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3:0 gegen Argentinien : Kroatien befördert Messi und Co. an den Abgrund

Ritter von der traurigen Gestalt: Schlussmann Willy Caballero leitet die argentinische Niederlage mit einem desaströsen Fehler ein Bild: Reuters

Die vorangegangenen drei Niederlagen bei Weltmeisterschaften hat Argentinien allesamt gegen Deutschland hinnehmen müssen. Nun bricht Kroatien diese Serie und zieht ins Achtelfinale ein. Argentinien droht das erste Vorrunden-Aus seit 2002.

          Auf der Tribüne schlug Diego Maradona die Hände vors Gesicht. Er konnte es nicht mehr mitansehen. Argentinien, das er 1986 zum Titel führte, steht als Mitfavorit der WM vor dem Aus. Dagegen hat Kroatien nach dem 3:0-Sieg am Donnerstagabend in Nischni Nowgorod zum ersten Mal seit 1998 die K.o.-Runde der WM erreicht – in der man damals im Viertelfinale Deutschland 3:0 schlug. Der Frankfurter Ante Rebic hatte die Kroaten nach einem krassen Fehler von Torwart Willy Caballero volley in Führung gebracht (53.), ehe Luka Modric mit einem Distanzschuss (80.) und Ivan Rakitic bei einem Konter (90.+1) die endgültige Entscheidung herbeiführten.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Das wichtigste Ziel haben wir erreicht. Wir sollten es jetzt von Spiel zu Spiel angehen und nicht euphorisch werden. Unser Sieg war nicht so leicht, wie er aussah“, sagte Spielmacher Modric. „Argentinien war nicht konfus, wir waren exzellent“, sagte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic.

          Die Kroaten hatten die ruppige Partie mit einem Flachschuss von Ivan Perisic begonnen, den Caballero mit starker Parade abwehrte. Nach zwölf Minuten versuchte Lionel Messi am Fünfmeterraum mit dem linken Fuß an einen hohen Chip zu kommen und den Ball an Torwart Danijel Subasic vorbeizuspitzeln. Doch das wertvollste Bein der Welt war einige Zentimeter zu kurz. Länger und deshalb rettend für Kroatien war eine Minute später das rechte Bein des Verteidigers Dejan Lovren, der den scharfen Rückraumschuss von Maximiliano Meza abblocken konnte.

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          Nach 22 Minuten missriet Marcos Acuna am linken Flügel eine Flanke so gekonnt, dass eine Art Torschuss daraus wurde – der Ball touchierte die Latte, allerdings von oben, und mit der falschen Drehung, vom Tor weg. Doch Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli, in der Heimat unter großem Druck, raufte sich die nicht vorhandenen Haare über die nicht vorhandene Chance.

          Nach einer halben Stunde hatte Sampaoli dann aber eine sehr wohl vorhandene, ja kaum zu vergebende Chance zu beklagen, als der Ball nach Missverständnis zwischen Lovren und Subasic vor die Füße von Enzo Perez fiel, der jedoch überhastet das vom Torwart verlassene Tor verfehlte. Im Gegenzug gingen die Kroaten ähnlich verschwenderisch mit ihren Gelegenheiten um. Mario Mandzukic köpfte unbedrängt aus fünf Metern neben das Tor.

          Nickliges Spiel

          Es entwickelte sich immer mehr ein nickliges Spiel mit vielen offenen und heimlichen Unfreundlichkeiten – Kollateralschäden beim dabei zufällig getroffenen Gegner inbegriffen. Der usbekische Schiedsrichter Rawshan Ermatow hatte seine liebe Mühe, das Spiel zunächst ohne Karteneinsatz in den Griff zu bekommen. Die erste Gelbe, erst nach 39 Minuten, hatte sich Rebic mit offener Sohle gegen den Knöchel von Salvio denn auch redlich verdient. Den Ball traf der Frankfurter zunächst noch weniger gut. Als ihm Luka Modric mit einem Diagonalpass in der Nachspielzeit der ersten Hälfte die Riesenchance eröffnete, allein aufs Tor zuzulaufen, verdarb er das mit einer miserablen Ballannahme.

          Die Partie brauchte etwas Unvorhersehbares, um von einem Abend für Freunde gepflegten Kampfsports wieder zu einem Fußballspiel zu werden. Caballero lieferte es mit seinem Blackout. Der Ersatztorwart von Chelsea versuchte nach einem Rückpass einen Lupfer über Rebic hinweg, der aber zur Vorlage für den Kroaten geriet. Rebic jagte den Ball entschlossen und gekonnt per Volleyschuss zum 1:0 unter die Latte.

          Messi mit Tarnkappe

          Was war nur mit Messi? Argentiniens Elf gegen Kroatien sollte durch drei neue Spieler noch mehr auf ihn zugeschnitten werden, doch er schien wie mit einer Tarnkappe zu spielen, als wolle er sich wegducken vor dem „Gewicht von 43 Millionen Argentiniern auf seinen Schultern, die den Weltmeistertitel fordern“, wie es Jorge Valdano, der Weltmeister von 1986, formuliert. Bis zur Pause kam er nur auf zwanzig Ballkontakte.

          Erst nach 63 Minuten war er einmal da, als Subasic einen Ball von Perez prallen lassen musste. Messi schien aus zwei Metern im Nachschuss zu verwandeln – doch Ivan Rakitics Fuß blockte den Ball knapp vor der Torlinie. Sampaoli legte das Sakko ab, entblößte die aufgepumpten, volltätowierten Arme, doch ihm fiel nichts mehr ein. „Leo ist limitiert, weil das Team nicht so mit ihm spielt, wie es sollte“, sagte Sampaoli später zur Leistung seines Stars.

          Strahlemann: Kroatiens Star Luka Modric trifft ausnahmsweise selbst Bilderstrecke

          Auch mit den eingewechselten Stürmerstars Higuain und Dybala wurde Argentinien nicht mehr gefährlich. Anders die Kroaten. Modric traf mit einem verdeckten Schuss. Und Rakitic ließ erst mit einem Freistoß die Latte wackeln – ehe er dann in der Nachspielzeit gegen die entblößte Abwehr traf. Messi und sein Team waren da längst erledigt.

          Kroatien übernahm damit jene Aufgabe, die zuletzt dreimal in Serie dem deutschen Nationalteam zukam. Argentinien hatte 2006, 2010 und 2014 die jeweils einzige Turnierniederlage gegen die DFB-Auswahl erlitten. Noch aber hat Argentinien Hoffnung, die je nach Ausgang des Spiels der Gruppenrivalen Island und Nigeria am Dienstag (17 Uhr/ F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM und ARD) größer oder kleiner ausfällt.

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