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1:0 gegen Iran : Spanien zittert sich zum ersten WM-Sieg

  • -Aktualisiert am

Spaniens Isco (links) feiert mit dem Torschützen zum 1:0, Diego Costa. Bild: EPA

Es war keine souveräne Vorstellung: Denkbar knapp setzen sich die Spanier gegen das Team aus dem Mittleren Osten durch. Iran erzielt zwischenzeitlich zwar den Ausgleich – doch der Treffer zählt nicht.

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          Harte Arbeit und ein lichter Moment haben Spaniens Nationalmannschaft am Mittwochabend in Kasan den ersten Sieg bei der Weltmeisterschaft in Russland beschert. Er fiel nach der Gala beim 3:3 gegen Portugal gegen den sehr respektablen Außenseiter Iran sogar ein wenig glücklich aus, weil Diego Costas dritter Turniertreffer zum 1:0 für die Spanier durch eine verunglückte iranische Abwehraktion begünstigt wurde (54.). „Ich hatte ein bisschen Glück beim Tor, aber ich bin zufrieden. Wir haben die nötige Geduld und Ruhe bewiesen“, sagte der Torschütze nach dem Schlusspfiff. Und Trainer Fernando Hierro meinte: „Ich bin zufrieden und sehr stolz auf meine Mannschaft. Das war nicht einfach. Iran hat das stark gemacht.“

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          Der Einzug des WM-Mitfavoriten ins Achtelfinale sollte bei nun vier Punkten und noch einem Gruppenspiel gegen die punktlosen Marokkaner machbar sein. Spanien und Portugal teilen sich die Tabellenführung der Gruppe B. Iran aber kann die Portugiesen mit einer ähnlich couragierten Leistung wie am Mittwoch noch im direkten Duell überflügeln. „Das war unser erster Matchball", sagte deshalb Irans Trainer Carlos Queiroz, „den zweiten haben wir gegen Portugal. Wir leben noch – und träumen noch.“

          Der erste WM-Sieg seit zwanzig Jahren beim 1:0 gegen Marokko zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Russland ist in Iran so ausgiebig gefeiert worden, dass auch die Hüter des islamischen Glaubens in der schiitischen Variante nach viel Hin und Her eine Ausnahme von ihrer strengen Regel erlaubten: Fußballaffine Frauen freuten sich, erstmals seit der iranischen Revolution 1979 in ein heimisches Fußballstadion zu dürfen, um der weit entfernt in Russland spielenden Männer-Nationalmannschaft zuzujubeln. Zunächst hatte es geheißen, technische Probleme im Azami-Stadion von Teheran, der landesweit größten Fußball-Arena, erlaubten keine Fernsehübertragung. Erst nach heftigen Protesten öffneten sich die Stadiontore, und 7000 Fans, Frauen wie Männer, durften gemeinsam ins Stadioninnere.

          Die andere Freiluftbühne, in der iranische Frauen in hellen Scharen Präsenz zeigen durften, war in der Kasan Arena, wo das klassische David-gegen-Goliath-Duell auf dem WM-Spielplan stand. Dort waren die Iraner, nach ihrem 1:0-Erfolg über Marokko in der Nachspielzeit als Überraschungstabellenführer in diese Partie gestartet, zumindest in einer Hinsicht überlegen: Sie wurden von geschätzt 15.000 Fans frenetisch unterstützt. Spanier dagegen waren weitaus weniger nach Tatarstan geströmt. Diese Begegnung empfand so mancher Anhänger der Roja verständlicherweise nicht gerade als Klassiker par excellence.

          Sie gab während der ersten 45 Minuten auch nichts her, was die Herzen hätte erwärmen können. Die Iraner verteidigten mal mit fünf, mal mit sechs Abwehrspielern ihr Tor mannhaft. Da war kein Platz für die Schönheit des Spiels. Die Mannschaft von Trainer Hierro war eine Halbzeit lang auf der vergeblichen Suche nach Freiräumen und fand sie nicht. Eine Torgelegenheit von Belang sprang bei den Passstafetten von rechts bis links und umgekehrt nicht heraus. 73 Prozent spanischer Ballbesitz und nur ganz wenige Szenen, die bedrohlich aussahen: Das war zu wenig für die Klasse dieser Elf, die auf der Suche nach der Lücke war. Die Iraner dagegen hatten ihr erstes Teilziel erreicht. Das 0:0 zur Pause befeuerte noch den ohnehin großen Mut dieses Underdogs mit beachtlichen Verteidigungsqualitäten.

          Iran machte den Spaniern (hier Isco, Mitte) lange Zeit das Leben schwer. Bilderstrecke

          Nach diesem zähen Teilabschnitt mussten sich die Spanier schon ein paar neue Schachzüge einfallen lassen, um die iranische Festung wenigstens einmal zu erobern. Und tatsächlich wurde der Sturm und Drang der Iberer in den zweiten 45 Minuten auf Anhieb gefährlicher. Piqués Schuss (49.) parierte Beiranvand ebenso sehenswert wie den Kracher von Busquets (50.). Dann aber war auf der anderen Seite der für Rubin Kasan spielende Azmoun mit seinem Schuss gegen das Außennetz auch ganz nah am ersten Treffer (53.). Diesen erzielte eine Minute später Diego Costa, sein drittes Turniertor, nach energischer Vorarbeit des nun mit mehr Dynamik ausgestatteten Iniesta. Dabei hatte der Torschütze Glück, da ihm Rezaeian bei seinem Rettungsversuch den Ball gegen das Schienbein geschossen hatte.

          Was vorher langweilig war, wurde nun kurzweilig, also ein packendes Fußballspiel. Beide Teams begegneten sich endlich offen und stürmisch. Auch die Iraner zeigten, dass sie nicht nur ihr Tor verteidigen können und schossen durch Ezatotolahi (64.) den vermeintlichen Ausgleich, dem Schiedsrichter Cunha in Verbindung mit dem Videoassistenten aber die Anerkennung wegen einer Abseitsstellung des Schützen verweigerte (64.). Zwei weitere Gelegenheiten für den couragierten Außenseiter überstand Spanien mit etwas Fortüne, so dass der schwer erkämpfte Sieg gegen einen unangenehmen, weil trotz spielerischer Unterlegenheit selbstbewussten Gegner am Ende sogar erzittert worden war.

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