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Fußball-WM in Russland : Ein Signal für Toleranz

Das „Diversity House“ in St. Petersburg. Bild: EPA

Zunächst hatten die russischen Behörden die Öffnung des „Diversity House“ in St. Petersburg verhindert. Doch die Aktivisten haben ein Ausweichquartier gefunden. Dort werben sie für Toleranz und gegen Rassismus.

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          Das „Diversity House“ in Sankt Petersburg, das für Toleranz und gegen Rassismus im Fußball bei der Weltmeisterschaft in Russland werben soll, konnte nun doch öffnen. Nachdem die Behörden zunächst am vergangenen Mittwoch die Eröffnung in einem angemieteten Gebäude verhindert hatten, hat das Bündnis „Cup for people“ ein Ausweichquartier gefunden. Das sagte Piara Powar, der Leiter des Netzwerks Fare (Football against racism in Europe), im Gespräch mit der F.A.Z.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Fare unterstützt das Projekt in Sankt Petersburg und betreibt in Moskau ein weiteres „Diversity House“ selbst. „Das neue Quartier ist vielleicht nicht so herausgeputzt wie das erste, aber es ist von hohem symbolischem Wert, dass das Programm jetzt stattfindet. Cup for people hat großartige Arbeit geleistet“, sagte Powar. Er hatte die Generalsekretärin des Internationalen Fußball-Verbands, Fatma Samoura, über die Probleme in Sankt Petersburg informiert. Er könne nur spekulieren, aber es „sah aus wie eine politische Beeinträchtigung und fühlte sich so an“, sagte Powar.

          Die ursprünglich geplante Eröffnung war verhindert worden, indem der Mietvertrag abrupt gekündigt und im Gebäude die Elektrizität abgestellt wurde. Samoura habe sich auf Powars Bitten bei den örtlichen Entscheidungsträgern für das Projekt eingesetzt. „Ich glaube nicht, dass die Lokalverwaltung so viel Aufmerksamkeit erwartet hat, nachdem der Mietvertrag gekündigt wurde“, sagte Powar.

          Vor dem Hintergrund der Homosexuelle diskriminierenden Gesetzgebung in Russland, die aus St. Petersburg auf den Weg gebracht worden war, setzen sich die Ausstellung und Programme in St. Petersburg und Moskau für homosexuelle Fans und Spieler ein. Teil der Ausstellung sind auch Aussagen des früheren deutschen Nationalspielers Thomas Hitzlsperger, inzwischen Botschafter für Vielfalt beim Deutschen Fußball-Bund. Hitzlsperger hatte am Sonntag getwittert, die Nachrichten aus Sankt Petersburg machten ihn traurig und hätten die örtlichen Organisatoren ermutigt, „stark zu bleiben und sich davon nicht herunterziehen zu lassen“.

          Powar sagte am Montag, er gehe davon aus, dass die Räumlichkeiten in Sankt Petersburg nun bis zum Ende der WM offen bleiben. Eine Sicherheit habe er allerdings nicht. „Sicher ist in diesem politischen Klima ein schwieriges Wort.“ Von der Resonanz für das „Diversity House“ in Moskau und dessen Programm sei er aber sehr positiv überrascht.

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