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1:1 gegen Argentinien : Island lässt Messi verzweifeln

Blieb letztlich ohne Torerfolg: Argentiniens Lionel Messi im Spiel gegen Island. Bild: Reuters

Gegen aufopferungsvoll spielende Isländer kommt Argentinien nicht über ein Remis hinaus. Die Südamerikaner scheitern ein ums andere Mal am gegnerischen Defensiv-Verbund. Und Messi vergibt die größte Chance.

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          Vor zwei Jahren, bei ihrem EM-Debüt, entnervten sie im ersten Spiel Cristiano Ronaldo und erreichten gegen den späteren Europameister Portugal ein 1:1. Nun, bei ihrem WM-Debüt, haben die Isländer auch den anderen Superstar des Fußballs, Lionel Messi, zur Verzweiflung gebracht und dem WM-Zweiten Argentinien ein 1:1 abgetrotzt.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Führung des Favoriten durch Sergio Agüero (19.) glich der für den FC Augsburg spielende Alfred Finnbogason aus (23.). Torwart Hannes Halldorsson wehrte in der 63. Minute einen von Messi geschossenen Foulelfmeter ab. „Das ist ein super Ergebnis für uns. Es ist immer schwer gegen uns – auch für Weltklassespieler. Insgesamt ist das ein verdienter Punkt“, sagte Finnbogason, der sich besonders über Islands erstes WM-Tor freute: „Ich bin sehr stolz, das bleibt für immer. Davon habe ich als kleiner Junge geträumt.“

          Bei der EM führte die Reise der „Wikinger“ bis ins Viertelfinale und in die Herzen vieler neutraler Fußballfans. Nun zeigte die kleinste Nation, die je für eine Fußball-WM qualifiziert war, dass sie auch für diese größte Bühne des Spiels bereit ist. Ihr Team hielt dem Sturmlauf der Argentinier stand und sorgte für die erste große Überraschung der Fußball-WM. Im Spiel des Favoriten zeigte sich dabei ein Ungleichgewicht, wie es bei diesem Turnier in kaum einem anderen Team herrschen dürfte. In der Offensive strotzt es vor Weltklasse, in der Defensive hat es allenfalls Mittelklasse zu bieten. Vorn hat Trainer Jorge Sampaioli die Qual der Wahl, hinten seine liebe Not.

          Aus seinem Quartett an Top-Torjägern, die auf 124 Saisontreffer für ihre Klubs gekommen sind, entschied er sich neben Messi für Agüero, dafür fanden Gonzalo Higuain und Paolo Dybala nur einen Platz auf der Bank. Mauro Icardi, Torschützenkönig der italienischen Serie A, hatte sogar zu Hause bleiben müssen. Dennoch mangelte es gegen die kompakte Abwehr der Isländer an Torgefahr. Vor dem eigenen Tor leitete dafür Verteidiger Marcos Rojo, zweite Wahl bei Manchester United, mit einem zu kurzen Rückpass auf Torwart Willy Caballero, Ersatz-Keeper bei Chelsea, eine Massenpanik ein, die um ein Haar in die isländische Führung gemündet wäre, doch Birkir Bjarnason schoss aus zehn Metern knapp vorbei (10.).

          Was war mit Messi? „Ich habe keine magische Formel gegen Messi“, hatte Islands Trainer Heimir Hallgrimsson gesagt. „Wir werden es zusammen versuchen, als Team.“ Die Skandinavier wichen geschickt zurück, lenkten Messi in ihrer gut vernetzten Defensive in die Räume, in denen ihm der Spielraum ausging. So blieben zwei von Torwart Hannes Halldorsson sicher abgewehrte Weitschüsse (17./21.) die einzige Torgefahr durch den Weltstar bis zur Pause – der sich nach einem Pass ins Nichts (30.) sogar erste Pfiffe anhören musste. Statt eines Geniestreichs von Messi war es ein missglückter Distanzschuss des Verteidigers Rojo, der zum 1:0 führte. Der Ball blieb im Spielerpulk vor dem Tor hängen, fiel vor die Füße von Agüero, der sich den Platz für einen Drehschuss in den Winkel verschaffte.

          Die Isländer aber reagierten prompt. Ein überfallartiger Angriff über rechts brachte abermals Chaos vors argentinische Tor. Am Ende konnte Caballero den Ball nur vor die Füße von Finnbogason prallen lassen, der sich die Chance nicht nehmen ließ. Erst nach einer guten Stunde gelang es Messi einmal, die weiße Wand der zehn isländischen Feldspieler zu überwinden, mit einem präzisen Steilpass auf Maximiliano Meza, der von Hordur Magnusson umgerannt wurde. Doch den fälligen Elfmeter von Messi, ungenau halbhoch geschossen, parierte der glänzende Torwart Halldorsson. „Das ist wie im Film“, beschrieb der Schlussmann, im zivilen BEruf Videoproduzent, seine Heldentat. Einem weiteren möglichen Foulelfmeter nach einem Zweikampf zwischen Cristian Pavon und Birkir Saevarsson fünfzehn Minuten später verweigerte der Schiedsrichter die Anerkennung.

          Von Anfang an zeigten die Isländer (hier Magnusson, rechts) gewohnt viel Einsatz. Bilderstrecke

          An den immer tiefer hängenden Schultern von Messi konnten die Isländer sehen, dass ihm der Spaß am Spiel vergangen war. Er versuchte es dennoch immer weiter. Nach 78 Minuten bekam er den Ball in guter Position hoch zugespielt, holte zum Abschluss aus, aber Birkir Saeversson, ein Halbprofi aus der isländischen Liga, der bis kurz vor der WM in seinem Halbtagsjob in einer Fabrik in Reykjavik noch Salzsäcke verpackt und ausgefahren hatte, spitzelte den Ball weg. Nach 81 Minuten schoss Messi aus zwanzig Metern hauchdünn vorbei, seine beste Aktion. Kurz darauf ein weiterer Versuch, diesmal geblockt vom Rücken des Mitspielers Agüero. In der Nachspielzeit noch ein Verzweiflungsschuss mit rechts. Und ein letzter Freistoß in die Mauer.

          Abpfiff des tristen Arbeitstages eines Superstars – und des Feiertages für eine kleine Fußballnation. Trainer Hallgrimsson, im Nebenberuf „immer noch praktizierender Zahnarzt“, konnte an diesem für Island historischen Samstag leider nicht seine sonstige Gewohnheit einhalten, vor dem Spiel isländische Fans in einer Kneipe zu treffen. Der Anpfiff um 16 Uhr war „zu früh dafür“. Dafür war der isländische Feierabend umso länger.

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