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Uruguay vor zweitem WM-Spiel : Die Überlebenskünstler

  • -Aktualisiert am

Alle Stars beisammen: Diego Godín (Nummer 3), Luis Suárez (9) und Edison Cavani (hinten rechts) bejubeln den Siegtreffer gegen Ägypten. Bild: EPA

Uruguays Nationalspieler gehören zu den unbequemsten Gegnern bei dieser WM. Für die goldene Generation der Neuzeit ist es allerdings auch die letzte Chance auf einen großen Wurf.

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          In den Cafés in Montevideo haben sie die Ergebnisse des ersten Spieltags der WM in Russland mit Genugtuung zur Kenntnis genommen: Brasilien nur 1:1 gegen die Schweiz, Argentinien nur 1:1 gegen Island. Und Uruguay? Ist auf den letzten Drücker mit einem 1:0 gegen Ägypten in der Nachspielzeit erfolgreich gestartet. „La Celeste“, die Himmelblauen, traten unspektakulär, aber effektiv auf. Nichts in der Heimat freut die Fans mehr, als wenn die Nachbarn im Süden und im Norden in Turbulenzen geraten. Das lässt die eigene Leistung in besserem Licht erscheinen.

          Auf der Bank des Teams sitzt einer, der gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw die längste Amtszeit der Coaches bei dieser WM vorzuweisen hat: Óscar Washington Tabárez, 71 Jahre alt, lenkt die Geschicke der Mannschaft seit 2006. Der große Mann des südamerikanischen Fußballs ist so etwas wie der Gegenentwurf zur hektischen Kicker-Welt abseits des Rio de la Plata. Tabárez’ Monologe auf Pressekonferenzen sind bisweilen so langweilig, dass sie fast schon Kultstatus haben. Der Mann zelebriert seine Unaufgeregtheit und ist damit so etwas wie die Konstante im uruguayischen Fußball. Er hat Diego Forlán, die prägende Figur des letzten Jahrzehnts, adäquat ersetzt.

          Die WM in Russland ist für die goldene Generation der Neuzeit die letzte Chance, noch einmal am großen Rad zu drehen. Luis Suárez und Edinson Cavani, beide 31 Jahre alt, sowie der 32 Jahre alte Diego Godín sind sichtlich gereift. In Qatar 2022 werden sie bereits ein fortgeschrittenes Fußballalter erreicht haben. Auch deshalb liegt ihr Fokus auf diesen Tagen in Russland. Mit einem Sieg über Saudi-Arabien an diesem Mittwoch (17.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und in der ARD) wäre die Qualifikation für die nächste Runde wohl sicher.

          Diesmal bitte ohne Skandal

          Lob gibt es aus berufenem Munde. Nicht der Spanier Sergio Ramos von Real Madrid, sondern Uruguays Abwehrspieler Diego Godín sei der Vorzeigeprofi schlechthin, behauptete Diego Maradona: „Ich möchte keine Polemik anfangen, wenn sie mir sagen: Ramos ist ein Crack. Nein! Godín ist ein Crack. Einer, der dich verteidigt, der anführt, der dich zum Toreschießen antreibt, der ein Champion wird und der in keiner Partie fehlt.“

          Fussball-WM 2018

          Vor der Partie gegen Saudi-Arabien plant Tabárez Veränderungen: Carlos Sánchez soll für Nahitan Nández in die Startelf rücken, Cristian Cebolla Rodríguez auf der linken Seite Giorgian De Arrascaeta ersetzen. Sollte Uruguay die Vorrunde überstehen, wartet voraussichtlich ein namhafter Gegner. Spanien oder Portugal sind jene Konkurrenten, auf die sich Suárez und Kollegen besonders freuen. Vor vier Jahren in der „Todesgruppe“ mit Überraschungssieger Costa Rica war es Uruguay, das sich dank Suárez gegen England und Italien durchsetzte und seinen Ruf als Überlebenskünstler festigte. Dieser rührt maßgeblich von der WM 2010 her, als Suárez Uruguay im Viertelfinale in der letzten Minute der Verlängerung mit einem Handspiel auf der Linie ins Elfmeterschießen rettete. Suárez kostete die Aktion wegen der Roten Karte die Teilnahme am Halbfinale, aber die Anerkennung, alles Erlaubte (sowie Unerlaubte) einzusetzen, war damit erarbeitet.

          Hatten beide nicht den besten Start ins Turnier: Cavani (vorne) und Suárez ärgerten sich über viele vergebene Chancen gegen Ägypten.
          Hatten beide nicht den besten Start ins Turnier: Cavani (vorne) und Suárez ärgerten sich über viele vergebene Chancen gegen Ägypten. : Bild: AP

          Die Beißattacke gegen den Italiener Chiellini vier Jahre später festigte diesen Ruf. Es ist das Einzige, was diesmal anders werden soll für Uruguay und Luis Suárez: Die WM soll für den Angreifer des FC Barcelona ohne Skandal zu Ende gehen, dafür aber möglichst vor Brasilien und Argentinien. Nach der durchwachsenen Auftaktpartie mit drei ausgelassenen Chancen ist Suárez klar, dass in seinem 100. Länderspiel eine Steigerung nötig ist: „Ich weiß, was ich der Mannschaft geben kann. Das habe ich offensichtlich nicht getan.“ In der Regel entscheidet Suárez auch erst später die großen Spiele. Auf die ein oder andere Art und Weise.

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