https://www.faz.net/-gtl-9bsey

Uruguays Superstars : Die letzte Chance für Cavani und Suárez

  • -Aktualisiert am

„Anfangen, wieder mal Geschichte zu schreiben“: Uruguay baut auf den richtigen Biss von Torjäger Luis Suárez. Bild: AP

Edinson Cavani und Luis Suárez stehen im Kluballtag immer ein wenig im Schatten. Dem uruguayischen Nationalteam verleihen sie in Russland Glanz. Heute abend treten sie gegen Portugal an.

          Daheim hat es Edinson Cavani nicht immer leicht. Seine Kinder wissen, er ist ein guter Fußballspieler, aber sie haben auch andere Idole. Zum Beispiel, den Ägypter Mohamed Salah. „Sie finden, er ist ein Star“, erzählte Cavani zuletzt. Deshalb hat er sich auch im Spiel gegen die Nordafrikaner das Trikot des Kollegen geschnappt.

          Fussball-WM 2018

          Vielleicht finden Cavanis Kinder ja auch, dass Cristiano Ronaldo ein Top-Mann ist, und möglicherweise schafft es Papa, an diesem Samstag (20.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und in der ARD), auch dessen Shirt zu ergattern. Aber zuerst hat er eine andere Aufgabe: Auf ihm und Sturmpartner Luis Suárez ruhen die Hoffnungen, dass Uruguay mit einem Sieg gegen Europameister Portugal das Viertelfinale dieser WM erreicht.

          „Wir können so langsam anfangen, wieder mal Geschichte zu schreiben“, sagte Suárez. Ein klein wenig gelang dies Uruguay bereits. Denn zum ersten Mal haben die Celeste, die Himmelblauen, wie sie genannt werden, die Gruppenphase mit drei Siegen abgeschlossen und außerdem erstmals seit 1998 kein Gegentor kassiert.

          Prunk ist die Defensive, aber die Stars sind die Stürmer

          Das Herzstück der südamerikanischen Mannschaft ist zwar Abwehrchef Diego Godín von Atlético Madrid, aber die beiden Stürmer verleihen der Elf den Glanz. In ihren Vereinen stehen sie immer ein wenig im Schatten: Suárez rangiert beim FC Barcelona eine Stufe unter Lionel Messi, Cavani erreicht bei Paris St-Germain aktuell nicht die Bedeutung Neymars, zuvor war er in den Augen der Fans Zlatan Ibrahimović nicht ebenbürtig. Aber in der uruguayischen Nationalmannschaft sind sie Ausnahmekönner. Und sie haben etwas gutzumachen.

          Cavani sollte nach dem Rücktritt des großen Diego Forlán die Celeste in der Copa América 2015 führen, aber er schaffte es nicht, die Rolle erfolgreich auszufüllen. Uruguay scheiterte im Viertelfinale. Und Suárez hatte mit seinem vom Schiedsrichter unbemerkten Biss in die Schulter des Italieners Giorgio Chiellini bei der WM vor vier Jahren zwar Anteil an der Achtelfinal-Qualifikation seiner Mannschaft, aber er wurde anschließend von der Fifa für vier Monaten von allen Fußball-Aktivitäten ausgeschlossen. Ohne ihn scheiterte Uruguay eine Runde später an Kolumbien. „Ich habe gelitten. Es war einer der schwierigsten Tage meines Lebens“, sagte er später reumütig.

          Unvergessen: Luis Suárez biss Giorgio Chiellini bei der WM 2014 in die Schulter. Der Italiener zeigt uns die Spuren.

          Die Biss-Attacke war nicht die erste Unsportlichkeit, die sich Suárez leistete. Die Liste seiner Vergehen ist lang. 2003 erlaubte er sich einen Kopfstoß gegen einen Schiedsrichter, 2007 prügelte er sich mit einem Teamkollegen, und 2011 fiel er mit der rassistischen Beleidigung eines Gegenspielers unangenehm auf. Privat, so heißt es, soll Suárez dagegen sehr umgänglich sein – und ein liebevoller Familienvater. Gleich zu WM-Beginn erlitt er allerdings einen Rückfall: Im Auftaktspiel griff er seinem ägyptischen Gegenspieler Ahmed Hegazy in den Unterleib.

          Cavani kann alles, Suárez vor allem den Torabschluss

          Cavani und Suárez sind beide 31 Jahre alt und es ist vielleicht die letzte Chance für das ungleiche Duo, mit der Nationalmannschaft noch einen großen Titel zu holen. Während Suárez vor allem eiskalt vor dem Tor agiert, ist Cavani überall auf dem Platz zu finden, selbst in der Defensive hilft er manchmal aus. Er ist erste Anspielstation für die langen Bälle aus der Abwehr und gefährlicher Freistoß- und Distanzschütze. Er trifft mit links wie rechts, mit dem Kopf und manchmal auch spektakulär im Fallen. „Ich sage immer, ich bin ein Fußball-Arbeiter“, findet der tief religiöse Cavani, der kürzlich Ibrahimović als Rekordtorschütze in Paris ablöste.

          Passt nicht so ganz zu seinem wunderschönen Aussehen, aber Cavani selbst will sich mehr als Fußballarbeiter, denn als Ästhet verstanden wissen.

          In den ersten beiden Partien, als Uruguay jeweils mit Mühe 1:0 gegen Ägypten und Saudi-Arabien gewann, ließ das Zusammenspiel zwischen den beiden noch zu wünschen übrig. Suárez, weiß Trainer Óscar Tabárez, spiele manchmal nicht überragend. „Aber er ist so stark, dass immer Hoffnung vorhanden ist, dass er dem Team etwas gibt.“ So wie in der schwierigen Partie gegen Saudi-Arabien, als er das Siegtor erzielte. Beim 3:0 gegen Russland lief es schon besser, für die ganze Mannschaft sowie für die beiden Stürmer. Nach Suárez traf auch Cavani, damit sind sie jetzt die beiden einzigen Uruguayer, die bei drei Weltmeisterschaften jeweils mindestens ein Tor erzielt haben.

          „Wir haben noch nicht so gespielt, wie wir es können“, räumte Suárez ein. Aber das Ziel sei es ja auch gewesen, nicht schon zu Beginn des Turniers in Höchstform zu sein, sondern, „uns von Spiel zu Spiel zu steigern“. So gesehen, ist Uruguay vor dem Achtelfinal-Duell mit Portugal und Cristiano Ronaldo voll im Plan.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.