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Staatspräsident Liberias : Was US-Spieler Timothy Weah seinem Vater voraushat

  • -Aktualisiert am

Großer Name: US-Nationalspieler Timothy Weah Bild: Reuters

George Weah war Weltfußballer, aber mit Liberia nie bei einer Weltmeisterschaft. Sein Sohn Timothy ist die amerikanische Hoffnung im Achtelfinale gegen die Niederlande.

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          Die Fußball-Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten hat bei dieser Weltmeisterschaft bisher zwei Treffer erzielt. Da sie nur einen kassierte und ohne Niederlage in drei Spielen blieb, reichte das, um die Gruppe B zu überstehen und an diesem Samstag (16.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und bei Magenta TV) im ersten Achtelfinale gegen die Niederlande antreten zu dürfen.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Den einen Treffer erzielte Christian Pulisic zum 1:0-Sieg über Iran im dritten und entscheidenden Vorrundenspiel. Er ist der bekannteste Name im Team. Mit Pulisic, der bei Borussia Dortmund groß wurde und inzwischen beim FC Chelsea spielt, verknüpfen die Soccer-Fans ihre Hoffnungen auf ein erfolgreiches WM-Turnier, ehe das nächste im Jahr 2026 in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko ausgetragen wird.

          Fußball-WM 2022

          Doch ob Starspieler Pulisic die Nationalhymne vor dem Spiel mit Blick auf die „Stars and ­Stripes“-Fahne überhaupt auf dem Rasen singen wird, ist ungewiss. Beim Tor gegen Iran zog er sich eine „sehr schmerzhafte Beckenprellung“ zu und musste später ausgewechselt werden. Ihm gehe es wieder gut, ließ er nun verlauten. „Ich werde hart arbeiten, dass ich zum Spiel bei 100 Prozent bin.“

          Selbst wenn er nicht auflaufen könnte, Sorgen mache er sich keine. „Jeder kümmert sich um den anderen. Wenn einer ausfällt, ist der nächste da. Das ist ein amerikanischer Spirit“, sagte er. Der wird auch nötig sein gegen die favorisierten Niederländer.

          Bei seinem Familiennamen klingelt’s

          Einen bekannten Namen hat auch der bisher einzige andere Torschütze der Amerikaner in Qatar: Timothy Weah. Dass bei seinem Familiennamen etwas klingelt, liegt indes weniger am 22 Jahre alten flinken Flügelflitzer, der auf Vorlage von Pulisic im ersten WM-Spiel gegen Wales sein erstes WM-Tor erzielte, sondern an seinem berühmten Vater George.

          Der war einer der besten afrikanischen Fußballspieler. Bekannt wurde er im Trikot der AS Monaco, von Paris Saint-Germain und dem AC Mailand. In der Nationalmannschaft blieb ihm die große Bühne verwehrt. Liberia qualifizierte sich nie für eine Weltmeisterschaft, mit Weah nur zweimal für den Afrika-Cup. In seiner zweiten Karriere indes brachte es George Weah an die politische Spitze. Seit 2018 ist er Staatspräsident des Landes an der westafrikanischen Atlantikküste.

          Früher einer der besten afrikanischen Fußballspieler, heute Staatspräsident Liberias: George Weah.
          Früher einer der besten afrikanischen Fußballspieler, heute Staatspräsident Liberias: George Weah. : Bild: AP

          Die WM-Tor-Premiere seines dritten Kindes – neben Timothy hat er George junior und Tochter Tita – sah er an der Seite seiner Frau Clar live im Stadion. „Es ist ein Traum, der wahr wird“, sagte Timothy, der die Möglichkeit hatte, für vier Nationalmannschaften zu spielen: Liberia, Frankreich (die zweite Staatsbürgerschaft seines Vaters), Jamaika (das Heimatland seiner Mutter) und die USA.

          Doch die Entscheidung war schnell klar. In New York wurde er geboren und wuchs dort sowie in Florida auf. „Ich habe mein ganzes Leben hier gelebt. Meine Familie und Freunde sind hier“, sagte er. „Natürlich werden meine Wurzeln immer meine Wurzeln bleiben, aber ich bin in den Vereinigten Staaten aufgewachsen.“ 2018 debütierte er für „Team USA“.

          Nordamerikaner mit afrikanischen Wurzeln

          Liberianische Wurzeln haben auch Haji Wright, der im US-Kader steht und einst für Schalke und Sandhausen spielte, sowie Kanadas WM-Spieler Alphonso Davies vom FC Bayern, der in einem Flüchtlingslager in Ghana geboren wurde und als Kind nach Nordamerika kam. Seine Eltern lebten vor der Geburt in Monrovia, der Hauptstadt Liberias, die sie wegen des Bürgerkriegs verließen.

          Diese schlimme Zeit musste Timothy Weah vor Ort nie miterleben. Stattdessen wuchs er in den USA mit Sport auf, der seit jeher in der Familie Weah eine große Rolle spielte, nicht nur beim Vater. Der kleine Timothy versuchte sich beim Basketball und American Football, entschied sich aber für Fußball.

          Meister mit Celtic und Lille

          Schon mit 14 Jahren ging es für ihn nach Europa zu einem Verein, für den auch sein Vater spielte. In Paris nahm die Karriere von Weah junior Fahrt auf. Er schaffte es bis ins Profiteam an die Seite von Neymar und Kylian Mbappé, zwei der größten Namen im Weltfußball, die auch bei dieser WM noch im Spiel sind.

          Doch zum Spielen kam Timothy Weah in Frankreich kaum. Nur sechs Partien, mit immerhin zwei Toren, stehen in seiner Bilanz. Über Celtic Glasgow, wo er in einem halben Jahr zwar Meister und Pokalsieger, aber kein Stammspieler wurde, ging es zurück nach Frankreich zu Lille OSC – und sportlich in die richtige Richtung. Der Klub wurde 2021 mit Weah Meister.

          Das zählt derzeit aber nicht, sondern nur „Team USA“. Zuletzt erreichten die Amerikaner 2002 das Viertelfinale bei einer WM, verloren dort allerdings gegen Deutschland. Die Chance, es zwanzig Jahre danach wieder so weit zu schaffen, ist da, nicht zuletzt wegen Timothy Weah. Der hat seine Wurzeln nicht vergessen und besuchte das Land, das sein Vater regiert, manchmal.

          Bis auf ein paar Oppositionelle, die nach der Wahl der amerikanischen Nationalmannschaft durch George Weahs Sohn Kritik äußerten, um politisch Kapital zu schlagen, ist das Interesse an der WM, auch ohne Teilnahme der eigenen Mannschaft, diesmal besonders groß in Liberia. Und der Stolz erst recht. Vor allem beim Präsidenten.

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