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Fußball-WM 2018 : Darum schweigt Spanien weiter bei der Hymne

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Wenn bei der WM die spanische Hymne gespielt wird, bleiben die Spieler stumm – gezwungenermaßen. Bild: AFP

Kurz vor dem WM-Achtelfinale gegen Russland werden die Spieler aus Spanien wieder etwas bedröppelt schauen. Sie bleiben während der Hymne still. Das dürfte sich so schnell auch nicht ändern.

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          Wenn die spanische Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und im ZDF) vor dem WM-Achtelfinale in Russland ihrer Hymne lauscht, werden Kapitän Sergio Ramos und seine Kollegen wieder still und etwas bedröppelt vor sich hinschauen. Anders als die anderen Teams können sie nicht durch lautstarkes Mitschmettern Nationalstolz demonstrieren oder sich zumindest für das Spiel Mut ansingen – denn die spanische Hymne ist eine der ganz wenigen weltweit, die nur eine Melodie und keinen Text hat.

          Fussball-WM 2018

          Um Einheit und Teamgeist zu bekunden, umarmt sich die „Furia Roja“ während der Hymne traditionell mit auf den Schultern verschränkten Armen. Die meisten Akteure von Andrés Iniesta bis Gerard Piqué schauten vor Beginn der letzten Vorrundenpartie gegen Marokko wieder stumm geradeaus, während Abwehrstar Ramos zu den Klängen der Marsch-Melodie den Blick hoffnungsvoll gen Himmel hob. Im Publikum stimmten mehrere eifrige Fans immerhin ein „lololololo“ an (Spanisch für lalalalala). Das hart erkämpfte 2:2 reichte letztlich für den Gruppensieg. Jetzt gilt es, im Moskauer Luschniki-Stadion den Gastgeber zu schlagen, dessen Fans wohl wieder inbrünstig und geräuschvoll „Russland, unser geheiligter Staat, Russland, unser geliebtes Land“ intonieren werden.

          Dabei gab es auch in der 250-jährigen Geschichte der spanischen „Marcha Real“ (Königlicher Marsch) immer wieder Versuche, die passenden Worten zu finden. Bereits im vorigen Jahrhundert wurden diverse Anläufe gestartet – alle vergeblich. Und auch im WM-Jahr 2018 hatten sich erneut zwei Künstler daran gemacht, passende hymnische Verse zu dichten, wiederum ohne Erfolg, wie die schweigende „Selección de fútbol“ zeigt.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Eine war die Pop-Sängerin Marta Sánchez, die immerhin auf eine 30-jährige Karriere zurückblicken kann. Nachdem sie ihre schwer patriotische Version im Februar im Madrider „Teatro de la Zarzuela“ präsentiert hatte, gab es überschwängliches Lob vom mittlerweile abgewählten Ministerpräsidenten Mariano Rajoy, der erklärte, „ein Großteil der Spanier“ fühle sich dadurch repräsentiert. Die Zeitung „El País“ wunderte sich am nächsten Tag, auf welche demoskopische Umfrage sich der konservative Politiker da wohl berufen habe mochte – und fügte hinzu, der Text sei fast zu peinlich, um zitiert zu werden.

          Sánchez sang von einem „großen Spanien“ und dankte Gott dafür, dass sie in diesem Land geboren sei – und schwärmte dann von den rot-gelben Farben der Nationalflagge, die in ihrem Herzen flammten. In Zeiten der Abspaltungsgelüste der Krisenregion Katalonien stoßen derlei Bekenntnisse zumindest bei einem Teil der Bevölkerung auf offene Ablehnung.

          Dann mischte auch der Sänger Alejandro Abad bei der Textsuche mit. Der 55-Jährige, der auch als Musikproduzent tätig ist, vertrat Spanien beim Eurovisionswettbewerb 1994 – belegte allerdings nur einen glanzlosen 21. Platz. In seinem „Canta España“ (Sing Spanien, deine Völker und deine Geschichte werden dich schützen) setzte er auf Multikulti und Zusammenleben, auf Diversität, aber mit „einem einzigen Herzen“. Damit könnten sich die katalanischen Separatisten womöglich gerade noch anfreunden. Eine Hymne brauche einfach einen Text, sonst sei es keine Hymne, sagte Abad und forderte andere Musiker auf, es ihm nachzutun. Vielen aber fehlt der Mut, sich an ein so monumentales und öffentliches Projekt zu wagen. Denn meist werden die dichterischen Bemühungen gleich von Kritikern zerpflückt.

          So geschehen beim vorletzten ernsthaften Versuch: Das war 2007, als das Nationale Olympische Komitee (NOK) einen offiziellen Wettbewerb zur Textsuche für die erstmals im Jahr 1761 gedruckte Partitur anregte. Eine sechsköpfige Jury kürte den Vorschlag eines 52 Jahre alten Arbeitslosen unter mehr als 7000 Einsendungen zum Siegertext. „Viva España!“ (Es lebe Spanien) begann die Hymne, und weiter: „Lasst uns alle gemeinsam singen, mit unterschiedlicher Stimme aber einem einzigen Herzen.“ Man hoffte damit sogar auf die nötige Absegnung durch das Parlament.

          Die vier ausgewählten Strophen stießen aber nicht nur bei der Bevölkerung, sondern auch bei den meisten Parteien auf Aversion. Die Sportzeitung „Marca“ sprach gar von einer „Totgeburt“ und meinte, der Text sei banal, veraltet und abgestanden. Eine Gala, auf der bekannte Sportler und der Startenor Plácido Domingo erstmals den neuen Text singen sollten, wurde Anfang 2008 abgesagt. Und so warten die Spanier weiter auf einen Text zum Mitschmettern. Aber ein „lololololo“ tut es ja notfalls auch.

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