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Englands Torwarthoffnung : Sein Name: Pickford. Jordan Pickford

Erster englischer WM-Elfmeterheld

Spätestens jetzt war er bereits ein gefeierter englischer Held, schließlich war es das erste Elfmeterschießen, das die „Three Lions“ überhaupt bei einer WM gewannen, das Ende eines nationalen Traumas. Und auch wenn das folgende 2:0 gegen Schweden letztlich wie eine klare Sache wirkte – ohne drei Rettungstaten von Pickford hätte auch dieses Spiel einen anderen Verlauf nehmen können. „Er hat ein paar große Paraden in ganz wichtigen Momenten gezeigt“, sagte Trainer Gareth Southgate danach.

Überhaupt ist Pickford auch so eine Southgate-Geschichte – also eine darüber, wie der Trainer in den vergangenen 18 Monaten das Gesicht des englischen Fußballs verändert hat. Er kennt Pickford aus seiner Zeit als U21-Trainer, von der U16 an hat der Torhüter alle englischen Jugendteams durchlaufen. „Für mich“, sagte Southgate in Samara, „ist er ein Prototyp, wie moderne Torhüter sein sollten.“ Southgate bezog das vor allem auf Pickfords Fertigkeiten mit dem Fuß, seine Gabe, das Spiel aus der hintersten Position zu eröffnen, mit beinahe zentimetergenauen Pässen über den halben Platz.

Ungewohnte Rolle: Jordan Pickford ist Englands erster WM-Elfmeterheld

„Um so zu spielen, wie wir das wollen, brauchen wir einen Torhüter wie ihn.“ In der Premier League, sagte Southgate, seien noch einmal andere Fähigkeiten gefragt, dort würden mehr Flanken durch die Strafräume segeln. Sich auch in diesen Luftkämpfen durchzusetzen, hat Pickford in einer harten Schule gelernt. Bei unterklassigen Klubs, in denen keinerlei Rücksicht auf einen jungen Torhüter genommen wurde. „Ich habe eine Menge dabei gelernt, von ausgewachsenen Kerlen zugerichtet zu werden“, sagt er.

Mit acht Jahren schloss Pickford sich der Akademie des FC Sunderland an, unmittelbar in der Nähe seines Heimatorts Washington, 2011 unterschrieb er dort seinen ersten Profivertrag. Ein Platz im Tor seines Herzensklubs war aber lange nicht frei, es folgte Leihgeschäft über Leihgeschäft, Darlington, Alfreton, Burton, Carlisle, Bradford, Preston. Erst 2016 bekam er in Sunderland seine Chance, Pickford spielte stark, doch der Klub stieg in der folgenden Saison ab. Für 25 Millionen Pfund plus Bonuszahlungen, die höchste Summe, die bislang für einen britischen Torhüter bezahlt wurde, ging er zum FC Everton.

Jetzt, nur ein Jahre später, ist er der jüngste Torhüter der englischen WM-Historie – und mit 1,85 Metern der zweitkleinste. Nach dem 0:1 im letzten Gruppenspiel gegen die Belgier behauptete deren Schlussmann Thibaut Courtois, er hätte den Schuss gehalten, schließlich sei er zehn Zentimeter größer (in Wahrheit sind es sogar 14) und Pickford „zu viel damit beschäftigt gewesen, seine Beine in die Luft zu werfen“. Arsène Wenger, die Trainerlegende des FC Arsenal, sah in Pickford wegen dessen Unerfahrenheit gar einen Schwachpunkt und sagte, dass noch kein Team ohne mächtigen Torwart die WM gewonnen habe. Jetzt, nur zwei Spiele später, ist der Pokal zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder in englischer Sichtweite. Und Pickford: auf dem Sprung.

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