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Fifa-Kongress : Ligapräsident Rauball: Blatter muss den Weg frei machen

  • -Aktualisiert am

Umstrittener Fifa-Chef Blatter: Wann tritt er endgültig ab? Bild: AFP

Genug ist genug: Europas Fußballfunktionäre wollen nicht, dass Fifa-Präsident Joseph Blatter 2015 noch einmal antritt. Hinter den Kulissen kracht es. Ein Deutscher wird besonders deutlich.

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          Die Front europäischer Fußballfunktionäre, die sich für eine Ablösung  Joseph Blatters als Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) einsetzen, wird immer massiver. Nun hat auch der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball nachgelegt. „Joseph Blatter ist nun mal die Figur, welche die Fifa bisher optisch alleine vertreten hat. Da ist es nicht verwunderlich, dass ihn jetzt die geballte Kritik trifft“, sagte Rauball FAZ.NET am Dienstagabend nach der Eröffnung des Fifa-Kongresses in Sao Paulo. „Es gibt bei der Fifa zwar eine Reihe von Reformen, die nach innen wirken. Diese Veränderungen haben aber nicht den Bereich erreicht, der für die Öffentlichkeit von Belang ist.“ Mit anderen Worten heißt das: Blatter muss den Weg frei machen, damit der Fifa ein echter Neubeginn gelingt.

          Der seit 1998 amtierende Präsident hatte beim Festakt des Kongresses, an dem zwei Tage lang alle 209 Mitgliedsverbände der Fifa teilnehmen, den Krach hinter den Kulissen nicht angesprochen. Er machte nur Andeutungen zu „Diskussionen“ und „Problemen“, über die aber nicht jetzt, sondern später gesprochen werden sollte.

          Blatter liegt 40 Jahre daneben

          Der 78 Jahre alte Blatter ließ bei der Eröffnung der Verbandstages zwar hier und da wieder seinen altbekannten Charme spielen, aber wirkte auch zeitweise fahrig. So sagte er in seinem Vortrag, dass das WM-Turnier nun wieder nach 1990 zu den Brasilianern zurückkehren würde. Er lag 40 Jahre daneben: Zuletzt fand 1950 eine WM-Endrunde in Brasilien statt.

          Der nicht anwesenden Staatspräsidentin Dilma Rousseff versprach Blatter für die nächsten Wochen die „großartigste Show der Welt“. Zugleich bemühte der umstrittene Schweizer das alte Sportfunktionärsvokabular und spielte dabei auf die Proteste auf den Straßen an. „Wir hegen alle den Wunsch, dass die Auseinandersetzungen während der WM und dann auch für immer unterbrochen werden. Dann könnte der Fußball zeigen, dass er Brücken bauen kann“, sagte Blatter. Ob er wohl selbst daran glaubt?

          Abfuhr von den Europäern

          Vor Kongressbeginn hatte sich der Fifa-Chef bei Gesprächen mit den Vertretern des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa) eine Abfuhr geholt. Sie traten ihm offen entgegen und forderten ihn auf, bei der Präsidentenwahl im nächsten Mai nicht noch einmal anzutreten. Es wäre seine fünfte Amtsperiode. Der niederländische Verbandschef Michael van Praag fand besonders deutliche Worte. „Das ist nicht persönlich, aber wenn man den Ruf der Fifa in den letzten sieben Jahren sieht, verbinden die Menschen die Fifa mit Korruption und Bestechung. Die Fifa hat einen exekutiven Präsidenten und das bedeutet, dass dieser verantwortlich ist“, sagte van Praag.

          Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, wies darauf hin, dass Blatter schon 2011 versprochen hätte, dass dies seine letzte Amtsperiode sein wird. „Wir waren klar von einem Stabwechsel 2015 ausgegangen“, sagte Niersbach. Auch sein englischer Kollege Greg Dyke rügte Blatter vor den anderen europäischen Delegierten für dessen Rassismus-Vorwurf gegen britische Medien im Zuge der Diskussion um die korruptionsverdächtige Qatar-WM 2022.

          Wer soll Blatter ablösen?

          Der frühere Uefa-Präsident Lennart Johansson, der gegen Blatter bei der Fifa-Wahl 1998 verloren hatte, sprach sich für eine Kandidatur von Michel Platini aus. Doch der Uefa-Chef hält sich bislang bedeckt. Einziger Funktionär, der sein Interesse für die Kandidatur bisher angekündigt hat, ist der ehemalige stellvertretende Fifa-Generalsekretär Jerome Champagne, ein früherer französischer Diplomat. Er setzt sich für eine Erneuerung der Fifa ein und hat dafür einen umfangreichen Katalog entwickelt.

          Ligapräsident Rauball ist derweil nicht sicher, ob die Konfrontation nachhaltigen Erfolg bringen wird und Blatter wirklich auf der Kippe steht. So verfügen die Uefa-Vertreter auch nur über 54 von 209 Voten. „Das ist die Stimmung bei den Europäern. Ob das durchgängig ist, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube aber nicht“, sagte Rauball. Er hatte Blatter schon 2012 in einem persönlichen Telefonat zum Rücktritt aufgefordert. Dieser will nun aber beim Kongress an diesem Mittwoch seine Kandidatur für 2015 ankündigen.

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