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1:0 gegen Südkorea : Schweden erhöht Druck auf Deutschland

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Abwehrchef und Siegtor-Schütze: Schwedens Andreas Granqvist war gegen Südkorea wichtiger Akteur seines Teams. Bild: EPA

Mit dem Auftaktsieg gegen Südkorea bringen sich die Skandinavier in eine gute Ausgangslage für den Rest der WM-Vorrunde. Das anstehende Duell mit der DFB-Elf gewinnt so für beide Mannschaften enorm an Bedeutung.

          So kreuzgefährlich wie die Mexikaner dürften die beiden nächsten WM-Gegner des nach der 0:1-Niederlage gegen die Mittelamerikaner angeschlagenen Weltmeisters Deutschland nicht werden. Schweden, am kommenden Samstag in Sotschi der nächste Widersacher der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw, und Südkorea begegneten sich am Montagnachmittag in Nischni Nowgorod auf einem überschaubaren Niveau – ohne spektakuläre Ausreißer nach oben. Dass die Skandinavier das zweite Spiel der Gruppe C am Ende 1:0 durch einen mit Unterstützung des Videoassistenten gegeben Foulelfmeter von Kapitän Granqvist (65. Minute) gewannen, spiegelte die Verhältnisse auf dem Platz angemessen wider.

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          Südkorea war für eine Überraschung denn doch zu bieder, aber auch die schwedischen Gewinner hatten nur wenige lichte Momente. Es war ein Spiel auf niedrigem WM-Niveau, durch das sich das Gros der 45.000 Zuschauer seine Begeisterungsfähigkeit aber nicht nehmen ließ. Schweden erhöhte mit dem Erfolg gleichzeitig den Druck auf die Deutschen: Eine Niederlage gegen die Skandinavier am Samstag in Sotschi würde schon das Aus für die Löws Elf bedeuten, wenn Mexiko zuvor gegen die Koreaner punktet. „Wir kämpfen, wir sind Krieger und tun das, was wir tun sollen“, sagte Granqvist im schwedischen Fernsehen SVT: „Der Druck liegt jetzt auf Deutschland. Wenn wir gewinnen, sind wir durch.“

          Nicht mehr möglich waren an diesem ersten sommerlich warmen Tag während der WM die Versteckspielchen und Verwirrmanöver, die der Trainer der Taeguk Warriors, Shin Tae-jong, zuletzt in petto hatte. Etwa, als er seine Spieler beim Test gegen den Senegal unter Ausschluss der Öffentlichkeit Trikots mit Rückennummern tragen ließ, die während des Turniers nicht zu ihnen gehören. Nur im Training darf Shin jetzt noch tricksen wie am Wochenende, als ein schwedischer „Spion“ aus dem Stab von Cheftrainer Janne Andersson das Vorbereitungsprogramm der Asiaten auskundschaften wollte. Was sie nun eigentlich spielen wollten an diesem sonnigen Montag, erkannten die Koreaner in der ersten Hälfte selbst nicht mehr.

          Nur die gelegentlichen Sololäufe ihres Premier-League-Stars Son Heung-min verbreiteten einen Hauch von Gefahr für die Schweden, die sich dann wieder verzog, wenn der Angreifer der Tottenham Hotspur und frühere Stürmer des Hamburger SV und von Bayer Leverkusen keinen Adressaten für seine Zuspiele fand. Die Zuschauer in Nischni Nowgorod gewannen den Eindruck, dass sich die Koreaner bei ihrer Turniervorbereitung, begleitet von schwachen Vorbereitungsspielen, nicht hätten hinter einen inspirierenden Spielidee versammeln können. Was der WM-Dauerteilnehmer seit 1986 bot, war Stückwerk. „Wir haben eigentlich gut verteidigt, aber wir hätten besser kontern müssen, das haben wir uns anders vorgestellt“, sagte Heung Min Son.

          Etwas anders die mit den in Deutschland beschäftigten Profis Augustinsson (Werder Bremen), Ekdal (Hamburger SV) und Forsberg (RB Leipzig) angetretenen Schweden. Die Nordeuropäer sind zwar auch nicht für Champagner-Fußball bekannt, doch hatten sie nach zuletzt drei Begegnungen ohne eigenes Tor zumindest einen Plan. Mit ruhigem Spielaufbau, hohen Flanken auf ihre kopfballstarken Spieler, gelegentlichen Steckpässen in die gefährlichen Zonen und ihrer erkennbaren physischen Überlegenheit arbeitete sich das Team von Trainer Janne Andersson deutliche Vorteile heraus.

          Die schwedischen Fans waren gut drauf beim ersten Spiel ihrer Mannschaft bei der WM. Bilderstrecke

          Die beste Gelegenheit zu einem Treffer besaß Marcus Berg, der frühere Stürmer des Hamburger SV, dessen Schuss aus kurzer Distanz der reaktionsschnelle Torwart Cho Hyun-woo jedoch parierte (21.). Von einer Gala der Effektivität und der defensiven Unverwundbarkeit wie bei den beiden Play-off-Spielen gegen Italien (1:0, 0:0) war Anderssons Mannschaft aber weit entfernt. Auch die erstmals seit 2006 wieder bei einer WM mitmischenden Schweden brauchen ohne ihren vor zwei Jahren aus der Nationalmannschaft zurückgetretenen Superstar Zlatan Ibrahimovic wohl noch Zeit, um mit einem kollektiven Gütesiegel zu glänzen.

          „Das ist ein Spiel, das gewonnen werden muss“, hatte Südkoreas Trainer Shin vor dem Spiel hervorgehoben und mit dieser Aussage beide Teams gemeint. Die Frage bei Halbzeit lautete: wie und womit? Zumindest spielten sich beide Teams nun jeweils eine Gelegenheit heraus. Zuerst Südkorea, als der Augsburger Koo seinen Kopfball nach Sons feiner Flanke ans Außennetz setzte (52.). Danach die immer noch deutlich besseren Schweden, als Toivonen mit seinem Kopfball an Torhüter Cho scheiterte (57.). In der 63. Minute hatten die vorher schon hart zu Werke gehenden Asiaten ein Foul zu viel begangen, das der salvadorianische Unparteiische Aguilar mit Hilfe des Videoassistenten nachträglich auf dem für ihn reservierten Stadionbildschirm entdeckte: Kim Min-woo hatte Claesson im koreanischen Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht.

          Endlich hatte Schweden aus elf Metern freie Bahn – eine günstige Gelegenheit, die der starke Kapitän Granqvist cool mit einem Schuss ins rechte Toreck zum 1:0 für seine Farben nutzte. Einmal noch hielten die koreanischen Fans den Atem an, doch auch Hwangs Kopfball (90.+2) verfehlte sein Ziel in diesem Duell der schmalen Fußball-Unterhaltung.

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