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Fifa-Präsident bei der WM : Warum taucht Blatter ab?

  • Aktualisiert am

Keine Bilder, bitte: Joseph Blatter gibt sich bei der WM medienscheu Bild: AP

Joseph Blatter ist bei der WM erstaunlich medienscheu. Gibt es womöglich eine Anweisung, den Präsidenten nicht im TV zu zeigen, weil die Fifa eine verheerende Reaktion wie beim Confederations Cup 2013 fürchtet?

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          Ganz kurz war Joseph Blatter zu sehen. Ein paar Sekunden, wenn überhaupt. Als der Fifa-Präsident merkte, dass sein Konterfei auf der riesigen Video-Leinwand in der Arena Pernambuco in Recife erschien, wirkte es, als zucke er erschrocken zusammen. Und schon sahen die Fernsehzuschauer in aller Welt vor dem Umschnitt auf das WM-Spiel zwischen Costa Rica und Griechenland wieder jubelnde Fans. Man kann dem Präsidenten des Internationalen Fußball-Verbands viele Vorwürfe machen, aber nicht den, dass er bei der WM in Brasilien ins Scheinwerferlicht drängt.

          Die Medienscheu des mächtigsten Fußballfunktionärs der Welt beim Turnier am Zuckerhut ist so auffällig, dass sie Fragen aufwirft. Am Montag war der 78-Jährige als Besucher des „Football for Hope“-Zentrums in Caju im Norden Rios angekündigt, solch einen sozialen Termin lässt er sich nicht nehmen. Ansonsten war er Gastredner vor den WM-Schiedsrichtern und bei einem Kongress von Studenten eines Fifa-Master-Studiengangs – das war es schon.



          Warum taucht Blatter ab? Noch vor der WM hatte er in einer Medienoffensive bis zum Fifa-Kongress von São Paulo jede Chance genutzt, seinen Optimismus auszudrücken und die Ankündigung für seine Kandidatur zur angestrebten Wiederwahl im Mai 2015 vorzubereiten. Mit dem Anpfiff war Schluss damit. Wer wissen will, was Blatter bewegt, muss ihm auf Twitter folgen. Dort lässt der Schweizer von seinem Stab alle schönen, traurigen und belanglosen Neuigkeiten der Fußball-Welt in kurzer Form veröffentlichen.

          Sei es zum Torrekord von Miroslav Klose, zum Karriereende von Ottmar Hitzfeld oder seinem Handshake mit Basketball-Star Kobe Bryant: „Fantastisch, ihn zu treffen.“ Nun ist es nicht so, als verfolge der Schweizer die WM vom Hotelzimmer aus. In Brasilien war er bei weit mehr als einem Dutzend Spiele und mindestens einmal in jedem der zwölf Spielorte. Auch das Treffen mit Angela Merkel in Salvador beim deutschen Auftaktspiel ist so dokumentiert.

          Der Fifa-Präsident beim Spiel Deutschland gegen Portugal neben Bundeskanzlerin Angela Merkel

          Gemeinsame TV-Bilder der Sitznachbarn auf der Tribüne der Arena Fonte Nova gab es allerdings nicht. Die Regie zeigte nur die deutsche Kanzlerin rechts neben dem Fifa-Boss. Verdächtig, meinten viele Blatter-Kenner. Eine Anweisung, Blatter nicht zu zeigen, gebe es nicht, versicherte der Weltverband. Doch welcher Regisseur des Fifa-TV-Partners HBS sollte auf einen Kamera-Schuss auf den Präsidenten samt deutscher Regierungschefin verzichten? Zumal Blatter bei der WM in Südafrika bei jedem Stadionbesuch telegen präsentiert wurde.

          Es ist offensichtlich: Beim Confederations Cup vor einem Jahr war die Reaktion der Fans in Brasilien auf Bilder von Blatter und Staatschefin Dilma Rousseff verheerend für beide. Eine Wiederholung soll nun bis zum Schluss unbedingt vermieden werden. Aus diesem Grund verzichtete das Präsidenten-Duo auch auf die traditionelle Eröffnungsrede vor dem Auftaktspiel. Rousseff aber wird am 13. Juli nach dem Finale den Siegerpokal überreichen. Das gab sie am Montag bekannt. Diesen Auftritt mit dem künftigen Weltmeister will sich auch Blatter mit Sicherheit nicht nehmen lassen.

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