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2:0 gegen Costa Rica : Späte Erlösung für Brasilien

Die Erleichterung ist den Brasilianern anzusehen nach dem späten Führungstor Bild: AFP

Erst in der Nachspielzeit besiegt die Seleção das sich tapfer wehrende Costa Rica mit seinem überragenden Torwart Navas 2:0. Neymar fällt durch Schauspielkunst auf – und ein Tor.

          Der große Favorit Brasilien hat erst auf den letzten Drücker seinen ersten Sieg bei der WM errungen und damit eine ähnliche Notsituation wie der Rivale und Nachbar Argentinien abgewendet. Mit zwei Toren in der Nachspielzeit durch Philippe Coutinho (90+1. Minute) und Neymar (90+7.) besiegte die Seleção das sich tapfer wehrende Team aus Costa Rica 2:0.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Eine beträchtliche Zahl von Plätzen im Stadion von St. Petersburg war unbesetzt, und das bei einem Spiel von Brasilien. Der Rekordweltmeister, bei vielen früheren WM-Turnieren der Hingucker schlechthin und von vielen Zuschauern als Zweitteam neben der eigenen Nationalmannschaft adoptiert, hat bei nunmehr drei glanzlosen Turnieren viel von seinem Renommee und seinen Anhängern eingebüßt und müsste bei dieser WM versuchen, mit phantasievollem Fußball etwas von beidem zurückzugewinnen. Doch das fällt sichtlich schwer.

          Der Blick in die andere Richtung von der oberen Galerie der extrem teuren Arena auf den im Sonnenlicht funkelnden Finnischen Meerbusen hatte denn für längere Zeit auch mehr Sehenswertes zu bieten als der Blick auf den alles andere als funkelnden Fußball der Seleção.

          Die größte Chance der ersten Halbzeit hatte der Außenseiter, als nach 13 Minuten Rechtsverteidiger Cristian Gamboa bis zur Grundlinie vorstieß, einen präzisen Rückpass spielte und Celso Borges die Gelegenheit vergab. Sein Flachschuss, aus zwölf Metern unbedrängt abgegeben, verfehlte das anvisierte lange Eck.

          Was war mit Neymar? Die erste nennenswerte Aktion war schon vor dem Spiel geschehen, ein Friseurbesuch, bei dem der etwas lächerliche und als „Spaghetti-Look“ verhöhnte, an den Spitzen nudelgelb gefärbte Schopf des Auftaktspiels gegen die Schweiz (1:1) deutlich gekürzt worden war. Spaß am Spiel fand er nicht oft. In der 16. Minute drehte Neymar, kurz hintereinander zwei Mal gefoult, entnervt ab, wie des öfteren schon gegen die Schweiz. Und kassierte, kaum mit einem Lupfer am Gegenspieler vorbei, prompt das dritte Foul binnen drei Minuten.

          Das 1:0 gegen Costa Rica: Aus kurzer Entfernung durch die Beine von Navas ins Netz Bilderstrecke

          Doch die Härte des Außenseiters war keine Entschuldigung für den Mangel an Präzision, Phantasie und auch an Tempo im Spiel des hohen Favoriten bis zur Pause. Neymar kassierte mit einer Vorlage ins Nichts erste Pfiffe (25.), startete dann im richtigen Moment hinter die Abwehr, ließ den Ball aber bei der Annahme im vollen Lauf etwas zu weit prallen, so dass Torwart Keylor Navas ihn im Eins-zu-eins-Duell abfangen konnte (27.). Neben diesem einzigen wirklich guten Spielzug der ersten Halbzeit fiel den Brasilianern nur ein halbes Dutzend fruchtloser Fernschüsse ein.

          Kuipers nimmt Elfmeter für Neymar zurück

          Nach Wiederanpfiff war sofort deutlich mehr Betrieb, und Costa Rica musste neben dem Heroismus von Navas, der schmerzhaft vor Neymar rettete (48.), auch das schiere Glück bemühen, als Jesus an die Latte köpfte und der Nachschuss von Coutinho irgendwie noch am Pfosten vorbei gelenkt wurde (49.). Dann eroberte der eingewechselte Douglas Costa den Ball, Paulinho brachte ihn herein, und Neymar scheiterte aus sieben Metern am prächtig parierenden Navas (56.). Dann sogar eine Konterchance, die erste überhaupt der Brasilianer, doch Neymar verschlampte sie mit einem schlechten Pass auf Costa (61.). Und dann verließ den Star der Seleção auch noch seine sonst so starke Schusstechnik, als er den Ball nach einem Fehler von Gambao frei vor Navas in zentraler Position aus 18 Metern am rechten Winkel vorbei drehte (72.).

          Dann pfiff Schiedsrichter Kuipers Elfmeter, als es schien, dass Neymar, der den Zweikampf mit Gonzalez demonstrativ abbrach, festgehalten worden sei – doch der Videobeweis, den der Niederländer zu Rate zog, zeigte, dass der Brasilianer nur leicht am Bauch touchiert worden war, und nahm die Entscheidung zurück.

          Und dann wurde das Spiel auf ein Tor doch noch belohnt. Marcelo flankte, Firmino verlängerte, Jesus stoppte, und Coutinho stocherte – durch die Beine von Navas flog der Ball ins Netz. Und am Ende durfte auch Neymar jubeln. Bei einem letzten Angriff konnte er den Ball nach Vorlage von Costa ins leere Netz drücken.

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