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Englands Torwarthoffnung : Sein Name: Pickford. Jordan Pickford

Klarer Fokus: Jordan Pickford will mit England ins Finale Bild: AP

England und die Torhüter, eine schier unendliche Leidensgeschichte. Jetzt feiert die Nation bei der Fußball-WM einen Mann, der Hoffnung weckt auch im Halbfinale gegen Kroatien.

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          Womöglich hätte die Geschichte von Jordan Pickford auch ganz anders weitergehen können. Als er am Samstag das Stadion von Samara verließ, trug er zwar die Trophäe für den „Man of the Match“ des Viertelfinals gegen Schweden, seine linke Hand aber war bandagiert. Eine Heldengeschichte war es nicht, die der englische Torhüter darüber zu erzählen hatte, eher die eines Heißsporns. Es sei eine „dumme Verletzung“, die er sich selbst zuzuschreiben habe, berichtete Pickford. Er habe aus Frust über irgendetwas auf den Boden schlagen wollen, aber sein Knie getroffen und sich dabei den Daumen verletzt.

          Das klang, als hätte die unrühmliche englische Torwarthistorie leicht um ein kurioses Kapitel bereichert werden können, nach „Calamity James“, dem wiederholt patzenden David James, nun ein Calamity Jordan, aber Pickford gab noch in Samara Entwarnung. Sein Einsatz gegen Kroatien an diesem Mittwoch (20 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und ZDF) im WM-Halbfinale sei nicht in Gefahr. „Ich bin ein Mann, keine Maus“, sagte er.

          So kann Pickford weiter an der „eigenen Geschichte“ dieser neuen und jungen englischen Nationalmannschaft schreiben, von der in diesen Tagen in Russland so oft die Rede ist. Es ist auch seine eigene, schließlich war das erste Gruppenspiel gegen Tunesien erst sein viertes Länderspiel – das erste Pflichtspiel für die „Three Lions“ überhaupt. Und auch wenn es noch etwas früh ist, das zu sagen: Vielleicht könnte es mit ihm sogar ein Happy End in der beinahe unendlichen Geschichte vom englischen Leiden an den eigenen Torhütern geben.

          Vergangenheit interessiert ihn nicht

          Nach dem Spiel gegen Schweden wurde Pickford von einem französischen Reporter zu den Witzen über englische Torhüter gefragt. Wenn er redet, muss man erst einmal genau hinhören. Sein nordenglischer Akzent aus der Umgebung von Sunderland ist für ungeübte Ohren kein ganz leichter Fall. Inhaltlich jedenfalls war Pickfords Antwort irgendwo zwischen trocken und humorlos. „Ich arbeite jeden Tag hart, damit ich an Spieltagen zeigen kann, was ich draufhabe.“ Auf diese alte Debatte hatte er also keine Lust.

          Fussball-WM 2018

          Warum auch. Es geht um ihn, um die Gegenwart und um die beinahe historische Chance, die sich den Engländern nun bietet mit der ersten Halbfinal-Teilnahme seit 1990. Die nächste Frage zielte dann auch gleich in diese historische Richtung. Wie er sich in den Fußstapfen von Gordon Banks und Peter Shilton fühle, den beiden anderen englischen Torhütern, die schon ein WM-Halbfinale erlebt haben. „Gut natürlich“, sagte Pickford. „Das ist doch das, worum es im Fußball geht, auf der großen Bühne zu stehen.“ Er genieße den Moment, sagte er und machte zugleich deutlich, dass er keine besondere Last spüre vor diesem großen Spiel. „Der Platz wird genauso sein wie immer, die Linien werden dieselben sein und die Tore genauso hoch.“ Unerschrocken ist der 24 Jahre alte Pickford bislang auch durch die WM gesprungen und geflogen.

          In Russland gehört er zu den besten Torhütern des Turniers. Seine Parade beim Schuss des Kolumbianers Mateus Uribe in der Nachspielzeit des Achtelfinales war die vielleicht spektakulärste der vergangenen vier Wochen – wurde allerdings schon im nächsten Moment ihrer Wirkung beraubt, als Yerry Mina nach dem folgenden Eckball doch noch ausglich. Für Pickford bedeutete es die nächste Herausforderung – und er meisterte sie mit einer weiteren exzellenten Parade im Elfmeterschießen gegen Carlos Bacca.

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