https://www.faz.net/-gaq-9b5pi

1:2 gegen Senegal : Fehlstart für Polen und Lewandowski

Auch Stürmerstar Lewandowski hatte nicht seinen besten Tag. Bild: dpa

Afrikas Fußball lebt: Senegal gelingt der erste Sieg bei dieser WM. Dabei profitiert das Team von einem abgefälschten Torschus und einem kapitalen Abwehrfehler des Teams um Bayern-Star Lewandowski.

          Afrikas Fußball lebt. Im Spiel der letzten beiden Teams, die bis dahin noch nicht in Aktion waren bei der WM 2018, hat Senegal am Dienstag in Moskau Polen 2:1 besiegt und damit nach den Niederlagen von Ägypten, Marokko, Nigeria und Tunesien den ersten Erfolg für den Kontinent erzielt. Nach Toren von Idrissa Gana Gueye (37. Minute) und Mbaye Niang (60.) konnte Grzegorz Krychowiak (86.) nur verkürzen.

          Fussball-WM 2018
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          In einer schwachen ersten Halbzeit bedurfte es eines Zufallstreffers. Gueyes Schuss erhielt durch den Körper von Thiago Cionek, der die Flugbahn kreuzte, eine Richtungsänderung von fast neunzig Grad und kullerte gegen die Laufrichtung des machtlosen Torwarts Wojciech Szczesny ins Tor. Pechvogel Cionek, ein in Brasilien geborener Verteidiger mit aus Polen ausgewanderten Großeltern, war für den routinierten Abwehrchef Kamil Glik ins Team gekommen, der sich im Trainingslager vor der WM beim Versuch eines Fallrückziehers an der Schulter verletzt hatte.

          Ein einziges Mal war bis zur Pause Robert Lewandowski zum Abschluss gekommen, der mit einem neuen, dynamischen Haarschnitt angetreten war, sonst aber zunächst nicht weiter auffiel. Nach Vorarbeit des Wolfsburgers Jakub Blaszczykowski, der nach fünfmonatigem Ausfall rechtzeitig zur WM wieder fit geworden war und am Dienstag sein 100. Länderspiel bestritt, konnte er nach 23 Minuten den Ball an der Strafraumgrenze mit dem Kopf annehmen, traf dann aber seinen Drehschuss mit dem linken Fuß nicht richtig. Es war einer von nur drei Torschüssen der bemühten, aber einfallslosen Polen bis zur Pause – und einer von nur 14 Ballkontakten des Bayern-Stars.

          Gewohnte Torgefahr versprühte Lewandowski im ersten WM-Spiel seiner Karriere nur gleich nach Wiederanpfiff, als er den Ball im Mittelkreis eroberte, vor dem Strafraum gefoult wurde und den daraus resultierenden Freistoß gut aufs Tor brachte – doch Torwart Khadim Ndiaye, der einzige aus der senegalesischen Elf, der für einen afrikanischen Klub spielt, parierte. Kurz darauf vergab der Dortmunder Lukasz Piszczek aus zehn Metern die beste Ausgleichschance.

          Vor dem 0:2 begehen die Polen einen schweren Fehler. Bilderstrecke

          Die Polen drückten, schlugen sich dann aber selbst. Am Mittelkreis schlug Krychowiak ohne Blick nach hinten einen überraschenden Rückpass ins Niemandsland zwischen Torwart und letztem Verteidiger, Jan Bednarek, der den nach einer Behandlungspause von der Auslinie wieder aufs Spielfeld gekommenen Niang übersah. Der heranspurtende Senegalese lief als lachender Dritter mit dem Ball ins leere Tor. Die Proteste der Polen fruchteten nichts. Einen Teil des Schadens konnte Krychowiak per Kopfball kurz vor Schluss noch reparieren, doch zu mehr reichte es nicht mehr.

          Bei Schlusspfiff jubelte die auffälligste Erscheinung auf den Trainerbänken: Aliou Cissé, mit 42 Jahren der jüngste Trainer des Turniers. Zudem der einzige dunkelhäutige – und der einzige mit Rastalocken. 2002 war er Kapitän jenes senegalischen Teams, das bei der bisher einzigen WM-Teilnahme bis ins Viertelfinale kam. „Senegal ist eine große Mannschaft“, sagt Cissé – und schickt sich an, das bei dieser WM zu beweisen.

          Fussball-WM 2018

          Weitere Themen

          Startrecht nach Kastration

          FAZ Plus Artikel: Fall Caster Semenya : Startrecht nach Kastration

          Die IAAF hat Caster Semenya nach ihrem Sieg in Berlin 2009 eine Operation nahegelegt zur Aufhebung ihrer Laufsperre. Vier Athletinnen unterzogen sich der Tortur. Ein früherer Funktionär spricht von einem Zwangssystem.

          Topmeldungen

          „Eine Art Ideologie, die zu Gräueln in der Historie unseres Planeten geführt hat“: So beschreibt ein ehemaliger Funktionär die Haltung der IAAF gegenüber der standhaften Caster Semenya.

          FAZ Plus Artikel: Fall Caster Semenya : Startrecht nach Kastration

          Die IAAF hat Caster Semenya nach ihrem Sieg in Berlin 2009 eine Operation nahegelegt zur Aufhebung ihrer Laufsperre. Vier Athletinnen unterzogen sich der Tortur. Ein früherer Funktionär spricht von einem Zwangssystem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.