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WM-Ticketskandal : Fifa-Partner erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

  • Aktualisiert am

Heiß begehrt - nicht nur bei Fans: WM-Tickets Bild: dpa

Mit harscher Kritik an den brasilianischen Behörden reagiert Fifa-Partner Match Services auf die Vorwürfe gegen seinen Geschäftsführer. Die Festnahme sei illegal, die Vorwürfe haltlos. Zudem habe die Polizei nur ein „minimales Verständnis“ von der Materie.

          In dem Skandal um illegalen Handel mit exklusiven WM-Tickets hat der Fifa -Vertragspartner Match Services schwere Vorwürfe gegen die brasilianische Polizei erhoben. Seinen Geschäftsführer Ray Whelan verteidigte das Unternehmen gegen jeden Vorwurf. „Die Festnahme von Herrn Whelan war willkürlich und illegal“, hieß es in einem Statement des Schweizer Unternehmens am Mittwoch. Gesetzeswidrig sei auch auch die Weitergabe abgehörter Privatgespräche an die Medien, bei denen Whelan mit dem mutmaßlichen Kopf der Schieberbande, dem Algerier Lamine Fofana, über die vermeintlichen Ticket-Geschäfte sprach.

          Der 64 Jahre alte britische Topmanager Whelan war am Montag im Zuge der groß angelegten Ermittlungsaktion „Jules Rimet“ festgenommen und nach einer Nacht in Polizeigewahrsam wieder freigelassen worden. Laut Match Services sind die Vorwürfe haltlos. Whelan habe versucht, ein nicht verkauftes Ticketkontingent von Match Hospitality zu regulären Bedingungen zu veräußern. Unter anderem sendete der „TV Globo“ exklusiv Teile der Originalmitschnitte eines Telefonates, bei dem Whelan und Fofana über Tickets und Preise sprachen.

          Dass Match Hospitality den möglichen Käufer Fofana für Geschäfte gesperrt habe, sei Whelan nicht bekanntgewesen. Fofana wurde vergangene Woche als einer von elf Verdächtigen festgenommen. Er ist Chef der Firma Atlanta Sportif Management, mit der Match Services mehrere Ticketdeals abschloss. Die Polizei hatte 900 Telefonate zwischen Fofana und Whelan seit WM-Beginn registriert. Die Fifa hatte ihre Telefonliste mit den Daten von Whelan den Behörden zur Verfügung gestellt. Seine WM-Akkreditierung habe Whelan zurückgegeben, hieß es von Match. Dies sei kein Schuldeingeständnis, sondern geschehe zum Schutz seines Arbeitgebers, der Fifa und der WM.

          Die Fifa hatte sich zu der Thematik in den vergangenen Tagen mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht geäußert. Der Fußball-Weltverband unterhält seit mehreren Jahren enge Geschäftsbeziehungen zu seinem Vertriebspartner. Eine Reaktion der Polizei zu den Vorwürfen von Match Services stand vorerst noch aus. Die klaren Worte dürften aber nicht ohne Reaktion bleiben.

          „Minimales Verständnis“ von den Praktiken

          So warf Match Services den Ermittlern im 18. Polizeibezirk von Rio de Janeiro unter anderem vor, nur ein „minimales Verständnis“ von den Geschäftspraktiken von Match Services und Match Hospitality bei der Vermarktung von exklusiven WM-Pauschalangeboten zu haben. In Whelans Suite im Copacabana Palace waren bei seiner Festnahme unter anderem 83 Tickets, ein Computer und persönliche Unterlagen beschlagnahmt worden.

          Die Eintrittskarten seien in der Mehrzahl von vergangenen Spielen und zu Erinnerungszwecken aufgehoben worden, hieß es von Match Services. Als eines seiner Hauptziele beschreibt Match Services auf seiner Homepage eine „effiziente und service-orientierte“ Organisation zur „Umsetzung eines transparenten, fairen und gleichberechtigten Ticket-Verkaufsprozesses“. Nach Polizeiangaben sollen durch illegale Ticket-Schiebereien pro Spiel bis zu zwei Millionen Reais (666.000 Euro) umgesetzt worden sein.

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