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Faeser mit Armbinde im Stadion : Wird aus „One Love“ jetzt ein politischer Streit?

Innenministerin Nancy Faeser beim Spiel zwischen Deutschland und Japan in Qatar Bild: dpa

Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser trägt in Qatar beim deutschen WM-Auftaktspiel auf der Tribüne die von der FIFA auf dem Rasen verbotene Kapitänsbinde. Vor den Augen der Welt.

          2 Min.

          In der 24. Spielminute setzt sich die deutsche Innenministerin in Szene. Es steht noch 0:0 im Khalifa International Stadium in Doha, als auf Nancy Faesers Twitterkanal ein neues Foto erscheint. Sie will, dass die Welt sieht, wie sie dieses WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft im Stadion anschaut: mit „One Love“-Binde am Arm.

          Fußball-WM 2022
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Und wenn man in diesem Moment sieht, dass die deutsche Innenministerin mit der Binde im Stadion steht (und später auch sitzt, direkt neben FIFA-Präsident Gianni Infantino), die der deutsche Kapitän dort an diesem Tag nicht tragen durfte, muss man sagen: Spätestens da hat der sportpolitische Streit zwischen dem Fußball-Weltverband FIFA und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) sowie seinen verbündeten Verbänden, der in der ersten WM-Woche eskalierte, die sportpolitische Ebene verlassen. Und könnte sich unter Umständen in einen politischen Streit entwickeln.

          Mit Regenbogen in Qatar nicht willkommen

          Am Mittwochmorgen setzte Faeser nämlich schon das erste Statement. Sie sprach in der Innenstadt Dohas den Fall eines deutschen Fans an, dem eine Armbinde und ein Schweißband in Regenbogenfarben abgenommen worden sind. „Das enttäuscht mich sehr“, sagte sie. „Das ist nicht mein Verständnis von Sicherheitsgarantien, die mir der Innenminister gegeben hat.“ Solche Sicherheitsgarantien soll ihr Scheich Khalid bin Khalifa bin Ab­dulaziz Al Thani, Premier- und Innenminister Qatars, gegeben haben.

          Als sie ihn vor wenigen Wochen getroffen hat, sagte sie danach, dass jeder sicher sei: „Egal woher er kommt, egal an wen er glaubt, egal wen er liebt.“ Der Hintergrund: In Qatar ist Homosexualität per Gesetz verboten.

          In der Innenstadt sprach nicht nur Nancy Faeser, sondern auch Bernd Neuendorf, der Präsident des DFB. Er erinnerte an Worte des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, wonach „jeder“ in Qatar willkommen sei. Mit Blick auf mehrere Meldungen, wonach Fans mit Regenbogenfarben nicht ins Stadion durften, sagte er: „Das ist für uns kein Zeichen des Willkommens.“

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          Später, als Faeser und Neuendorf schon im Stadion sind, sieht man dann, wie die deutsche Mannschaft die Debatte um die Kapitänsbinde kommentiert. Als sich die Spieler vor dem Anpfiff für das vorgeschriebene Foto aufstellen, halten sie sich ihre Hände vor den Mund. Sie wollen wohl sagen, dass ihnen durch die FIFA, der mit Strafen drohte, der Mund verboten worden ist. Kurz danach erscheint auf dem Twitterkanal des DFB-Teams ein Foto der Aktion – mit dem Bildtext: „Auch ohne Binde. Unsere Haltung steht.“

          Es steht noch nicht fest, wie diese Debatte um weitergehen wird, eines dafür aber schon: Die Wolke, die dadurch über der deutschen Mannschaft hängt, ist durch das 1:2 noch deutlich dunkler geworden.

          Fussball-WM 2022

          Dänemark raus aus der FIFA?

          Der dänische Fußball-Verband DBU erwägt einen Austritt aus der FIFA, dem Internationalen Fußball-Verband. DBU-Direktor Jakob Jensen sagte am Mittwoch in Doha, nach der Sanktionsandrohung für Mannschaftskapitäne, die in Qatar während der Weltmeisterschaft mit der „One Love“-Binde auflaufen wollten, gehe es dem dänischen Verband darum, einen Austritt aus dem Weltverband mit anderen 55 europäischen Verbänden zu besprechen. „Es ist keine Entscheidung darüber getroffen. Wir waren dazu sehr klar und diskutieren das bereits seit August in der nordischen Region. Ich habe darüber jetzt wieder nachgedacht. Vermutlich gäbe es Schwierigkeiten, wenn Dänemark allein austritt. Aber schauen wir mal, ob wir darüber nicht in einen Dialog kommen.“ Laut Jensen werde die DBU, wie der Deutsche Fußball-Bund, FIFA-Präsident Gianni Infantino die Unterstützung bei dessen Wiederwahl im März 2023 verweigern. (chwb.)

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