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WM in Südafrika : Hoffnungsträger Fußball

Die Verantwortlichen versuchen, die Stimmung wenige Wochen vor der WM hochzuhalten Bild: dpa

Die Weltmeisterschaft in zwei Monaten soll Südafrikas Wirtschaftsaufschwung beschleunigen. Doch die strikten Regeln der Fifa und mäßige Buchungszahlen schmälern die Euphorie. Hinzu kommt die Sorge über schwelende Rassenkonflikte.

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          Eigentlich wollte MTN die ausländischen Gäste ganz anders auf die Fußball-WM einschwören. Auf der Fahrt vom Johannesburger Flughafen in die Innenstadt empfangen riesige quietschgelbe Werbetafeln des Mobilfunkunternehmens die Besucher: lachende Fußballfans. Weiße und schwarze Menschen einträchtig vereint, mit Vuvuzelas in den bunten Farben der südafrikanischen Flagge an den Lippen. „Ayoba“ steht in dicken Lettern daneben – ein Slang-Ausdruck für überschäumende Freude.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          In Südafrikas Medien bot sich in der vergangenen Woche ein ganz anderes Bild: In Ventersdorp, einem kleinen Ort, 200 Kilometer von Johannesburg entfernt, johlten wütende Gruppen von Schwarzen und Weißen rassistische Parolen, streckten bedrohlich die Fäuste in die Luft – nur getrennt durch einen schnell von der Polizei errichteten Stacheldrahtzaun.

          Rassenkonflikte verschärfen sich

          Auslöser der Unruhen ist der brutale Mord an dem weißen Rechtsextremisten Eugene Terre Blanche durch zwei seiner schwarzen Farmarbeiter. Die Gewalttat hätte für das Land, in dem in 61 Tagen die Fußball-WM angepfiffen wird, kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen können. Gerade schienen die Sorgen über die Sicherheit während der WM etwas abgeebbt. Gerade hatten viele Südafrikaner in Vorfreude auf das Ereignis angefangen, sich Fähnchen ans Auto zu hängen.

          Der gewaltsame Tod des Rechtsextremisten Eugene Terre Blanche hat die Rassenkonflikte noch verschärft

          Doch statt sich für das Spektakel im besten Licht zu präsentieren, fragt man sich im WM-Gastgeberland, ob zwischen Weißen und Schwarzen doch ein ernsterer Rassenkonflikt brodelt als bisher gedacht, ob Bilder wie die aus Ventersdorp womöglich häufiger in den Medien zu sehen sein werden.

          Das South African Institute for Race Relations warnte, dass sich die Spannungen in jüngster Zeit verschärft hätten. Regierung und Oppositionsparteien riefen zu Ruhe und Einigkeit auf.

          In ausländischen Konzernen rauft man sich die Haare

          Investoren freilich verfolgen die Ereignisse mit Sorge. In den Niederlassungen ausländischer Konzerne rauft man sich mit Blick auf künftige Investitionsentscheidungen die Haare über die Außenwirkung der Berichte. „Das Bild Südafrikas hat in der internationalen Öffentlichkeit großen Schaden genommen“, stellt David Shapiro vom Finanzdienstleister Sasfin fest.

          Der Grund sei weniger der Mord an dem rechtsradikalen Apartheid-Verfechter, der vermutlich aus privaten Motiven begangen wurde. Noch dazu ist die Partei Terre Blanches in den vergangenen Jahren in Vergessenheit geraten. Die weißen Farmer haben sich auf ihre Bauernhöfe zurückgezogen oder sind ins Ausland abgewandert. „Aber vielen in der Wirtschaft geht langsam die Geduld aus.“

          Die Geduld wird vor allem von einem Mann auf die Probe gestellt. Julius Malema, Führer der Jugendliga der Regierungspartei ANC, hat sich mit rassistischen Sprüchen als Meister der Provokation einen Namen gemacht. Nicht nur grölt er vor seinen Anhängern gerne die Liedzeile „Dubula ibhunu“ – was „Tötet den Buren“ oder „Tötet den weißen Farmer“ bedeutet – und schert sich wenig darum, dass ein Gericht das Lied als verfassungsfeindlich eingestuft hat.

          Außerdem wird er nicht müde zu fordern, die gesamte Bergwerksindustrie Südafrikas zu verstaatlichen, verteidigt schwarze Führungspersönlichkeiten, die sich auf undurchsichtige Weise bereichert haben, und beschimpft kritische Journalisten, wenn es um die Herkunft seines eigenen Vermögens geht.

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