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WM-Kommentar : Vorhang auf zur großen Show

Die Rollen hat Löw verteilt, jetzt müssen die Spieler ihren Part erfüllen Bild: dpa

Die Aufgabe ist heikel - auch für Typen mit einer starken Psyche. Dennoch müssen Lahm, Schweinsteiger oder Podolski im Duell mit Ghana vorneweg gehen. Ein vorzeitiges Ausscheiden nach der WM-Vorrunde wäre für Deutschland ein Trauerspiel.

          Die Besetzungsliste für das große Bühnenstück ist noch nicht geschlossen. Das Weltturnier des Fußballs befindet sich in der Casting-Phase, die wichtigsten Fragen sind noch unbeantwortet. Wer wird Statist bleiben? Wer erhält die Nebenrollen, wer die Hauptrollen? Die jungen deutschen Darsteller trauen sich noch immer viel zu in diesem Fußball-Theater und glauben, den Sprung ins Rampenlicht problemlos schaffen zu können.

          Einige deutsche Akteure, Müller, Özil, Khedira, haben ihren Ruf als vielversprechende Nachwuchshoffnungen anfänglich bestätigt. Doch im dritten Gruppenspiel gegen Ghana kommt es an diesem Mittwoch (20.30 Uhr / FAZ.NET-WM-Liveticker) auf mehr an. Die älteren Kollegen Lahm, Schweinsteiger oder Podolski müssen an diesem Mittwoch in Johannesburg vorneweg gehen, damit dieses Team die bisher schwierigste Prüfung besteht. Nur ein Sieg über Ghana bringt absolute Sicherheit, die nächste Qualitätsstufe zu erreichen.

          Dabei werden die Spieler keine größere Hilfe mehr von ihrem Regisseur - dem Bundestrainer - erwarten können. Löw kann nur hoffen, die Rollen auf dem Rasen richtig besetzt zu haben. Viel Einfluss auf den Spielverlauf hat er nicht mehr, wenn der Ball rollt. Der Antrieb für einen sauberen Vortrag im Soccer-City-Stadion kann dann nicht mehr von außen kommen. Jeder Spieler muss schnell das Lampenfieber ablegen und seine Rolle auf dem Platz leidenschaftlich wie mutig interpretieren.

          Sein oder nicht sein, das ist die Frage in Südafrika

          Willensstärke, Einsatz und Treffsicherheit

          Doch wie die Erfahrung der Vergangenheit gezeigt hat, kann letztlich das Selbstbewusstsein und die Eigeninitiative eines Einzelnen entscheidend für das Endergebnis sein. Als vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft ein Sieg gegen die Mannschaft des Mitgastgebers aus Österreich notwendig war zum Verbleib im Turnier, entschied erst ein singulärer Kraftakt des damaligen Kapitäns Ballack das Zitterspiel für die Deutschen.

          Vergleichen wollen die aktuellen Fußballer die Situation zwar nicht, weil das Gesicht des Teams ein ganz anderes ist und man bislang sicherlich auch dominanter auftrat als 2008, selbst beim 0:1 gegen Serbien. Aber die Aufgabe bleibt heikel - auch für Typen mit einer starken Psyche. Nur wenn Willensstärke, Einsatz und Treffsicherheit an diesem Abend endlich zusammenkommen, dann dürfen die jungen deutschen Darsteller weiterhin träumen von der Chance ihres Lebens.

          Noch ist das Unternehmen Weltmeisterschaft 2010 mit viel mehr Risiken als Chancen verbunden. Ein vorzeitiges Ausscheiden wäre die größte Enttäuschung für ein deutsches Nationalteam bei einer WM-Endrunde. Das müsste man dann, um im Bild vom Fußball-Theater zu bleiben, ein Trauerspiel nennen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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