

10 – Tututututututu – Iran!

Tu: Dreimal lang, viermal schnell und dann: Iran! Team Melli bei der WM bedeutet vor allem eins: Party! Von Australien bis Kalifornien stellen die ausgewanderten Iraner die Wecker für die Spiele des Team Melli. Die WM wird so zum gemeinschaftsstiftenden Ereignis für Landsleute in aller Welt. Auf Videos aus „Tehrangeles“, wohin nach dem Sturz des Schahs 1979 viele aus der kaiserlichen Nomenklatur flohen, sind nach dem Sieg über die Vereinigten Staaten 1998 jubelnde Iraner mit der Flagge des Schahs zu sehen, die nach der Revolution ersetzt wurde – die Nationalmannschaft (damals mit dem nicht zu übersehenden Schriftzug I.R. Iran aufgelaufen) ist eines der ganz wenigen Symbole, hinter dem sich nahezu alle Iraner unabhängig von ihrer religiösen und politischen Gesinnung Weltanschauung. 

Der staatliche Rundfunk Irib hörte sich übrigens jüngst schon mal unter den in London lebenden Iraner um bezüglich der Chancen des Teams. Bemerkenswert: Offenbar war es dem Sender nicht möglich, weibliche Fans aufzutreiben. Dabei sind Iranerinnen mindestens von der Aussicht auf die WM-Party so begeistert wie die Männer. Tatsächlich ist ihnen der Stadionbesuch in Iran nach wie vor verboten.

Das Regime tut alles, um die seit Jahrzehnte propagierte Diskriminierung aufrecht zu erhalten – weltfremde Umfragen wie die in London gehören zur Staatsräson. Was zum einigermaßen paradoxen Phänomen führt, dass Teherans Designer inzwischen auch gesetzestreue Fankleidung für Damen entwerfen.

11 – Druck? Welcher Druck?

Argentinien, Nigeria, Bosnien-Hercegovina – die Iraner sind krasse Außenseiter, richtig? Nun ja. Fast die Hälfte der User, die auf der Website teammelli.com an der Umfrage zu ihren Erwartungen teilgenommen haben, rechnen mit dem Einzug ins Achtelfinale. Mehr als ein Viertel will wunderschönen, unterhaltsamen Fußball sehen, unabhängig von den Ergebnissen. Nur ein Fünftel wäre zufrieden, wenn die WM-Partien nicht allzu hoch verloren gehen. Nur für Unbeteiligte sind die Iraner krasse Außenseiter. Deshalb wird es spannend zu sehen, mit wie viel Mut Queiroz seine Mannschaft in Brasilien aufstellt.

Am Dienstag in der WM-Vorschau: Bosnien Hercegovina

Alle Infos zu Iran auf einen Blick

Spielplan bei der WM 2014:

Montag, 16. Juni, 21.00 Uhr: Iran – Nigeria (in Curitiba)
Samstag, 21. Juni, 18.00 Uhr: Argentinien – Iran (in Belo Horizonte)
Mittwoch, 25. Juni, 18.00 Uhr: Bosnien-Hercegovina – Iran (in Salvador)

Trainer: Carlos Queiroz

Plazierung in der Weltrangliste: 37.

Bisheriges Abschneiden bei Weltmeisterschaften:

1978: Vorrunde
1998: Vorrunde
2002: Vorrunde

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