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WM-Kommentar : Der Stolz der Südafrikaner

  • -Aktualisiert am

Anpfiff! Die Vorfreude der Südafrikaner auf ihre WM wächst Bild: dpa

Die Probleme sind vergessen. Südafrika freut sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft. Und selbst die Angst vor einer sportlichen Blamage wird geringer. Stattdessen regiert in der südlichen Hemisphäre die Hoffnung auf ein Wintermärchen.

          Südafrika – ein Wintermärchen? Zumindest der Traum, die Welt mit einem Fest der Farben, des Frohsinns und natürlich des Fußballs zu begeistern, lebt so kurz vor der Eröffnung der WM intensiv wie noch nie in der Regenbogennation. Joseph Blatter, der um Superlative nie verlegene schweizerische Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), hat den Gastgebern schon vor der Ouvertüre am Freitag bescheinigt, „die beste WM aller Zeiten“ auf die Beine gestellt zu haben. Falls den großen Worten noch größere Taten folgen sollten, müsste sich Südafrika aber auch ganz besonders herzlich bei der Fifa bedanken, die noch keines ihrer WM-Turniere derart generös bezuschusst hat wie diese Titelkämpfe.

          Zu den ursprünglich eingeplanten Zu-Gaben von 220 Millionen Dollar sind weitere 100 Millionen aus der prall gefüllten Fifa-Kasse gekommen, auf dass die erste Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden gegenüber der Milliarden-Fußballgemeinde an den Bildschirmen so opulent und betörend daherkomme wie nur irgend möglich. Schließlich erfüllt sich auch Blatter bei diesen Titelkämpfen zwischen 11. Juni und 11. Juli seinen persönlichen Traum: Er hatte als erster und oberster Fifa-Funktionär schon vor über dreißig Jahren die Vision, Afrika baldmöglichst mit einer WM zu bescheren.

          Inzwischen sagt sogar Deutschlands Fußball-„Kaiser“, Franz Beckenbauer: „Südafrika kann es.“ Er muss es wissen als Leitfigur der WM 2006, die der Welt zu einem neuen, fröhlich getönten Deutschland-Bild verhalf. Damals ein strahlender, entspannter Präsident des WM-Organisationskomitees, ist Beckenbauer diesmal als Mitglied der Fifa-Exekutive einer der besonders wohlwollenden Begleiter des im Soccer-City-Stadion zu Johannesburg beginnenden und zu Ende gehenden Fußball-Abenteuers der Jetztzeit.

          Der Stolz der Südafrikaner auf die Vorleistungen, die ihr Land für diese in zehn Stadien und neun Städten inszenierte Megashow erbracht hat, ist derzeit überall sicht- und spürbar. Am Mittwoch trugen Abermillionen zwischen Polokwane und Kapstadt zur Mittagszeit demonstrativ das gelbe Trikot von „Bafana Bafana“ (die „Jungs“) und folgten damit einem Aufruf des Südafrikanischen Fußballverbandes. Vor einigen Monaten war dieses Leibchen alles andere als en vogue. Es war die Zeit der quälenden Niederlagen und Rückschläge für jene Nationalmannschaft, die inzwischen Gefühle zwischen Glaube, Liebe und Hoffnung weckt.

          Vorfreude wächst

          Seitdem aber der brasilianische Cheftrainer Parreira nach einer Auszeit von eineinhalb Jahren zurückgekehrt ist, geht es aufwärts. Die Angst, sich zu blamieren (siehe: Südafrika: Bloß keine Blamage) und womöglich als bisher erster WM-Gastgeber schon in der Vorrunde zu scheitern, ist erst einmal gewichen. Immerhin hat „Bafana“ nun schon seit zwölf Spielen nicht mehr verloren (mögen auch die meisten Widersacher von überschaubarer Qualität gewesen sein). Das hat die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft spürbar gesteigert.

          Auch das Sommermärchen 2006 brauchte als Treibstoff für vier rauschhafte Wochen – neben dem herrlichen Sommerwetter – Erfolge der deutschen Nationalelf. Sie wurden pünktlich geliefert, meist auch noch verziert durch ansehnliche Leistungen. Deutschland, obwohl zuvor auch schon dreimal Weltmeister, wurde schließlich umjubelter Dritter. Von einer solchen Plazierung aber träumen nicht einmal die in diesen sonnigen Wintertagen zum Überschwang neigenden Südafrikaner.

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