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Fußball-WM in Russland : Die Schlachtfelder des Wladimir Putin

Ballbesitz Wladimir Putin (links): Der russische Staatspräsident nutzt den Doppelpass mit Fifa-Präsident Gianni Infantino Bild: AFP

Seit der WM 1978 in Argentinien war kein großes Fußballturnier politisch so umstritten wie das in Russland. Den Kreml stört es erstaunlicherweise aber nicht, wenn er keinen hohen Besuch aus dem Westen bekommt.

          7 Min.

          An jenem Abend im Dezember 2010, an dem Russland den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bekam, hat Wladimir Putin beim Welt-Fußballverband (Fifa) in Zürich einen triumphalen Auftritt erlebt. Dabei wurde ihm eine Frage gestellt, auf die er erkennbar gerne antwortete: „Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?“ Unter den Gründen für die Entscheidung der Fifa zugunsten Russlands nannte er einen, den sich Kritiker des russischen Präsidenten wie der Fifa auf der Zunge zergehen lassen können: „Wenn sie eine solche Entscheidung fällen, denken die Mitglieder der Fifa daran, in welchem politischen Zustand sich ein Land befindet.“

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Der politische Zustand Russlands wenige Tage vor Beginn der Weltmeisterschaft sieht so aus: Es gibt keine Wahlen, die als frei und fair bezeichnet werden können, elementare Menschenrechte werden willkürlich mal gewährt, mal verwehrt, prominente Gegner der Regierung sind in Haft, in den staatlichen Medien wird gegen Kritiker in einer geradezu gewaltsamen Sprache gehetzt. Korruption durchzieht das politische System auf allen Ebenen – sie ist zugleich sein Antriebsmittel und sein Kitt. So ähnlich war das auch 2010 schon. Aber das hat damals weder die Fifa davon abgehalten, die WM nach Russland zu vergeben, noch hinderte es Putin daran, von selbst auf die Verbindung zwischen Sport und Politik zu sprechen zu kommen – während heute Fußballfunktionäre und russische Offizielle bei jeder Gelegenheit gebetsmühlenartig wiederholen, Sport und Politik sollten doch voneinander getrennt werden.

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