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Südafrika vor der WM : Cup der guten Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Südafrika ist keine allzeit fröhlich tanzende Regenbogen-Nation, aber die Schauermärchen sind genauso realitätsfern Bild: REUTERS

Südafrika hat vor der Weltmeisterschaft vergeblich gegen sein Image von Chaos und Gewalt gekämpft. Die erste WM auf afrikanischem Boden sollte Scharen von Fans aus aller Welt ans Kap locken. Was lief schief?

          Bis vor kurzem war sie noch zu haben, die Weste. Anthrazitfarben, eher schlicht im Design, dafür "stichfest nach KR1-Standard gegen Klingen, Messer, Scherben". Stolze 69,95 Pfund kostete der "Nummer-eins-Personenschutz für die WM 2010 in Südafrika". Seit Mitte Mai nimmt der britische Onlineshop "Protektorvest" für den "exklusiven Fanartikel" jedoch keine Bestellung mehr an: Alles ausverkauft.

          Die Fifa-Reiseagentur "Match" bleibt auf ihrer Ware unterdessen sitzen: Ein Teil der bereits gebuchten Zimmer für WM-Gäste musste storniert werden, die voraussichtliche Zahl der ausländischen Besucher wurde fast wöchentlich herunterkorrigiert. Erhofft waren mal knapp 500 000, der aktuelle Stand liegt bei etwa 373 000.

          Die erste WM auf afrikanischem Boden sollte Scharen von Fans aus aller Welt ans Kap locken, Land und Kontinent als sichere und sympathische Destination präsentieren. Was lief schief?

          Nicht überall ist Township: Drei kleine Fans in der Nähe des Hotels der Nationalmannschaft von Paraguay

          "Das kann ich Ihnen gerne sagen!" Die Faust von Deon Meyer donnert auf den Kneipentisch im Weinstädtchen Franschhoek, eine Autostunde östlich von Kapstadt. "Die haben uns einfach total unfair behandelt!" Meyer, Hüne, Bure, Vollbart, schnauft noch einmal geräuschvoll, dann lächelt er entschuldigend: "Tut mir leid, dass ich laut werde. Aber diese Leute machen mich so was von wütend!"

          Diese Leute - damit meint Meyer, Ex-Polizeireporter und erfolgreichster Krimiautor Südafrikas, die internationale Presse. Mit der hatte der 52-Jährige in den letzten Monaten viel zu tun, auf Lesereisen durch Europa oder beim Literaturfestival in den Weinbergen des Westkaps. Er trifft dann auf Reporter, die ihn mit mitfühlender Miene fragten, wie man es eigentlich schaffe, in einem so gefährlichen Land wie Südafrika zu überleben. Oder auf Fernsehteams wie jenes aus Frankreich, das ihn vor laufender Kamera ins Kreuzverhör nahm, damit er wenigstens ein kleines bisschen über die hohen Verbrechensraten seines Landes jammere. "Ich kann das nicht mehr hören!", ruft Meyer. "Wieso interessiert sich denn niemand für die Verbrechen, die an Touristen begangen werden? Da ist unsere Rate genauso niedrig wie von Großbritannien! Aber darüber schreibt keiner!"

          Stimmt. Wer derzeit Berichte über Südafrika hört, sieht oder liest, dem begegnen vor allem zwei Zahlen: 18 148 und 50. Die erste Zahl steht für die landesweite Anzahl der Morde zwischen April 2008 und März 2009. Die zweite für die Mordrate pro Tag, gern wird ihr ein schauderndes "eine der höchsten der Welt" angehängt. Wer dazu noch Bilder aus einer armen Township stellt, ein paar bluttriefende Meldungen aus der Johannesburger "Daily Sun" zitiert und abschließend darauf hinweist, dass die WM dem Land sowieso nichts bringe, weil daran nur große Firmen und nicht der kleine Mann verdienten - der hat sie schnell beisammen, die typische Südafrika-vor-der-WM-Story. "Bedenkt man zudem den starken Rand und die Rezession", fasste kürzlich ein südafrikanischer Hotelmanager die Lage zusammen, "erstaunt es nicht, dass Südafrika das Land ist, um das Touristen dieses Jahr einen großen Bogen machen."

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