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Russland 2018 : DFB-Team legt sich auf WM-Quartier fest

Der WM-Plan steht, das Quartier ist ausgesucht: Bundestrainer Joachim Löw. Bild: dpa

Moskau oder Sotschi? Nun entscheidet sich die deutsche Fußball-Nationalelf für ein Basisquartier bei der WM 2018. Zudem ist nun klar, wie das Programm vor dem Turnier aussieht.

          3 Min.

          Es wäre ja eine schöne, eine geradezu romantische Geschichte, wenn Joachim Löw bei der Suche nach dem guten Geist mit seinem Finger über die Landkarte gefahren und – hier! – bei einem Ort namens Podolsk stehengeblieben wäre. Von einem romantischen Spirit aber dürften die Strategiesitzungen der Nationalmannschaft diesmal nicht beseelt gewesen sein.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

          Wenn man sich das Ergebnis betrachtet, meint man, anders als vor vier Jahren in Brasilien, vielmehr einen kühlen Hauch des Pragmatismus zu spüren. In Watutinki, 40 Kilometer südwestlich vom Zentrum Moskaus und 15 Kilometer Luftlinie von der nächsten größeren Stadt, Podolsk, werden die Deutschen während der Weltmeisterschaft im nächsten Sommer Quartier beziehen. Und das ist, auch wenn es irgendwie nach Sonne und Strand klingt, etwas ganz und gar anderes als das berühmt gewordene Campo Bahia von 2014. Und vermutlich auch als das, was Löw ursprünglich vorgeschwebt hatte.

          Selbstverständlich wird es den Deutschen an nichts fehlen im „Watutinki Hotel Spa Complex“, wo derzeit noch kräftig renoviert wird. 72 Zimmer werden Löw und seinem Team zur Verfügung stehen, dazu ein Indoor-Pool mit Spa-, Fitness- und Regenerationsbereich, alles auf die besonderen Wünsche und Ansprüche des Weltmeisters abgestimmt. Aber Löw und sein Team hatten beim Confed Cup im vergangenen Sommer erlebt, wie angenehm und auch produktiv sich das Ambiente in Sotschi anfühlte, mit Sonne, Meer und Möglichkeiten zur Zerstreuung.

          Watutinki nun ist, nach allem, was zu sehen ist, ein ziemlich gesichtsloser Ort mit kaum mehr als 10000 Einwohnern und das Resort „von Wald umgeben“, wie es in der Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vom Freitagnachmittag hieß. Und auch sonst sprechen aus den Erläuterungen der Verantwortlichen diesmal nicht Träumer, sondern Logistiker – mit den „kurzen Wegen“, die Teammanager Oliver Bierhoff anführte, als Leitmotiv.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Tatsächlich werden die Deutschen in dieser Hinsicht gut vorankommen, wenn sie am 12. Juni, nach dem Trainingslager in Südtirol, das am 23. Mai beginnt, ihr Domizil in Watutinki bezogen haben. Das Trainingsgelände von ZSKA Moskau sei fünf Minuten entfernt, hieß es, der (rund um die Uhr geöffnete) Flughafen Wnukowo eine halbe Stunde, und auch das Luschniki-Stadion ist in einer Dreiviertelstunde mit dem Bus zu erreichen. Dort bestreitet der Weltmeister am 17. Juni sein Auftaktspiel gegen Mexiko. Bei wunschgemäßem Turnierverlauf, Gruppensieg vorausgesetzt, führt die Route zum Halbfinale wieder nach Moskau, am 15. Juli dann wird im Luschniki der Titel vergeben.

          „Wir denken zwar von Spiel zu Spiel, haben aber auch den gesamten Verlauf des Turniers bis zum Finale fest im Blick“, sagte Bierhoff. Der Teammanager hatte schon seit längerem, während alles auf Sotschi hinzudeuten schien, Spuren Richtung Moskau gelegt – aus ebenjenen guten Gründen, die nun für die Entscheidung angeführt wurden. Löw, so heißt es beim DFB, sei ohnehin Pragmatiker und als solcher nicht schwer von dieser Variante zu überzeugen gewesen. „Für den Erfolg müssen wir optimale Voraussetzungen schaffen. In Moskau können wir bei besten Trainingsbedingungen konzentriert arbeiten und finden in dem ruhig gelegenen Quartier auch gute Möglichkeiten zu regenerieren“, sagte der Bundestrainer.

          Es war aber doch auch so, dass die Deutschen, die ihre Wahl erst am letztmöglichen Tag dem Internationalen Fußballverband (Fifa) meldeten, sich schon sehr um Sotschi bemüht hatten. Nur haben sie dort, so wie es scheint, schlicht nicht bekommen, was sie wollten – da half es auch nicht, Fußball-, oder Organisationsweltmeister zu sein. Das Problem war der Trainingsplatz. Derjenige, den Löw und sein Team beim Confed Cup genutzt hatten, ist bei der WM für die Mannschaften reserviert, die am Spielort Sotschi Station machen. Andere wiederum waren von den avisierten Herbergen nicht zügig genug zu erreichen. Ein deutscher Sonderweg wie in Brasilien, wo man bis hin zum Anlegen des Trainingsplatzes alles selbst in die Hand nahm, war diesmal offensichtlich nicht möglich oder nicht opportun.

          In Sotschi, könnte man sagen, werden die Deutschen ja auch so vorbeischauen, zum zweiten Gruppenspiel am 23. Juni gegen Schweden, und vielleicht ließe sich sogar die eine oder andere Nacht dranhängen, wäre ja ganz schön. Nur besser nicht so schön, dass Löw und sein Team am Ende doch die Brasilianer beneiden müssten. Die nämlich hatten sich auch in Sotschi umgesehen – und etwas nach ihrem Geschmack gefunden.

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