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Südafrika vor der WM : Komplimente klingen anders

  • -Aktualisiert am

WM-Dämmerung: Warmmachen vor dem Eröffnungsspiel Bild: AFP

Am Freitag beginnt die Fußball-WM: Die südafrikanischen Gastgeber sind noch immer nicht über jeden Zweifel erhaben. Aber irgendwann muss auch einmal Schluss sein mit der Nörgelei, meint unser Afrika-Korrespondent Thomas Scheen.

          Gleich zwei frohe Botschaften ereilten den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma in den vergangenen 14 Tagen. Die eine war, dass er zum 21. Mal Vater wird, was der 67 Jahre alte Zulu für sich behielt, weil seine Promiskuität dem Land langsam peinlich ist. Für die Verkündung der zweiten Botschaft aber war er eigens ins Parlament nach Kapstadt geeilt: Südafrika, so Zuma, sei endgültig bereit für die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika.

          Es war zwar knapp, aber nicht zu knapp. Die Großbaustellen, an denen sich in den vergangenen beiden Jahren regelmäßig die Frage nach der WM-Befähigung des Landes entzündet hatte, sind allesamt fristgerecht fertiggestellt worden. Neben den zehn Fußballstadien ging es dabei um den Neubau des Flughafens von Durban und die Modernisierung der Flughäfen von Kapstadt und Johannesburg. Mittlerweile verfügen die drei größten Städte des Landes über einen funktionierenden Personennahverkehr, wenngleich die Schnellbusse in Johannesburg nur durch finanzielle Zuwendungen der Provinzbehörde an die Mafia der Taxibetreiber vor weiterem Beschuss bewahrt werden konnten. Selbst der Schnellzug Gautrain, eines der ehrgeizigsten Bauvorhaben Südafrikas, soll rechtzeitig zur Weltmeisterschaft den Dienst auf der Strecke vom internationalen Flughafen in das Johannesburger Geschäftsviertel Sandton aufnehmen.

          Der staatliche Energiekonzern Eskom wiederum, der das Land mit regelmäßigen Stromausfällen nervt, will für die Dauer des Turniers 42.000 Megawatt statt der üblichen 34.000 Megawatt zur Verfügung stellen. Den zusätzlichen Strom besorgt sich Eskom im Nachbarland Moçambique und hat bei gleicher Gelegenheit der Bergbauindustrie daheim die Lieferungen verknappt, um bloß nicht wieder als Spielverderber dazustehen.

          Die Ruhe vor dem Spiel: Im Soccer City Stadium wird die WM eröffnet

          Die Fifa hat schuften müssen

          Auf dem Papier sieht tatsächlich alles wunderbar aus, und wenn man dem Chef des nationalen Organisationskomitees, Danny Jordaan, glauben will, wird die WM am Kap ein größeres Spektakel als die in Deutschland. Das aber darf bezweifelt werden, das Problem liegt im Detail. Man muss dem Generalsekretär des Weltfußballverbandes (Fifa), Jérôme Valcke, schon sehr genau zuhören, um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Valcke redet gerne durch die Blume und versteckt sich dabei am liebsten hinter Deutschland 2006. Dann gerät der Franzose regelrecht ins Schwärmen und erzählt, wie wenig die Fifa sich damals um Infrastruktur und Transport kümmern musste, um Straßenbau oder Telekommunikation. Und wie professionell alles gelaufen sei.

          Mit anderen Worten: Die Fifa hat schuften müssen, um Südafrika fit für die WM zu machen. „Südafrika hat mittlerweile eine hochmoderne Infrastruktur. Nun muss sichergestellt werden, dass es auch Leute gibt, die mit dieser Infrastruktur umzugehen verstehen“, sagte Valcke unlängst in Johannesburg. Ein Kompliment klingt anders.

          Fehlender Transport

          Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die Sorgen bereiten. Die freiwilligen Helfer etwa, die als Ordner in den Stadien eingesetzt werden und nicht immer wissen, woraus ihre Aufgabe besteht; das Park-and-ride-System, das beim Konföderationen-Cup im vergangenen Jahr so schlecht organisiert war, dass manche Fans erst drei Stunden nach Spielende zurück zu ihren Autos gelangten. Es sind Fragen wie die nach den Rückflügen aus den kleineren Austragungsorten wie Polokwane, Nelspruit und Bloemfontein in die großen Städte, für die keine Sitzplatzreservierungen vorgenommen werden können und die in endlose Warterei auszuarten drohen.

          Es ist der fehlende Transport etwa in Polokwane, wo die Provinzregierung es schlicht verschlafen hatte, Busse für die heimischen Fans zu mieten. Und es ist nicht zuletzt die Skepsis gegenüber den schnell angeheuerten Frauen und Männern an den Sicherheitsschleusen, die mitunter darauf bestehen, den Gast beim Verlassen des Gebäudes noch einmal durch den Metalldetektor zu schicken und damit unfreiwillig demonstrieren, dass sie ihren Job nicht begriffen haben.

          Stadion-Chaos

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