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Weltmeisterschaft in Russland : Infantino preist die „beste WM, die es je gab“

Alles super! Fifa-Präsident Infantino lobt „seine“ WM Bild: dpa

Selbstdarstellung im Volunteers-Outfit: Der Fifa-Präsident lobt die Gastgeber der Fußball-WM und umdribbelt bei seiner Bilanz politische Fragen.

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          Gianni Infantino trug eine rote Kapuzenjacke, als er am Freitagmittag zur Bilanz- und Abschlusspressekonferenz im Luschniki-Stadion erschien. Er wollte ein Zeichen des Dankes an die Volunteers, die freiwilligen Helfer setzen. In seiner roten Volunteers-Jacke konnte sich Infantino auch noch einmal selbst als Diener des Spiels in Szene setzen. Der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) machte einen höchst aufgeräumten und zufriedenen Eindruck, als er sich bei den Menschen in Russland, der Regierung, Präsident Putin, dem russischen Verband und den Organisatoren bedankte für „die beste Weltmeisterschaft, die es je gab“.

          Er habe das ja schon vorher in Aussicht gestellt, erinnerte Infantino. Aber nun, nach den viereinhalb Wochen in Russland – mit tatsächlich heiterer WM-Stimmung und hervorragender Organisation –, könne er das „mit noch größerer Überzeugung“ sagen.

          Es ging Infantino dabei zunächst weniger um die üblichen Kennzahlen: eine Stadionauslastung von 98 Prozent, mehr als eine Million Besucher im Land, mehr als drei Milliarden Zuschauer an den Fernsehschirmen, eine Milliarde wird allein beim Finale an diesem Sonntag erwartet, „sechs Mal so viel wie beim Superbowl“. Es ging ihm zuvorderst um etwas anderes: Dass bei dieser WM das Spiel der Hauptdarsteller gewesen sei, dass „der Fußball gesprochen hat und nicht Offizielle oder Präsidenten“. Das, so Infantino, sei sein Ziel seit Beginn seiner Amtszeit im Februar 2016 gewesen.

          „Wunderbares, gastfreundliches Land entdeckt“

          Darüber hinaus erklärte er noch zwei weitere Dinge. Erstens, dass die WM das Land verändert habe. Auch das war in einem rein fußballerischen Sinn zu verstehen. Russland sei auch dank der Erfolge der „Sbornaja“ ein „echtes Fußball-Land geworden“, das vom Erbe dieser WM enorm profitieren werde. Zweitens, so Infantino, habe sich „die Wahrnehmung Russlands in der Welt verändert“. Die Besucher hätten ein „wunderbares, gastfreundliches Land entdeckt“, reich an Kultur und Humanität, und dabei hätten sich auch „eine Menge von vorgefertigten Meinungen verändert“.

          Das berührte dann doch eine politische Ebene, zu der Nachfragen auf der Hand lagen. Ein Reporter wollte wissen, was „die moralische rote Linie“ der Fifa sei, bei all dem, womit das politische Russland in Verbindung gebracht wird. Er nannte die Opfer des abgeschossenen Fluges MH17, die Annexion der Krim, die Wahlbeeinflussung, den Sportbetrug durch Staatsdoping, Menschenrechtsverletzungen, die von Human Rights Watch auch beim Bau der Stadien dokumentiert sind. Infantinos Antwort fiel denkbar relativistisch aus: „Es gibt viele Ungerechtigkeiten auf der Welt“, sagte er, „viele Dinge, die wir gerne ändern würden, aber nicht in einem Land, in einer Region, sondern auf der ganzen Welt“. Und: „Wir sind hier für die WM, es geht uns hier um Fußball.“ Der aber könne bei einem der generell größten Probleme helfen: der schwindenden Bereitschaft, miteinander zu reden.

          Konkret bezog er das auch auf die Debatte um die Ausweitung der WM 2022 in Qatar. Ohne namentlich Saudi-Arabien zu nennen, spielte Infantino auf Golfstaaten an, von denen Qatar derzeit politisch isoliert ist. „Vielleicht ist es leichter, über Fußball zu sprechen als über andere Dinge“, sagte er auf die Frage nach einem zweiten Gastgeber für das Turnier in vier Jahren. Die endgültige Entscheidung, ob in Qatar mit 32 Teams – dem derzeitigen Stand – oder schon 48 gespielt wird, sei „noch nicht getroffen“.

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