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Wayne Rooney : Ein Mann spaltet England

  • -Aktualisiert am

Ein Mann von gestern oder immer noch gut genug für Englands Fußball-Zukunft? Bild: REUTERS

Er war mal das größte Versprechen im Fußball seines Landes, aber jetzt scheint der bullige Angreifer eine Last zu werden. Aufregende Talente drängen ihn ins Abseits.

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          Das englische Trainingscamp ist ein Traum. Es liegt direkt unter dem legendären Zuckerhut, an einer der malerischen Buchten Rios. Palmen säumen den Spielfeldrand, vom Meer weht eine angenehm frische Brise. Es herrscht seltene Ruhe wie in einem Naturpark - und das mitten in der lauten Millionen-Metropole. Die Insel-Kicker haben sich in Urca auf einer Basis der brasilianischen Marine einquartiert, einem Landzipfel zwischen den Stadtteilen Copacabana und Flamengo.

          Die Spieler folgen den ersten Anweisungen der Fitnesstrainer, auf dem Platz wird engagiert gearbeitet. Aber die entspannte Atmosphäre trügt, denn beim englischen Team herrscht wieder der Ausnahmezustand, nachdem das erste WM-Spiel gegen Italien verlorenging. Doch nicht nur das: Wie mit Superstar Wayne Rooney umgegangen werden soll, hat sich zu einer Frage von nationaler Bedeutung ausgeweitet. Der 28-Jährige mit der kernigen Working-Class-Hero-Attitüde konnte die Erwartungen bei der missglückten Premiere noch nicht erfüllen.

          Rooney steht auf der Kippe

          Die Kameras der britischen TV-Sender sind am Rand des Feldes auf den bulligen Angreifer gerichtet. Die ersten fünfzehn Minuten dürfen die Medien vom Training berichten. Es herrscht Hektik. Es wird versucht, die Mimik, jede Bewegung, das Verhalten des Stars zu interpretieren. Dann versenden die Fernsehleute ihre Stücke über die riesigen Satellitenschüsseln auf den Übertragungswagen, die überall stehen, für die Nachrichtensendungen am Nachmittag in die Heimat. Und es ist in den Berichten fast immer der gleiche Tenor: Rooney steht auf der Kippe.

          Aber kann England überhaupt ohne seinen erfahrensten Offensivmann spielen? Und hat England ohne Rooney noch eine Chance in diesem Turnier? Es hat dem wuchtigen Stürmer in der öffentlichen Betrachtung nicht mal geholfen, dass er zum WM-Auftakt gegen Italien bei der Hitzeschlacht von Manaus eine famose Flanke auf Daniel Sturridge schlug, die zum zwischenzeitlichen Ausgleich führte. Über weite Strecken des Spiels fiel er allerdings gegen die anderen Kollegen ab und konnte auf der für ihn ungewohnten linken Offensivseite, wo er eingesetzt worden war, wenige Impulse setzen. Als Mitläufer steht der mit einem Wochenlohn von 300 000 Pfund teuerste Spieler der englischen Premier League plötzlich zur Disposition - und fühlt sich in die Defensive gedrängt.

          Rooney müht sich und reiht sich vergleichsweise brav ein
          Rooney müht sich und reiht sich vergleichsweise brav ein : Bild: dpa

          „Warum sollte mein Platz garantiert sein?“

          Er geht mit der Problematik offen um und stellt sich den unangenehmen Fragen, was ihm wiederum Respekt einbringt. Die Kritik in wichtigen englischen Medien, dass ihn nur noch sein großer Name in die Startelf von Trainer Roy Hodgson bringt, konterte er vor dem entscheidenden Spiel gegen Uruguay: „Ich arbeite hart und bekomme nichts geschenkt. Ich möchte spielen. Aber warum sollte mein Platz im Team garantiert sein?“, sagte Rooney. Er will kämpfen. Beim zweiten WM-Spiel in São Paulo geht es für die Engländer schon wieder um alles oder nichts.

          Auf dem Trainingsplatz gehört Rooney an diesem Mittag bei den ersten Spielformen der Gruppe um Chelsea-Altmeister Frank Lampard an. Der zählt schon nicht mehr zur ersten Elf und sitzt auf der Bank. Aber das muss nichts für Rooney bedeuten. Hodgson verteidigt ihn noch. Aber alle wissen hier auch, dass der Trainer eigentlich auf die jungen, aufstrebenden Kräfte setzt, die derzeit in England in aller Munde sind. In der Offensive sind das Sturridge, Raheem Sterling und Danny Welbeck, die in der Partie gegen Italien auch zusammen eine überzeugende Rolle gespielt haben. Alle sind um die zwanzig Jahre alt, erfolgshungrig, angriffslustig und auch mannschaftstaktisch einigermaßen diszipliniert. Eine Variante fürs Uruguay-Spiel könnte sein, dass Rooney Außenangreifer Alex Oxlade-Chamberlain weichen muss, der zum WM-Start noch an einer Verletzung laboriert hatte. Aber wird der Trainer das riskieren? „Hodgson würde geköpft, wenn das dann in die Hose ginge“, sagt BBC-Mann Ian Chistopher Dennis und schüttelt den Kopf.

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