https://www.faz.net/-gaq-7rkba

1:0 n.V. gegen Argentinien : Erlöser Götze – Deutschland ist Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Eigentlich wollten die Deutschen gegen Argentinien zum dritten Mal nacheinander in derselben Besetzung beginnen. So stand es auch auf den Aufstellungsbögen, die eine Stunde vor Anpfiff herausging. Eine knappe Viertelstunde vor Beginn aber war Löw plötzlich zum Handeln gezwungen, und das an höchst sensibler Stelle: Khedira konnte wegen Wadenproblemen nicht spielen, für ihn begann Kramer. Erst zwölf Einsatzminuten standen für den Mönchengladbacher zu Buche – das nennt man einen Kaltstart.

An der erwarteten Rollenverteilung änderte das freilich nichts. Reichlich deutscher Ballbesitz und extrem zurückgezogene Argentinier, das war das Bild zu Beginn. Es war solide, bisweilen druckvoll, was Löws Team machte: Schweinsteiger war die Autorität und verteilte die Bälle, Müller, Özil und Klose suchten den Weg zum Tor. Es fehlte aber noch der geniale Moment gegen die bestens geordneten Argentinier. Und welche Risiken in diesem Finale steckten, zeigte sich schon früh in zwei Kontersituationen, in denen Messi jeweils Hummels davonlief.

Schrecksekunden

Es folgten zwei weitere Schrecksekunden. Erst blieb Kramer nach einem Zusammenprall mit Garay eine Weile liegen; es ging zunächst weiter. Dann leistete sich Kroos einen schweren Blackout. Sein Kopfball Richtung eigene Abwehr fiel Higuaín vor die Füße, der eigentlich nur gemächlich aus dem Abseits zurückkehrte. Mit einem Mal aber hatte der Angreifer freie Bahn zum Tor. Die Deutschen konnten von Glück sagen, dass er überhastet abschloss und das Tor verfehlte. Nach einer halben Stunde jubelten Higuaín und Argentinien: der Ball war im Netz, doch es war Abseits.

Wenig später musste Kramer doch vom Platz; er wirkte benommen. Löw brachte Schürrle und stellte die Grundordnung auf 4-2-3-1 um, mit Özil in zentraler Rolle hinter Klose. Und Schürrle, der beste Joker bei diesem Turnier, konnte sich gleich in Szene setzen, als er Torwart Romero zu einer beherzten Parade zwang. Alles in allem aber brauchten die Deutschen nun einen Moment, um sich zu sammeln, und wieder war es Messi, der das beinahe ausgenutzt hätte. Boateng klärte die Hereingabe im letzten Augenblick.

Löws Team konnte heilfroh sein, dass es noch 0:0 stand. Gegen Ende der ersten Hälfte aber hatten die Deutschen wieder alle Sinne beisammen und wären sogar beinahe noch in Führung gegangen. Erst vergab Kroos eine Schusschance in guter Position, und dann, in der Nachspielzeit, wuchtete Höwedes den Ball nach einem Eckstoß von Kroos aus kurzer Distanz an den Pfosten. Es war die beste deutsche Chance.

Keine zwei Minuten waren nach der Pause gespielt, da lief wieder Messi auf das deutsche Tor zu, diesmal von links, und wieder hatte Löws Mannschaft Glück, dass der Ball vorbeiging. Die Deutschen gaben sich Mühe, ihr Spiel aufzuziehen, es blieb aber hakelig. Müller ging wahnsinnige Laufwege, Lahm bearbeitete die rechte Seite mit gewohnter Klasse, Schürrle sorgte für Leben auf links, und Özil suchte die Lücken. Wirklich Zwingendes kam dabei nicht heraus. Als dann Neuer aus seinem Strafraum herausmusste, um gegen Higuaín zu klären, konnten Torwart und Team froh sein, dass die Szene glimpflich ausging. Gegen Ende der 90 Minuten wirkten die Deutschen etwas frischer und auch wieder forscher. Nach 71 Minuten bekam Schürrle nach guter Kombination den Ball nicht unter Kontrolle, in der 82. Minute fehlte einem Schuss von Kroos wieder einmal der nötige Druck. Nach 88 Minuten kam Götze für Klose.

Gleich nach Anpfiff der Verlängerung setzte Götze Schürrle in Szene, doch dessen Schuss parierte Romero. Kurz darauf stand Palacio nach einem Stellungsfehler von Hummels frei vor Neuer, doch der Heber misslang. Beide Teams wirkten nun ziemlich entkräftet. Agüero hätte Gelb-Rot sehen können, als er Schweinsteiger beim Kopfballduell im Gesicht erwischte. Es war am Ende egal, weil Götze noch seinen großen Moment hatte.

Weitere Themen

Gladbach empfängt Real Video-Seite öffnen

Fußball : Gladbach empfängt Real

Borussia Mönchengladbach und Trainer Marco Rose freuen sich auf das Heimspiel gegen Real Madrid mit Trainer Zinedine Zidane. Marco Rose sagt, sein Team wolle gut spielen.

Topmeldungen

Neue Corona-Maßnahmen : Treffen unter dramatischen Vorzeichen

Vor zwei Wochen konnten sich die Ministerpräsidenten nicht einigen. Jetzt sind die Infektionszahlen kaum noch kontrollierbar. Vor dem Treffen mit Merkel fordern immer mehr Politiker und Wissenschaftler harte Einschnitte mit strikten Kontaktbeschränkungen.
Ilhan Omar spricht bei einem Auftritt im Vorwahlkampf in Minneapolis vergangenen August mit der Presse.

Wahlkampf in Amerika : Trump attackiert muslimische Abgeordnete

Sie hasse Amerika, sagt der Präsident über die Amerikanerin Ilhan Omar, und greift auch noch die demokratische Gouverneurin von Michigan an. Joe Bidens Unterstützer setzen unterdessen auch auf Staaten, die eigentlich als sichere Bank der Republikaner gelten. Und Melania Trump hat ihren ersten Solo-Auftritt.
Unser Autor: Martin Benninghoff

F.A.Z.-Newsletter : Was bringt der Lockdown-Gipfel?

Deutschlands sechzehn Ministerpräsidenten suchen einen Konsens über Maßnahmen in der Pandemie-Bekämpfung. Es ist nicht der einzige Showdown in der Hauptstadt. Was sonst noch wichtig wird, der F.A.Z.-Newsletter.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.