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Auslosung im Kreml : Wie Polen sich in den besten WM-Topf trickste

Robert Lewandowski und seine Polen dürfen auf leichtere Gegner in der WM-Vorrunde hoffen. Bild: Reuters

Spanien und England sind bei der Auslosung zur Fußball-WM nicht gesetzt. Dafür ist Polen, das zuletzt 2006 dabei war und vor einiger Zeit weit zurück in der Weltrangliste lag, in Topf eins. Wie geht das? Die Erklärung ist kurios.

          Wenn an diesem Freitag (16.00 Uhr MEZ im ZDF und bei FAZ.NET) die Gruppen der Fußball-WM 2018 ausgelost werden, wird mancher mächtig staunen. In Topf eins der acht Teams, die als Gruppenkopf gesetzt sind, befinden sich Russland, Deutschland, Brasilien, Portugal, Argentinien, Belgien, Frankreich – und Polen. Während der Gastgeber traditionell gesetzt ist, haben sechs andere Nationen einige Erfolge aufzuweisen. Die polnische Elf jedoch war 2006 letztmals überhaupt für eine WM qualifiziert. Wie kann es also sein, dass sie nun gesetzt ist, während Spanien oder England nur in Topf zwei eingeteilt wurden?

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Bei der Suche nach der Antwort landet man bei den Regeln des Fußball-Weltverbands Fifa. Erstmals war alleine die Plazierung in der Weltrangliste am 16. Oktober nach Ende der Qualifikation entscheidend. Und dort belegte Polen Platz sechs. Spanien war Achter, England lag nur auf Platz zwölf. Ein Grund für die polnische Position ist die erfolgreiche WM-Qualifikation. 25 von 30 Punkten holte die Elf von Trainer Adam Nawalka. So weit, so gut. Doch andere waren noch besser! England holte 26 Punkte, Spanien gar 28. Dass Polen dennoch vor ihnen lag, resultierte aus einem Trick mit entscheidender Wirkung, über den auch der Kicker ausführlich berichtet.

          Die Fifa-Weltrangliste wird nach einem komplizierten Muster berechnet (ausführliche Informationen und Fallbeispiele gibt es hier). Für jedes Länderspiel gibt es eine Punktzahl, die sich durch Multiplikation von vier Faktoren berechnet:

          Punkte für das Ergebnis: 3 bei Sieg, 1 bei Remis, 0 bei Niederlage. Bei Sieg im Elfmeterschießen 2, für eine Niederlage im Elfmeterschießen 1.

          Status des Spiels: Freundschaftsspiel 1; WM-Qualifikation und Kontinentalqualifikation 2,5; Kontinentalendrunde und Confed-Cup 3,0; WM-Endrunde 4,0.

          Stärke des Gegners: Der Wert wird durch die Ausgangszahl 200 minus der Weltranglistenposition des Gegners errechnet. Das Team auf Platz eins wird mit 200 bewertet, ab Position 150 erhalten alle Teams den Mindestwert 50.

          Stärke der Konföderation: Berechnet wird der Wert anhand der Ergebnisse der letzten drei WM-Turniere und lautet: Südamerika 1,00; Europa 0,99; Rest 0,85.

          Zu beachten ist, dass nicht alle Punkte eines Teams einfach addiert werden, sondern durch die Anzahl der Spiele geteilt werden, um einen Durchschnittswert zu erhalten, der die Position in der Weltrangliste bestimmt. Zudem werden nur Ergebnisse der vergangenen vier Jahre gewertet, die mit abnehmender Bedeutung gewichtet werden. Das aktuelle Jahr wird zu 100 Prozent angerechnet, danach 50 %, 30 % und 20 %.

          Deutlich wird aus den Kriterien, was einen in der Rangliste NICHT nach vorne bringt: Niederlagen, Freundschaftsspiele und schwache Gegner. Das haben nicht nur die Polen erkannt, bei ihnen aber gab es die gravierendsten Folgen. Denn die Nationalelf verzichtete einfach für fast ein Jahr von November 2016 bis November 2017 auf Testspiele. So sammelte sie zwar keine Punkte, musste die hohen Werte aus den Pflichtspielen der Qualifikation aber auch nicht durch eine höhere Anzahl an Partien teilen. Andere Nationen waren viel aktiver, die Spanier etwa traten 2016 sieben Mal zu Testspielen an.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Kurios: Kaum war der Stichtag für die Einteilung der WM-Lostöpfe vorbei, absolvierte Polen wieder zwei Partien zum Test. Klar ist aber auch: Polen hat sich nicht illegal verhalten. Stattdessen wurde die nicht durchdachte Regelung wohl systematisch genutzt. 2013 lag man noch auf Rang 76, danach ging es steil nach oben. Der Fußball-Weltverband hat das Problem immerhin erkannt, zumal Wales schon mal 13 Monate auf Testspiele verzichtete und nach oben schoss. Auch Rumänien verfuhr ähnlich. „Die Fifa überprüft die Weltrangliste und wird eine Entscheidung nach der abgeschlossenen Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2018 treffen, sollten irgendwelche Änderungen zur Optimierung der Rangliste vollzogen werden“, teilte der Weltverband mit. Eine Änderung ist dringend nötig.

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