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4:2 gegen Kroatien : Blau, Weiß, Gold

Den Pokal in Händen: Frankreichs Nationalmannschaft ist Weltmeister Bild: Reuters

Le jour de gloire est arrivé! Deutschlands Nachfolger kommt aus dem Nachbarland: Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Im torreichsten Finale seit 1958 sind die Kroaten der etwas unglückliche Verlierer.

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          Als der Schlusspfiff ertönte, explodierte der französische Jubel für einige Sekunden auf dem Rasen. Die Ersatzspieler stürmten auf den Platz, überall bildeten sich Grüppchen französischer Weltmeister, die übereinander herfielen. Aber nur ein, zwei Minuten später waren die verdienten Nachfolger der deutschen Weltmeister von Rio schon wieder ziemlich bei sich. Sie klatschten sich ab, schüttelten den traurigen Kroaten die Hände und genossen zunächst vergleichsweise gelassen den Triumph. Fast ganz so, wie sie bei dieser WM auch auf dem Platz angetreten waren – und diese reife Ausdauerleistung in Moskau dann mit einem spektakulären 4:2-Sieg in einem hinreißenden Finale gegen Kroatien vollendeten.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Verlierer des Abends und großen emotionalen Gewinner dieser WM, die Kroaten, waren auch in diesem Endspiel noch einmal über sich hinausgewachsen. Aber die mannschaftliche Stärke und auch das Spielglück der Franzosen waren diesmal zu viel für sie. Mandzukic (19. Minute) hatte die kroatische Niederlage mit einem Eigentor eingeleitet, Perisic (28.) gelang der verdiente Ausgleich, ehe Griezmann, mit einem Elfmeter nach Eingriff des Videoassistenten vor der Pause das 2:1 für Frankreich glückte (38.). Nach dem Wechsel sorgte ein Doppelschlag von Pogba (59.) und Mbappe (65.) für die Entscheidung, an der auch Mandzukic mit dem 4:2 nach einem Fehler von Torwart Lloris nichts mehr ändern konnte.

          Fussball-WM 2018

          Der zweite WM-Titel in der französischen Fußballgeschichte stand damit nicht zuletzt im Zeichen von Trainer Deschamps, dem damit nach Zagallo und Beckenbauer das Kunststück gelang, erst als Spieler und dann als Trainer den WM-Pokal in den Himmel zu heben. Bevor er das nach dem torreichsten Finale seit 1958 tat (nach regulärer Spielzeit), hatte auch der Himmel über Moskau seine Schleusen geöffnet.

          Im Wolkenbruch war Deschamps nach seinen durchnässten Spielern als Letzter die Riege der Staats- und Fußballchefs abgeschritten, und da herzte ihn sein Staatspräsident Macron noch ein weniger inniger als alle anderen Weltmeister zuvor, obwohl das kaum mehr ging. Macron sprach dann später beim Besuch in der Kabine auch noch zur Mannschaft. „Ihr habt ganz Frankreich zum Träumen gebracht“, sagte er in Begleitung eines Mannes, der im Krieg in Mali einen Arm und ein Bein verloren hatte. Dieser Mann habe ihn zwei Tage vor dem Finale um einen Gefallen gebeten, sagte Macron: „Sagen Sie (den Spielern), dass sie einen kleinen Franzosen wie mich zum Träumen gebracht haben. Deswegen habe ich ihn euch mitgebracht: weil ich wollte, dass ihr spürt, was ihr tut.“

          Torreich wie seit Jahrzehnten nicht mehr

          Singing in the rain – das war zuvor rund um die Siegerehrung der letzte französische Programmpunkt dieser WM. „Es ist zu schön, wunderbar für die jungen Spieler“, sagte Deschamps gerührt. Schon die erste Halbzeit in Moskau war mit drei Treffern der torreichste Beginn eines WM-Endspiels seit 1974. Das 2:1 der Franzosen war allerdings glücklich. Nach Torschüssen stand es 7:1 für Kroatien. Wie das möglich ist: Frankreich profitierten von zwei ungewöhnlichen Standardsituationen. Die erste, einen Freistoß von Griezmann, verlängerte Mandzukic (19.) mit dem Kopf unhaltbar ins eigene Tor. Und die zweite, ein Elfmeter, den Griezmann souverän nutzte (38.), war durch den Videoassistenten zustande gekommen.

          Allerdings blieben auch nach Ansicht der Bilder gewisse Zweifel. Perisic hatte den Ball nach einer Flanke mit der Hand ins Toraus verlängert, der Kontakt war unstrittig. Aber die Entscheidung von Schiedsrichter Pitana am Fernsehmonitor, der Unparteiische hatte zunächst weiterspielen lassen, blieb schwierig. Perisic hatte den Ball zwar auch nicht aus kurzer Entfernung an die Hand bekommen, zudem machte er eine kurze Bewegung. Aber den Ball konnte er wegen des direkt vor ihm zum Kopfball hochsteigenden Matuidi erst sehr spät sehen. Das erste Elfmetertor nach dem sogenannten Videobeweis in einem WM-Endspiel dürfte vermutlich noch viele Jahre zu kontroversen Diskussion führen. „Ich kommentiere normalerweise nie Schiedsrichter-Entscheidungen“, sagte der kroatische Nationaltrainer Zlatko Dalic. „In einem WM-Finale gibst du so einen Elfmeter aber nicht. Es schmälert jedoch in keiner Weise den Sieg der Franzosen. Und der Schiedsrichter hat nur entschieden, wie er es gesehen hat.“

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