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Fußball-WM-Vergaben : Beckenbauer gerät immer stärker unter Druck

Damals in Doha: Bin Hammam (l.) und Beckenbauer im Jahr 2000 Bild: dpa

Die Kritik an Franz Beckenbauer wegen seiner undurchsichtigen Rolle im Fall Qatar und wegen Geschäftsverbindungen zu WM-Ausrichtern wird immer stärker. Nun werden auch Rufe nach Strafen laut.

          Die Rolle von Franz Beckenbauer bei der umstrittenen Weltmeisterschaftsvergabe an Qatar und seine Geschäftsbeziehungen zu den Ausrichtern der kommenden Fußball-Weltmeisterschaften gerät immer stärker in die Kritik. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat der Chefermittler des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Michael Garcia, innerhalb seiner Untersuchung zum korruptionsverdächtigen WM-Zuschlag an das Emirat Qatar auch Franz Beckenbauer um eine ausführliche Stellungnahme gebeten.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die britische Zeitung „The Telegraph“ will zudem erfahren haben, dass Beckenbauer ebendiese Stellungnahme verweigert habe. Er sei seit seinem Ausscheiden aus der Exekutive der Fifa im Juni 2011 nicht mehr im Fußball tätig und könne daher nicht zur Aussage gezwungen werden, zitiert die Londoner Zeitung Beckenbauer. Das deutsche Fußballidol, Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1974, Teamchef der Weltmeister von 1990, gehörte zum Zeitpunkt der WM-Auswahl im Dezember 2010 noch dem Fifa-Vorstand an und stimmte in dieser Funktion bei der Wahl der WM-Ausrichter für 2018 und 2022 ab. Die Turniere wurden nach Russland und Qatar vergeben, am Wochenende forderten die Fifa-Sponsoren Sony und Adidas Aufklärung über die korruptionsverdächtige Abstimmung.

          „Sonderberater“ Beckenbauer

          Vier Vertreter aus dem europäischen Fußball müssen damals für die Bewerbung der Qatarer gestimmt haben, die sich im Fifa-Vorstand mit 14:8-Stimmen durchsetzen konnten. Anders als der Präsident der Europäischen Fußball-Union, Michael Platini, hat Beckenbauer bisher nicht gesagt, ob er für Qatar votierte oder nicht.

          Das macht ihn für Kritiker nun verdächtig. Der Nordire Jim Boyce, Vize-Präsident der Fifa, sagte dem „Telegraph“: „Mir wurde gesagt, Michael Garcia habe einige Leute befragen wollen und diese hätten die Kooperation verweigert. Sollte jemand die Kooperation bei dieser Untersuchung verweigert haben, würde ich es unterstützen, wenn diese Leute namentlich genannt und sanktioniert würden.“ Fifa-Exekutivmitglied Theo Zwanziger schließt eine Untersuchung der Fifa-Ethikkommission gegen Beckenbauer nicht aus. „Wenn man das Ethikreglement liest, wird man zu Punkten kommen, wo man Fragen stellen kann“, sagte er am Montag in São Paulo.

          Beckenbauer hat bei der Fifa kein Amt mehr inne, ist aber wie der Brasilianer Pelé „Sonderberater“ der Fußballkommission der Fifa, die sich „mit Fragen des Fussballs, insbesondere mit seiner Struktur und der Beziehung zwischen Klubs, Ligen, Mitgliedern, Konföderationen und der Fifa“ beschäftigt. Beckenbauer wurde 1984 mit dem „Fifa Verdienstorden“ und im Jahr 2012 von Fifa-Präsident Blatter mit dem „Fifa Presidential Award“ ausgezeichnet, für „seine großen Verdienste für die schönste aller Sportarten“, wie es auf der Homepage des Fußball-Weltverbandes heißt.

          Besuche in Qatar

          Die Berichte vom Pfingstwochenende machen allerdings deutlich, dass Beckenbauer seine Verdienste nicht nur aus dem Fußball zieht. Die englische Zeitung „Sunday Times“ hatte am Wochenende darüber berichtet, dass Beckenbauer vor und nach dem Zuschlag für Qatar geschäftlich im Emirat am Persischen Golf gewesen sei. So sei Beckenbauer im Oktober 2009 auf Einladung des inzwischen lebenslang gesperrten qatarischen Fußballfunktionärs Mohamed bin Hammam und auf Vermittlung seines Freundes Fedor Radmann in Qatar gewesen. Radmann war zu diesem Zeitpunkt als Lobbyist der letztlich unterlegenen australischen Bewerbung tätig, bislang war angenommen worden, Beckenbauer habe deshalb für Australien gestimmt.

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