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2:0 gegen Nigeria : Frankreich ist bereit fürs Rendez-vous

  • -Aktualisiert am

Frankreich ist bereit: Valbuena scheint sich aufs Viertelfinale zu freuen Bild: AFP

Die Franzosen bezwingen Nigeria im WM-Achtelfinale nach großen Problemen mit 2:0. Pogba und Griezmann treffen erst spät. Nun wartet Deutschland in der Runde der letzten Acht.

          3 Min.

          Einen Tag der Mühsal und spielerischen Armut hat die französische Fußball-Nationalmannschaft schließlich doch vergoldet. Als sich das Publikum im Nationalstadion von Brasilia längst vom Favoriten abgewendet hatte und den Außenseiter Nigeria unterstützte, schlugen die Franzosen im ersten Montagsspiel der Achtelfinalrunde bei der Weltmeisterschaft in Brasilien doch noch zu. Mittelfeldspieler Pogba (79.) erlöste mit seinem 1:0 sein Team und die nun kräftig die Nationalhymne schmetternden Anhänger der „Bleus“. Griezmann erhöhte noch auf 2:0 (90.+1), und damit war Frankreich erwartungsgemäß im Viertelfinale.

          Dort bekommen es die Spieler von Trainer Didier Deschamps am Freitag in Rio de Janeiro mit Deutschland (18.00 Uhr / ZDF und F.A.Z.-Liveticker) zu tun. Leistet sich Frankreich dort noch einmal einen über weite Strecken uninspirierten Auftritt, dürften seine Ambitionen auf mehr demnächst erloschen sein.

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          Mehr als ein Fingerzeig: Pogba hat das 1:0 erzielt :

          In Frankreich haben sie ihr Nationalteam wieder lieb nach dem sportlichen und zwischenmenschlichen Desaster bei der WM vor vier Jahren. Und mancher, auch unter den Spielern, träumt von neuer Gloire wie 1998, als Frankreich daheim Weltmeister wurde. Seinerzeit war Didier Deschamps, der Trainer der heutigen Equipe Tricolore, Kapitän der siegreichen Mannschaft. Am Montag in Brasilia sah der Mann während der ersten Halbzeit alles andere als glücklich aus.

          Frankreich unkonzentriert

          Frankreichs Spiel kam, durch eigene Unkonzentriertheit und angesichts eines harten und hartnäckigen Gegners, 45 Minuten lang nicht in Fluss. Einzig der an den früheren Mittelfeldstar Alain Giresse erinnernde Mathieu Valbuena hatte gelegentlich eine Idee, etwa, als er im Doppelpass mit dem Jungdynamiker Paul Pogba einmal die Abwehr der Nigerianer so weit aufriss, dass Pogba frei zu einem Volleyschuss kam, den Torhüter Enyeama reflexartig parierte (22.).

          Der Afrikameister, der den Menschen in dem vom Boko-Haram-Terror heimgesuchten westafrikanischen Land durch seine WM-Auftritte ein wenig Freude gemacht hat, hielt vor der Pause jederzeit mit und wurde über seine vier Offensivspieler Musa, Moses, Emenike und Odewingie auch immer wieder mal gefährlich, so dass Torhüter Lloris gelegentlich beherzt zupacken musste, wie bei Emenikes Gewaltschuss (44.). Insgesamt aber fehlte in diesem tempoarmen Achtelfinalspiel die Klasse, die sich die mehrheitlich auf Seiten der Afrikaner stehenden Fans erhofft hatten. Den Nigerianern galt dabei kein Vorwurf, wohl aber dem Möchtegern-Champion, der immer wieder die falschen Entscheidungen in dieser faden Partie traf.

          Deschamps reagiert

          Klassearm wie das Ganze bis dahin war, ging es auch nach dem Wechsel vor 68.000 Zuschauern weiter. Der Favorit fand nicht zu seinem Kombinationsspiel und reagierte, über sich selbst frustriert, auch noch falsch. So stieg Matuidi dem Nigerianer Onazi derart heftig auf das Sprunggelenk (55.), dass er mit der Gelben Karte gut davonkam und sein Gegenspieler vom Platz getragen werden und durch Gabriel ersetzt werden musste. Wo nur waren die Qualitäten geblieben, die die Franzosen in ihren ersten beiden Spielen der Gruppe E bei ihren leichtfüßigen Erfolgen gegen Honduras und die Schweiz ausgezeichnet hatten?

          Deschamps reagierte mit einem überfälligen, und wie sich zeigen sollte, goldenen Wechsel, als er den staksigen Mittelstürmer Giroud durch Außenstürmer Griezmann ersetzte. So konnte Frankreichs bester Angreifer, Karim Benzema, endlich von links draußen in die Sturmmitte einrücken (62.) und dort zum bedrohlichen Unruhestifter werden. Die Chance zum ersten Tor aber hatte Nigeria, als der gute Lloris einen kernigen Schuss Odemwingies zu parieren hatte (63.). Für die Zuschauer eine willkommene Abwechslung im öden Gebolze. Das Nationalstadion von Brasilia war sowieso längst zur Heimatbühne der Afrikaner geworden, auch weil Frankreich meilenweit unter seinem Format geblieben war.

          Dann aber drehte sich alles, als Benzema erstmals sein Können ausspielte, eine Eins-gegen-Eins-Situation gegen Enyeama für sich entschied und dem Ball, der ins Tor zu kullern schien vorfreudig hinterhersah. Doch Moses bewahrte Nigeria mit einer artistischen Rettungstat kurz vor der Torlinie zunächst vor dem 0:1-Rückstand (70.). Benzema hatte das Zeichen gesetzt, das seine Mitspieler endlich zu mehr konstruktivem Tatendrang ermutigte.

          Sieben Minuten später bebte die Latte des nigerianischen Tors bei Cabayes Gewaltschuss; wieder zwei Minuten später reagierte Enyeama bei Benzemas Kopfball fabelhaft – und war nach dem anschließenden Eckball von Valbuena geschlagen, als Pogba nach Enyeamas zu kurzer Abwehr per Kopf das 1:0 (79.) erzielte. Im Zeitraffer hatten die Franzosen demonstriert, zu was sie an besseren Tagen fähig sind. Und folgerichtig erzielte Griezmann (90.+1) mit der Hacke auch noch das 2:0. Dennoch hatten die Franzosen viel zu lange dafür gebraucht, um an diesem Tag ihren eigenen hohen Ansprüchen zu genügen.

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