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2:0 gegen Serbien : Brasilien macht es besser als Deutschland

Thiago Silva und die Brasilianer freuen sich über den Sieg. Bild: Reuters

Nach einer schweren Vorrunde zieht die Seleção doch noch als Erster der Gruppe ins Achtelfinale ein. Auch Neymar läuft langsam warm. Die Brasilianer werden nun noch mehr glauben, dass es ihre WM wird.

          An den Brasilianern liegt es nicht, dass es bei der WM nicht zur großen Revanche für das seit vier Jahren an ihnen nagende 1:7 gegen die Deutschen kommt. Sie haben am Mittwochabend im Moskauer Spartak-Stadion mit einem 2:0-Sieg gegen Serbien den Platz im Achtelfinale am Montag in Samara gebucht, für das der Gegner bei einem Sieg gegen Südkorea Deutschland gewesen wäre. Nun ist es Mexiko. Die Tore erzielten Paulinho (36. Minute) und Thiago Silva (68.). Mit einem Sieg hätte Serbien selbst die K.o.-Runde erreichen und den großen Favoriten eliminieren können, der seit 1930 noch nie in einer WM-Vorrunde ausgeschieden ist. Doch eine solche Doppel-Sensation, dass die beiden erfolgreichsten Nationen der WM-Historie im Gleichschritt am selben Tag schon vor Halbzeit des Turniers ausscheiden – es wäre des Schlechten dann wohl doch zu viel gewesen.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Serben hatten nach der späten 1:2-Niederlage gegen die Schweiz wegen eines nicht gegebenen Elfmeters gar nicht mehr aufgehört, über den deutschen Schiedsrichter Brych herzuziehen (den Trainer Krstajic gar nach Den Haag zum Kriegsverbrechertribunal schicken wollte), dass es selbst der stellvertretenden Regierungschefin Zorana Mihajlovic zu bunt geworden war: „Genug von Schiedsrichtern, Den Haag, Videoassistenten, Albanern, Serben, Schicksal, Verschwörungen, Vögeln mit einem oder mehreren Köpfen!“, schrieb sie in einem Brief an die Mannschaft und forderte: „Hört auf zu jammern, werdet ernsthaft und bereitet Euch auf das Spiel gegen Brasilien vor!“

          Doch so richtig schienen sie dann doch nicht mehr an ihre Chance gegen den Rekordweltmeister zu glauben. Sie wagten sich bis zur Pause kaum einmal zwingend nach vorn. Auch die Brasilianer hatten es zunächst nicht eilig und ließen sich 25 Minuten Zeit bis zur ersten Torchance. Neymar und Gabriel Jesus kombinierten sich mit kleinen Pässen vom linken Flügel Richtung Tor, Neymar schoss aus spitzem Winkel, Torwart Vladimir Stankovic lenkte den Linksschuss mit flinker Hand am lanken Eck vorbei. Vier Minuten später spielte Neymar den hinter die Abwehrkette spurtenden Jesus frei, doch der entschied sich statt des sofortigen Abschlusses für einen Haken um den ersten herangrätschenden Verteidiger – und blieb dann am zweiten hängen. Aus Ärger zog sich der Stürmer von Manchester City das gelbe Trikot wie eine Maske über den Kopf. Die Serben fielen offensiv vor der Pause nur einmal auf, als der sperrige Mittelstürmer Mitrovic eine etwas zu sehr in seinen Rücken fliegende Flanke mit einer Art Fallrückzieher im Stehen zu verwerten versuchte. Das Experiment endete auf der Tribüne.

          Dann hieß es Bühne frei für das, was immer das große Markenzeichen großen brasilianischen Fußballs war – die blitzartige Torgefahr aus dem Mittelfeld. Paulinho setzte unwiderstehlich zum Spurt Richtung serbisches Tor an, Coutinho bediente ihn mit einem Zuckerhut-Pass, leicht gechippt, ideal aufsetzend, so dass Paulinho den Ball über den herausstürzenden Stojkovic ins Tor lupfen konnte.

          Die Serben nutzten ihre Chance nicht.

          Erst nach der Pause wachten die Serben auf. Eine gefährlich aufs Tor drehende Hereingabe von Ljajic lenkte Miranda in höchster Not übers Tor. Nach einer Stunde um ein Haar der Ausgleich – Torwart Alisson lenkte eine Flanke genau vor die Füße von Mitrovic, und der schoss den Ball ans Knie des knapp vor der Torlinie stehenden Thiago Silva. Rund fünf Minuten lang spielten die Serben plötzlich Katz und Maus mit Brasiliens nun wackliger Abwehr. Mitrovic kam frei zum Kopfball, doch Alisson packte diesmal zu (64.).

          Dann holte Neymar dribbelnd eine Ecke heraus, die das Aufbäumen der Serben beendete. Statt wie meist zuvor den Eckball kurz auszuführen, brachte er den Ball direkt herein und fand Verteidiger Thiago Silva, der das 2:0 köpfte. Das mögliche 3:0 verpasste der immer agilere und spielfreudigere Neymar mit einem Volley-Aufsetzer, der knapp über das Tor sprang (82.) und einem Lupfer, den der lange Torwart pflückte (85.). Aber der Superstar bekommt bei diesem Turnier nun gewiss weitere Möglichkeiten, es besser zu machen. Ohne die Deutschen werden die Brasilianer noch mehr daran glauben, dass es dann diesmal, mit vier Jahren Verspätung, ihre WM wird.

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