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Torjubel mit Doppeladler : Schweizer Sieg mit provozierender Geste

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Pure Emotion oder bewusste Provokation? Xhaka und Shaqiri jubeln mit dem albanischen Doppeladler über den Schweizer Sieg gegen Serbien. Bild: dpa

Pure Emotion oder bewusste Provokation? Die Schweizer Xhaka und Shaqiri bejubeln ihre Tore mit dem albanischen Doppeladler. Die Serben fühlen sich zudem benachteiligt und wollen Protest einlegen.

          Die ehemaligen Bundesliga-Profis Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri haben die Schweiz Richtung WM-Achtelfinale geschossen, doch ihr provozierender Torjubel am Freitagabend in Kaliningrad sorgte für große Diskussionen. Beide Profis mit kosovo-albanischen Wurzeln ahmten nach ihren Toren den doppelköpfigen Adler, das albanische Wappentier, mit ihren Händen nach. Teile der serbischen Fans werteten dies als Provokation.

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          In den Schweizer Medien war der Doppeladler-Jubel das bestimmende Thema. Für die Boulevard-Zeitung Blick ist der sportliche Erfolg mit einem großen „Makel“ behaftet. Sie bezeichnet die Geste als „unnötig und dumm“. Die Neue Zürcher Zeitung wirft dem Duo eine unterentwickelte „politische Sensibilität“ und mangelndes „gesellschaftliches Bewusstsein“ vor: „Sie befeuern damit eine Diskussion, die man für beendet oder zumindest für abgemildert hielt.“ Die Aargauer Zeitung prognostiziert, dass „die Diskussionen um Identität, um Herkunft und Heimat wieder neu entflammen.“

          Auch Trainer Vladimir Petkovic konnte seinen Unmut nicht verbergen. „Man soll den Sport und die Politik nicht vermischen. Der ganze Verband, das ganze Land vertritt schon seit Jahren die Meinung, dass wir das nicht brauchen“, kommentierte der Schweizer Coach nach dem 2:1 (0:1)-Sieg gegen Serbien die überflüssige Aktion.

          Beide Spieler verteidigten ihre Geste. „Die Leute haben es sehen können, das war aus der Emotion heraus“, sagte Shaqiri: „Es geht hier nicht um Politik, sondern um Fußball.“ Xhaka meinte im ZDF: „Die Geste war für die Leute, die mich immer unterstützt haben. Der Jubel war keine Message an den Gegner. Das waren Emotionen pur.“ Für ihn sei es „ein ganz spezielles Spiel“ gewesen, ergänzte der ehemalige Profi von Borussia Mönchengladbach: „Tausende Leute, Familie aus der Schweiz, aus Albanien, aus dem Kosovo haben zugesehen.“

          Nach der frühen serbischen Führung durch Aleksandar Mitrovic (5. Minute) hatten Xhaka (52.) und Shaqiri (90.) die mitreißende und brisante Partie noch zugunsten der Eidgenossen. Im letzten Spiel gegen Costa Rica genügt ihnen schon ein Remis, um das Achtelfinale zu erreichen.

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          Trotz der Niederlage kann auch Serbien in der Gruppe E die K.o.-Runde noch aus eigener Kraft erreichen. Dazu muss das Team von Mladen Krstajic allerdings Brasilien zum Vorrunden-Abschluss bezwingen. „Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Sie haben alles gegeben“, sagte der Serben-Trainer. „Brasilien war schon vor der WM Gruppen- und sogar Titelfavorit. Aber im Leben ist nichts unmöglich.“

          Der serbische Fußballverband FSS will sich aber offenbar beim Weltverband Fifa offiziell beschweren. Einen entsprechenden Bericht serbischer Medien bestätigte der FSS auf Anfrage. Details will der Verband im Laufe des Tages bekannt geben. Der Grund soll das nicht erfolgte Eingreifen der Video-Assistenten Felix Zwayer (Berlin) und Bastian Dankert (Rostock) nach einem vermeintlichen Foul im Strafraum an Stürmer Aleksandar Mitrovic (66.) sein. Schiedsrichter Felix Brych (München) hatte bei seinem ersten WM-Einsatz in dieser Szene auf Stürmerfoul entschieden. Es handelt sich somit um eine Tatsachenentscheidung, sodass ein Protest keine Aussichten auf Erfolg hat.

          „Wir werden nicht so leicht auf das Achtelfinale verzichten", sagte Savo Milosevic, Vizepräsident des FSS. „Das ist bei dieser WM die zweite Situation gegen uns. Ich weiß nicht, warum dann der Videoassistent installiert wurde", schimpfte Milosevic weiter: „Das ist skandalös."

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